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Fortuna Düsseldorf kämpft gegen die Schockstarre

Nach 3:3 und vor Pokal-Viertelfinale : Fortuna kämpft gegen die Schockstarre

Das Verspielen einer 3:0-Führung beim 3:3 gegen Hertha BSC sorgte für viel Frust am Freitagabend. Das Ziel ist, daraus keinen anhaltenden Zustand werden zu lassen. Chefcoach Uwe Rösler ist jetzt als Mentaltrainer gefragt.

Jeder Trainer pflegt seine Rituale. So zitiert Uwe Rösler seine Mannschaften gerne nach dem Spiel erst einmal in die Kabine, um eine Ansprache zu halten, seinen Mannen die ersten Lehren aus der Partie mitzugeben. Nicht so am späten Freitagabend. Zu emotional war er, das Team und alle um Fortunas Team herum. „Ich habe der Mannschaft nur eines gesagt“, erzählte der 51-Jährige. „Ich habe ihr gesagt, dass dies heute hier nicht unser ,defining moment’ für die Saison war.“ Also nicht der Moment, der im Nachhinein als der entscheidende für den Verlauf der Spielzeit herausgenommen werden kann. Rösler ist natürlich bewusst, dass dieses 3:3 gegen Hertha BSC nach 3:0-Führung Wirkung in den Köpfen der Spieler hinterlassen hat. Nun geht es darum, diese Wirkung nicht nachhaltig werden zu lassen.

Es ist bereits das dritte Mal in der noch kurzen Amtszeit von Uwe Rösler, dass seine Mannschaft eine Führung hergegeben hat und am Ende nur einer statt drei Punkte auf der Habenseite stehen. Doch das 1:1 der Frankfurter in der Nachspielzeit bei Röslers Debüt oder das 1:1 in Wolfsburg trotz einer ganzen Halbzeit in Überzahl konnten im Vergleich mit dem 3:3 gegen bereits am Boden liegende Berliner bei weitem nicht mit der potentiell zerstörerischen Wirkung auf Fortunas Gemüt mithalten. Sportvorstand Lutz Pfannenstiel sprach gar von einer „Katastrophe“ – wollte dieses Wort aber explizit nicht auf die Leistung der Mannschaft projiziert wissen, sondern einzig und allein auf den Spielverlauf.

Allerdings ist es schwer, beides so strikt voneinander zu trennen. Denn Fortunas Leistung muss geteilt betrachtet werden: in das Auftreten bis zur 64. Minute und in alles, was danach passierte. Fortuna hatte Hertha genau da, wo sie sie haben wollte. Die Berliner – schwer gebeutelt von einer 0:5-Niederlage gegen Köln, dem Theater um Ex-Trainer Jürgen Klinsmann und drei Fortuna-Toren von Kenan Karaman (2) und Erik Thommy – machten nach knapp über einer Stunde Spielzeit nicht annähernd den Anschein, als könnten sie noch einmal in die Partie zurückkommen. Bis Thommy eine Berliner Flanke mit dem Fuß nicht traf und stattdessen mit der Hand ins eigene Tor bugsierte.

Für den kollektiven Kollaps der Fortuna-Mannschaft, der folgte, hatte später kein Verantwortlicher eine echte Erklärung parat. Einig waren sich aber alle: „So etwas darf uns nicht passieren und darf uns vor allem nicht noch einmal passieren.“ Am Ende mussten die Düsseldorfer gar noch glücklich sein, dass sie nicht noch mit 3:4 verloren. „Wir werden das in aller Ruhe – ohne Emotionen – aufarbeiten“, sagte Rösler. „Es ist wichtig, dass wir aus diesem Spiel, das sich wie eine Niederlage anfühlt, die richtigen Schlüsse ziehen.“ Ein Punkt, den der Coach ansprechen wird, ist die inakzeptable Zweikampfquote: Fortuna gewann nur 37 Prozent der direkten Duelle.

Der Trainer zeigte sich aber zuversichtlich, dass der einwandfreie Charakter der Mannschaft dafür sorgen werde, dass sich diese „3:3-Niederlage“ nicht in den Köpfen festsetzen wird. „Wir werden zusammen wieder aufstehen. Es ist ganz wichtig, dass wir uns jetzt nicht eingraben, sondern den Mund abputzen und weitermachen“, betonte Rösler, der deshalb sehr froh darüber ist, dass sein Team bereits am Dienstag mit dem Viertelfinalspiel im DFB-Pokal in Völklingen gegen den 1. FC Saarbrücken die Chance hat, negative durch positive Erinnerungen zu ersetzen „Wenn man ein Spiel so beendet hat wie wir, ist es heilsam, dass das nächste Spiel so schnell wie möglich kommt“, sagte Rösler. Der Plan: Ein Halbfinaleinzug soll den nötigen Rückenwind geben, um am Sonntag in Mainz den Rückstand aufs rettende Ufer auf einen Punkt zu verkürzen.