Tennis-Bundesliga: Trotz Stars wie die Zverev-Brüder kaum Zuschauer

Tennis-Bundesliga 2018: Stars auf Provinzplätzen

Fernab großer Aufmerksamkeit, geht die Tennis-Bundesliga in die finale Phase. Die Liga ist so prominent besetzt wie nie zuvor. Dass Stars wie die Zverev-Brüder oder Philipp Kohlschreiber gemeldet sind, ist Fluch und Segen.

Eigentlich sollte der TC Weinheim den Tennisklub Grün-Weiß Mannheim auf der eigenen Anlage empfangen, auf der gut 1500 Zuschauer Platz finden. So war es laut Bundesliga-Spielplan vorgesehen. Doch in weiser Voraussicht tauschte man das Heimrecht. Und tatsächlich, es kamen 4500 Fans. Rekordkulisse in Mannheim. Der Grund: Wenige Wochen nach seinem Auftritt auf dem Pariser Center Court, im French-Open-Finale und somit im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, da schlug der Österreicher Dominic Thiem für Mannheim auf. Die Nummer neun der Welt gewann das Match. Als Sieger aber darf man vor allem die Tennis-Bundesliga sehen. Die rangiert medial unter ferner liefen, ist aber im Aufwind.

Seit 1972 wird die höchste Spielklasse im deutschen Mannschaftstennis der Herren ausgetragen. Gespielt wird von Anfang Juli bis Mitte August an neun Spieltagen. Sieben der zehn Teams kommen aus NRW. Und so stark besetzt wie in dieser Saison, mit 30 Spielern aus den Top 100 der Weltrangliste, waren die Mannschaften noch nie.

Der fünfmalige deutsche Meister Blau-Weiß Halle hat sich die Dienste der Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff und Tim Pütz gesichert und zudem den Niederländer Robin Haase (Weltranglistenplatz 38) im Aufgebot. Der TK Aachen hat den namhaften Sandplatzspezialisten Roberto Bautista-Agut (WR 16) im Team. Für GW Mannheim spielt nicht nur Thiem, sondern auch der Nürnberger Maximilian Marterer. Der Rochusclub Düsseldorf sowie der Gladbacher HTC setzen da sogar einen drauf: Mit den beiden Zverev-Brüdern Alexander und Mischa in der Meldeliste hat der Rochusclub einen Coup gelandet. Gladbach konnte erneut Philipp Kohlschreiber (WR 29) verpflichten.

Immer mehr Spieler mit Weltklasse-Format suchen sich die Bundesliga aus, um auf hohem Niveau Spielpraxis zu sammeln. All jene schmücken die Meldelisten und die stolzen Klubs. Doch es gibt trotzdem schier unüberwindbare Probleme, die das Wachstum hemmen: die Konkurrenz durch hochdotierte ATP-Turniere, der Termin in den Sommerferien und die kleinen Stadien mit im Schnitt nur etwas mehr als tausend Plätzen. Das Riesenproblem aber ist, dass die Liga manchmal zur Produktenttäuschung gerät.

Viele Topstars absolvieren im Zweifel nämlich kein einziges Spiel. Die Zverevs beispielsweise touren auf der ATP-Bühne durch die Welt, zuletzt beim mit knapp zwei Millionen Euro dotierten Hartplatz-Wettbewerb in Washington. Der Problematik ist sich der Teamchef des Rochusclubs bewusst. Detlev Irmler (76) ist seit fast drei Jahrzehnten in Düsseldorf verantwortlich und hat reichlich Erfahrung im Profigeschäft. Lange bevor Mischa, der ältere Bruder von Alexander Zverev, in der Weltspitze ankam, hatte Irmler ihn bereits gefördert. Der Teamchef wollte die Zverevs diese Saison auch nicht melden, sagt er, sich nicht mit falschen Federn schmücken. „Die beiden wollten es aber unbedingt, um spielen zu können, wenn sich die Chance bietet“, sagt Irmler. Das war bisher nicht der Fall und wird aller Voraussicht nach an den verbleibenden drei Spieltagen nicht mehr passieren.

Wenn der Ligasechste Gladbacher HTC am Sonntag beim Meisterschaftskandidaten Mannheim spielt, wird auch Kohlschreiber nicht da sein. Er hat zwar Spiele bestritten, fällt nun aber der ATP-30-Regel zum Opfer. Die besagt, dass Spieler, die zum 31. Dezember des Vorjahres zu den Top 30 der Weltrangliste gehörten, nicht in der Bundesliga spielen dürfen, wenn zeitgleich ein ATP-500er oder -1000er-Turnier ansteht. Da derzeit die Canadian Open in Montreal (1000er Kategorie) ausgetragen werden, greift das Verbot.

Selbst die „zweite Riege“ aber lässt sich sehen. Düsseldorf, derzeit Tabellendritter hinter Mannheim und Krefeld, hat etwa Mats Moraing gemeldet. Der 26-Jährige strebt nach Höherem. „Ich bin zufrieden. Auch wenn es schade ist, dass die Liga kaum wahrgenommen wird“, sagt Moraing, der von Vater Peter, selbst ein Ex-Tennisprofi, trainiert wird. „Den meisten geht es leider nur um die hochdotierten ATP-Turniere.“ Irmler traut Moraing den Sprung nach ganz oben zu. Für den Spieler wäre es wünschenswert. Ob er dann noch oft in der Liga bejubelt werden könnte, darf bezweifelt werden.

(ball)