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Belohnungs-Reisen in vielen Branchen üblich

Belohnungs-Reisen in vielen Branchen üblich

Frankfurt/M. (rky) Der Skandal um die Budapester Party von Ergo wirft Licht auf ein Geschäft, das in seiner Bedeutung oft unterschätzt wird. Incentive-Reisen, also Belohnungs-Ausflüge, gehören zu den wichtigsten Wachstumsgebieten der Reisebranche – Versicherungen motivieren damit ihren Vertrieb, Autokonzerne belohnen die besten Verkäufer, Dax-Konzerne oder auch Nestlé und Campina schicken ganze Abteilungen zum "Teambuilding".

Der Trend zeigt sich auf der gestern gestarteten Imex-Messe für Incentive-Reisen und ähnliche Angebote für Großkunden in Frankfurt. 3500 Aussteller von der Hotelkette Maritim über Incentive Portugal bis hin zu Lufthansa präsentieren Angebote, um Mitarbeitern auf Kosten der Firma gute Tage zu spendieren. Eines ist dabei klar: "Je ungewöhnlicher und spannender, umso besser", heißt es beim Kölner Reisebüro Frenzen, "die Veranstaltungen müssen unvergesslich und bis ins Detail organisiert sein." Der organisierte Besuch von Prostiuierten ist allerdings nicht üblich – und mit den ethischen Regeln der Firmen nicht zu vereinbaren.

Gleichwohl geht es bei den Reisen um große Summen, wie die bei Frenzen angepriesenen Ziele zeigen: In Europa gelten Istanbul, Warschau oder Budapest zu den Top-Zielen, auch Kapstadt, Marrakesch und Namibia werden angepriesen. Zur Glücksspielstadt Las Vegas heißt es nur: "Da wir diese Stadt von etlichen Gruppen und Besuchen in- und auswendig kennen, können wir für jede Gruppe das optimale Programm bieten."

Laut einer Untersuchung des Europäischen Instituts für Tagungswirtschaft kann man jede zweite Geschäftsreise ins Ausland als Incentive-Reise verstehen – es geht also insgesamt um ein Geschäft von vielen Milliarden Euro. Oft gibt es ein offizielles Rahmenprogramm mit Vorträgen, doch immerhin jede 20. Reise ist laut der Untersuchung nichts weiter als Vergnügen.

Einer der bekanntesten Anbieter ist der frühere Stuntman Jochen Schweizer. Schaut man sich die Angebote an, wird klar, dass auf Firmenkosten viel zu erleben ist: Es gibt Husky-Fahrten im Schnee in Tirol, Floßfahren mit GPS-Unterstützung, Tauchen am Roten Meer oder auch das gemeinsame Bauen einer Brücke über einen Wildbach. Zumindest die Volksfürsorge ist von dem Angebot begeistert: "Die Jochen Schweizer GmbH hat tolle Events für uns zusammengestellt. 90 erfolgreiche Teams freuen sich auf Prämien nach Maß, vom rasanten Rennwagenabenteuer bis zum entspannten Wellnessaufenthalt."

(RP)