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Fortuna Düsseldorf: Warum Uwe Röslers Ansprache diesmal ausfiel

Nach Fortunas 3:3 gegen Hertha BSC : Warum Uwe Röslers Ansprache diesmal ausfiel

Die völlige taktische Auflösung Fortunas, die aus einer 3:0-Führung gegen Hertha BSC noch ein enttäuschendes 3:3 machte, lässt die Spieler ratlos zurück. Trainer Uwe Rösler will erst die Emotionen herunterfahren lassen.

So still ist es in der Düsseldorfer Arena normalerweise nur vor dem Morgengrauen. Kurz schallte noch der Abpfiff von Schiedsrichter Tobias Stieler durch das Stadion, dann kam gar nichts mehr. Offenbar sah auch der Gästeblock das 3:3 von Hertha BSC bei der Fortuna nicht als Grund zum Feiern an und nahm das Geschehen eher teilnahmslos zur Kenntnis – und die Düsseldorfer Anhänger starrten ohnehin nur fassunglos auf den Rasen. Erst als die Stadionregie eine gefühlte Ewigkeit später das erste Musikstück startete, war die Stille gebrochen.

3:3 nach 3:0-Führung – ein schwerer Schlag für Fortuna, das war jedem klar. Auch den Spielern, wie der erste Kommentar von Kevin Stöger zeigte. „Natürlich bin ich enttäuscht“, sagte der Österreicher, „aber ich bin auch sauer. Ich verstehe nicht, warum wie die zweite Halbzeit so spielen konnten.“ Kenan Karaman sah es genauso. „Das war sehr bitter. Mir fällt es auch sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, weil ich es absolut nicht verstehe, warum wir derart den Faden verloren haben. Es fühlt sich an wie eine Niederlage“, meinte der türkische Nationalstürmer, der den Zusammenbruch seiner Mannschaft von der Bank aus erlebte – zwei Treffer hatte der 25-Jährige zuvor zum 3:0-Zwischenstand beigetragen, ehe Trainer Uwe Rösler den besten Mann auf dem Platz auswechselte.

Der Chefcoach verteidigte diese Entscheidung, die bei manchem Zuschauer Unverständnis ausgelöst hatte. „Kenan war zwar nicht verletzt, aber man konnte sehen, dass seine Beine müde waren“, erklärte Rösler. „Hertha hat viel mehr riskiert, und da wäre es gut gewesen, einen frischen Spieler zu haben, der die entstehenden Räume belaufen kann. Ich wollte Energie in unser Spiel bringen.“ Sein Pech, wie das der Mannschaft, war dann, dass Karamans Ersatzmann Nana Ampomah sich als Fehlgriff erwies. Der Ghanaer war zwar eifrig wie immer, stolperte aber auf abenteuerliche Weise ins Abseits und agierte auch ansonsten äußerst unglücklich.

Es würde jedoch viel zu kurz greifen, die chaotische letzte halbe Stunde allein auf Ampomah zurückzuführen. Angefangen mit Erik Thommys kuriosem Eigentor zum 3:1 lief bei den zuvor so spielstarken und souveränen Düsseldorfern plötzlich gar nichts mehr. Die wichtige Mittelfeldzentrale mit Stöger und Valon Berisha tauchte ab; nicht, weil der Gegner, wie im Gladbach-Spiel geschehen, ein Mittel gegen sie gefunden hätte, sondern aus eigenem Nachlassen heraus.

Vor allem war es die völlige taktische Auflösung, die das Spiel kippen ließ. „Wir müssen über einige Dinge sprechen“, kommentierte Rösler ungewohnt knurrig, „zum Beispiel darüber, dass wir beim Stand von 3:1 mit sechs Mann in einen Konter rennen.“ Die eigene Abwehr wurde dabei so entblößt, dass Herthas Matheus Cunha das 3:2 förmlich in den Schoß gelegt wurde. Üblicherweise spricht Rösler schon kurz nach dem Abpfiff mit der Mannschaft, „weil ich das aus England so gewohnt bin“, berichtete der 51-Jährige. „Aber diesmal war es das Beste für alle Beteiligten, es bei einem Handschlag zu belassen.Die Emotionen waren bei allen zu hoch. Die Antworten, die ich im Moment auf die Fragen nach dem Warum habe, behalte ich erst einmal für mich, weil das ratsam ist. Das Spiel werden wir in aller Ruhe und ohne Emotionen aufarbeiten.“ Etwa die miserable Quote von nur 37 Prozent gewonnener Zweikämpfe; Rösler: „Das ist auch ein Thema, über das wir reden sollten.“

Es wird noch einiges zu analysieren geben in der kurzen Zeit, die bis zum Pokal-Viertelfinale am Dienstag um 18.30 Uhr in Völklingen gegen den 1. FC Saarbrücken bleibt. „Am Samstag werden wir noch einen Hangover haben“, sagte Rösler, „da bin ich mir sicher. Aber ab Sonntag geht es voll in Richtung Saarbrücken. Es ist wichtig, dass wir aus dem Hertha-Spiel die richtigen Schlüsse ziehen, auch die positiven, denn wir haben immerhin drei Tore gemacht. Aber man sollte ein Spiel mit einer 3:0-Führung im Rücken eigentlich über die Bühne bringen.“ Dennoch habe die Mannschaft einen Supercharakter, „und deshalb werden wir gemeinsam wieder aufstehen“.