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Diskussion mit Kreis Viersener Landtagskandidaten über Arbeit in Pflege und Erziehung

Diskussion mit Kreis Viersener Landtagskandidaten : Arbeit in Pflege und Erziehung ist oft unattraktiv

Zu wenige Fachkräfte in Pflege und Erziehung, zu viel Bürokratie in der täglichen Arbeit: Über soziale Themen diskutierten die Spitzen der Wohlfahrtsverbände im Kreis Viersen jetzt im Viersener Haus der Caritas mit Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl.

Klartext sprachen die Vertreter der Wohlfahrtsverbände zur Frage, wie mehr Fachkräfte im Sozialbereich gewonnen und die Verhältnisse verbessert werden können: „Was das Land und die Politik seit zwei, drei Jahren mit den Verbänden machen, ist grenzwertig“, sagte Nadia Khalaf, Kreis-Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Zu den enormen Belastungen durch die Pandemie kämen für die Mitarbeitenden etwa Vorgaben und Anforderungen zur aufwendigen Dokumentation und zur Digitalisierung. „Da muss Politik die Notbremse ziehen. Wenn das noch ein Jahr so weitergeht, kippt die komplette soziale Arbeit.“

Das bestätigte Detlef Blank vom Deutschen Roten Kreuz: Der „bürokratische Wahnsinn“ habe sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. „Der Aufwand in der Beantragung und Abrechnung von Betriebskosten etwa für Kitas und besonders für öffentliche Förderprogramme ist unverhältnismäßig hoch“, sagte der Geschäftsführer. Handlungsbedarf gebe es auch in der Pflege, erklärte Barbara Shahbaz, Kreisgruppengeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Der Beruf mache eigentlich Spaß und sei erfüllend, aber die Mitarbeitenden seien frustriert, weil sie ihren Fürsorgepflichten kaum mehr nachkommen könnten. Die Politik müsse dringend mit den Kassen über die Personalschlüssel sprechen, forderte sie.

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 „Pflege hatte schon immer ein Lobby-Problem“, sagte Christian Schrödter, Vorstand des regionalen Caritasverbandes, mit Blick auf die vorgegebenen Arbeitsbedingungen. Das bestätigte sein Vorstandskollege Peter Babinetz: Der Mangel an Fachkräften sei seit vielen Jahren bekannt, passiert sei jedoch wenig. Angesichts der demografischen Entwicklung werde „die pflegerische Arbeit künftig viel stärker auf den familialen Strukturen lasten – und ich bezweifle, dass diese dem standhalten können.“ Bereits in einigen Jahren würden fast drei Millionen Menschen ausschließlich von ihren Angehörigen gepflegt.

Landtagsabgeordneter Marcus Optendrenk (CDU) betonte, das Land habe inzwischen die Kosten der Pflegeschulen übernommen, um die Ausbildung zu fördern. „Die Bedeutung des Themas ist in den Parteien angekommen“, versicherte Optendrenk. Er plädierte für eine „konzertierte Aktion“, um die gesellschaftliche Akzeptanz des Pflegeberufs zu erhöhen.

Lukas Maaßen (SPD) bezeichnete die Bezahlung von Pflegekräften als ausschlaggebenden Punkt, seine Kollegin Tanja Jansen (SPD), selbst gelernte Krankenschwester, regte ein „Imageprogramm“ für den Beruf an. „Mehr in die Schulen gehen, um den Beruf vorzustellen“, und verstärkt ausländische Fachkräfte gewinnen, lauteten die Vorschläge von Paul Muschiol (Grüne). Für Jana van Helden (Die Linke) sind die Arbeitsbedingungen das Problem. „Die Fallpauschalen in den Krankenhäusern müssen wieder abgeschafft werden. Es geht nicht, dass eine Pflegekraft in der Nachtschicht allein für 30 Patienten zuständig ist“, sagte sie.

Durchaus kontrovers diskutierten Politiker und Verbandsvertreter unter der Moderation von Andreas Vollmert auch das Thema der Arbeit zugunsten von Kindern und Jugendlichen. Beispiel: Elternbeiträge in den Kitas. Während etwa Paul Muschiol („Starke Schultern tragen mehr“) für Elternbeiträge plädierte, sprachen sich Andreas Röder (Die Linke) und Lukas Maaßen klar dagegen aus: „Kitas müssen beitragsfrei werden, das ist eine Frage des Prinzips“, so Maaßen. Als „unsäglich“ bezeichneten Vertreter der Wohlfahrtsverbände den Trägeranteil bei der Kita-Finanzierung. „Niemand bringt Geld mit, um eine Kita betreiben zu dürfen“, sagte Detlef Blank.

(gmk)