1. Sport
  2. Fußball
  3. Fortuna

Fortuna Düsseldorf: Kenan Karaman und die verdorbene Gala

Zwei Tore und doch Frust bei Fortunas Offensivspieler : Kenan Karaman und die verdorbene Gala

Fortunas türkischer Nationalspieler trifft in seinem ersten Heimspiel nach mehr als dreimonatiger Krankheitspause zweimal. Nach seiner Auswechslung muss Kenan Karaman erleben, wie aus einem 3:0 gegen Hertha BSC ein 3:3 wird.

Die alte Metapher von den gemischten Gefühlen reicht beileibe nicht aus, um die Emotionen von Kenan Karaman zu beschreiben. Da darf der türkische Nationalstürmer zum ersten Mal seit mehr als einem Vierteljahr wieder ein Heimspiel für Fortuna bestreiten. Dann schießt er auch noch zwei Tore in einer Spielhälfte, darf mit einem 3:0-Vorsprung gegen Hertha BSC in die Halbzeitpause gehen. Als er nach 62 Minuten gegen Nana Ampomah ausgetauscht wird, läuft der 25-Jährige mit einem strahlenden Lächeln vom Platz und nimmt die standing ovations der Zuschauer entgegen. Ein wahrer Rausch – wenn da nicht dieses Endergebnis von 3:3 gewesen wäre.

„Das war sehr bitter“, sagt Karaman mit einem Gesicht, als hätte ihn der türkische Nationaltrainer Senol Günes gerade aus dem EM-Kader gestrichen. „Mir fällt es gerade auch sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich das absolut nicht verstehe, warum wir komplett den Faden verlieren.“ Da stand der Angreifer nicht allein da, nur war seine persönliche Situation kurioser als die jedes anderen im Stadion. Karaman hatte sich schließlich kaum die Jacke übergezogen, geschweige denn jeden auf der Ersatzbank begrüßt – und schon hatte das Unglück mit Erik Thommys Eigentor seinen Lauf genommen. „Aber selbst nach diesem Tor – so ein Ding kann doch passieren“, meinte der gebürtige Stuttgarter kopfschüttelnd. „Ich weiß nicht, warum wir uns davon so verunsichern lassen.“

Der Matchplan von Trainer Uwe Rösler war völlig aus dem Ruder gelaufen, und Karaman konnte das nur hilflos beobachten. „Wir reden immer von Game-Management und Cleverness, aber es bringt uns nichts, wenn wir das in Freiburg einmal umsetzen und in der Woche danach nicht mehr.“ Es wäre doch so wichtig gewesen, Hertha mit hinunterzuziehen, befand er. „Wir hätten weiter vorne Druck machen und hinten kompakter stehen müssen. Die Abstände zwischen unseren Spielern waren viel zu groß. Wir waren nicht mehr aggressiv genug in den Zweikämpfen, und so kam Hertha ins Spiel. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das 3:3 fiel.“

Logisch, dass unter diesen Umständen der Rückblick auf die eigene Galavorstellung nicht mehr glamourös ausfiel. „Es fühlt sich eben an wie eine Niederlage“, erklärte Karaman. „Natürlich ist es schön, dass ich nach meiner schweren Lungenentzündung endlich wieder vor heimischem Publikum spielen durfte. Das hatte ich echt vermisst. Aber gerade ist das leider nicht mehr als eine schöne Randnotiz.“

Bereits am Dienstag um 18.30 Uhr geht es mit dem Viertelfinalspiel im DFB-Pokal weiter. Fortuna gastiert in Völklingen beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken, und diese Aufgabe kommt dem EM-Kandidaten des türkischen Nationalteams jetzt gerade recht: „Pokal ist ein anderer Wettbewerb, da haben wir eine machbare Aufgabe, und wir wollen unbedingt ins Halbfinale. Da müssen wir Selbstvertrauen tanken für das wichtige Spiel in Mainz am Sonntag.“

Voraussetzung dafür ist eine gute Vorbereitung auf eine Partie, in die Fortuna ganz im Gegensatz zu den Aufgaben in der Bundesliga als klarer Favorit geht. „Deshalb müssen wir das alles gut analysieren und das Positive herausziehen“, fordert Karaman. „Es sind wichtige Spiele bis zur Länderspielpause.“ In der Tat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Kenan Karaman