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Reul zu Schießerei in Duisburg: "Menschen in Angst und Schrecken versetzt“

Innenminister Reul zur Schießerei in Duisburg : „Ein Riesenproblem, das Menschen in Angst und Schrecken versetzt“

„Wir weichen nicht“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) zur Schießerei in Duisburg: Man bekämpfe das organisierte Verbrechen. Es gebe offenbar Bezüge zwischen Rocker- und Clankriminalität. Eine „neue Dimension“ erkenne er im Duisburger Fall nicht.

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) hat die Videos und Bilder von der Schießerei in Duisburg als „schockierend“ bezeichnet. Clankriminalität sei „ein Riesenproblem, das die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Insbesondere im Ruhrgebiet“, so Reul bei einem Statement, das er am frühen Nachmittag im Ministerium in Düsseldorf abgab.

Er finde das Geschehen bedrohlich und beunruhigend. „Es ist aber keine neue Dimension“, betonte er. Jedenfalls sehe er das im Moment nicht so: „Immer unter Vorbehalt. Man muss schauen, was noch an Erkenntnissen kommt.“ Auf die Frage, ob sich nun ein Konflikt zwischen Gruppierungen hochzuschaukeln drohe, blieb der Minister vorsichtig: „Da ich kein Prophet bin – ich weiß es nicht. Ich sehe im Moment zumindest keine Anzeichen dafür.“

Die Schießerei, die sich am Mittwochabend auf dem Altmarkt in Duisburg-Hamborn ereignet hat, war offenbar eine Kampf zwischen Angehörigen der Rockergruppe Hells Angels und eines kriminellen Clans. „Das zeigt, was wir schon öfter festgestellt haben: Dass es nämlich Bezüge zwischen beiden Gruppierungen gibt und Rocker und Clans durchaus mal gemeinsame Sache machen“, ordnete Reul das Geschehen ein. Es führe vor Augen, „wie enorm wichtig es ist, bei diesem Problem nicht nachzulassen. Da muss man am Ball bleiben. Wir stellen uns seit Jahren systematisch gegen die organisierte Kriminalität, gegen Clan-Kriminalität und gegen Rocker-Kriminalität“, sagte Reul und versprach: „Wir werden nicht nachlassen. Wir halten den Druck aufrecht. Wir weichen nicht und wir bleiben dran.“

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Der Innenminister verband sein Statement mit einer Reihe von Wahlkampf-Botschaften. „Noch bis in die letzten Tage wurde mir unterstellt, ich würde dieses Problem aus PR-Gründen aufbauschen. Menschen haben mir unterstellt, ich würde aufgrund von Wahlen ausländerfeindliche Ressentiments bedienen“, sagte er. Vor dem Jahr 2017 – also zur Zeit der Vorgängerregierung von SPD und Grünen – sei bestritten worden, dass es überhaupt ein Problem gebe. Er aber habe diese Art der Kriminalität vom ersten Tage seiner Amtszeit an bekämpft. „Ich bin der festen Überzeugung: Wenn wir das nicht angepackt hätten, wenn wir nicht so hart durchgegriffen hätten, dann gäbe es solche Szenen wie in Duisburg öfter.“ Er kandidiere erneut für die CDU, um sicherzustellen, dass der Weg weitergehe.

Die SPD wiederum nahm den Vorfall zum Anlass, um gerade die Sicherheitspolitik von Reul zu kritisieren. „Das sind erschreckende Bilder mit wilder Schießerei im Wohnviertel. Meinen das die CDU und Innenminister Reul damit, wenn sie sagen, NRW sei sicherer geworden?“, fragte Sven Wolf, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. „Im Milieu der Organisierten Kriminalität herrscht offenbar eine blutige Rocker-Fehde. Was sind das für Zustände direkt vor unserer Haustür?“ Mit Minister-Razzien und Schlagzeilen werde die Organisierte Kriminalität. nicht bekämpft. „Da muss man an die Ursachen ran und endlich auch die Hintermänner und Strukturen in den Blick nehmen.“

Herbert Reul fasste in seinen Ausführungen auch zusammen, was nach den bisherigen Erkenntnissen der Behörden am Mittwochabend in Duisburg-Hamborn passiert war: Gegen 21 Uhr sei es zu einer „Tumultlage“ gekommen und dann zur Schießerei auf dem Altmarkt. Rund 80 bis 100 Personen waren an dem Kampf beteiligt: auf der einen Seite von Rockergruppe Hells Angels, auf der anderen Mitglieder „eines polizeibekannten türkisch-arabischen Clans“. Ausgangspunkt offensichtlich ein Streit zwischen den Organisationen. Was ihn ausgelöst habe, darüber gebe es „verschiedene Spekulationen“, so Reul.

Die Polizei sei vier Minuten nach dem ersten Notruf vor Ort gewesen. 15 Personen wurden festgenommen und am Donnerstagmittag wieder freigelassen. Am Tatort wurden 19 Neun-Millimeter-Hülsen und diverse Patronen gefunden. „Die Polizei ist jetzt dabei, akribisch jede noch so kleine Spur auszuwerten.“