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Coronavirus: 1. FC Köln stockt Reinigungspersonal im Stadion auf

Wegen Coronavirus : 1. FC Köln stockt Reinigungspersonal im Stadion auf

Wegen des Coronavirus wurden die ersten Sportveranstaltungen in Deutschland abgesagt. Die Fußball-Bundesliga soll wie geplant stattfinden. Aber wie gehen die Bundesligisten aus NRW mit der Situation um?

Das Coronavirus wirkt sich immer deutlicher auch auf den Sport aus. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, und Ansteckungswege zwischen den teils Zehntausenden Zuschauern, Sportlern und Betreuern zu vermeiden, werden vor allem in den stark betroffenen Ländern wie China und Italien zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt oder finden nur ohne Zuschauer statt. Nun gab es auch in Deutschland die ersten Absagen von Sportevents – so zum Beispiel ein internationales Badmintonturnier in Mülheim an der Ruhr oder die Billard-WM in Viersen.

Nachdem im Kreis Heinsberg mehrere Coronavirus-Infektionen festgestellt wurden, stellte der Fußball-Verband Mittelrhein am Donnerstag den Spielbetrieb im Kreis Heinsberg weitestgehend ein. Nach einer gemeinsamen Entscheidung mit dem Fußballkreis Heinsberg wurden für das kommende Wochenende alle Spiele im unteren Amateur- und Jugendbereich in Heinsberg abgesagt. Spiele außerhalb des Kreises Heinsberg unter Beteiligung von Teams aus diesem Kreis sind bisher von der Absage aber nicht betroffen. „Auch vor dem Hintergrund der ersten bestätigten Fälle von mit dem Coronavirus infizierten Menschen in NRW, sieht der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) derzeit keine Veranlassung, den Spielbetrieb beziehungsweise Wettkämpfe in der Leichtathletik für das kommende Wochenende abzusagen“, teilte der FLVW hingegen mit.

Auch die Bundesligaspiele in der Region sollen wie geplant stattfinden. Borussia Mönchengladbach tritt am Samstag beim FC Augsburg an. Tausende Borussia-Fans werden dann nach Bayern reisen, um dort ihr Team anzufeuern. Wahrscheinlich auch einige aus dem Kreis Heinsberg, der direkt an Mönchengladbach grenzt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt, dass es nach derzeitigem Stand keinen Hinweis darauf gebe, dass „die Begegnungen der Bundesliga und 2. Bundesliga am Wochenende nicht wie geplant ausgetragen werden können“. Zum Thema Coronavirus stehe man in Kontakt mit dem Bundesgesundheitsministerium, teilte die DFL mit. „Sollte sich an der derzeitigen Lage etwas ändern, entscheiden die Gesundheitsbehörden vor Ort über mögliche Konsequenzen“, so die DFL.

Auch die Bundesregierung hält im Moment keine generellen Einschränkungen bei Sportveranstaltungen wie der Fußball-Bundesliga wegen des Coronavirus für nötig. Bei der Bewertung von Großveranstaltungen sei entscheidend, ob sich dort „besonders viele Menschen tummeln aus Krisengebieten, aus belasteten Ländern“, sagte Bundesinnen- und -sportminister Horst Seehofer (CSU). Das müsse man dannanders beurteilen, als wenn der FC Ingolstadt gegen Unterhaching spiele.

Gerade große Menschenansammlungen wie in Fußballstadien werden mit Blick auf neue Infektionen von Gesundheitsexperten kritisch gesehen, da sich dort potenziell eine große Gruppe anstecken könnte, sollten mit Covid-19 infizierte Menschen unter den Fans sein. In Italien werden daher die Fußballspiele der Serie A derzeit ohne Fans ausgetragen. Vor allem in der Lombardei und in Venetien hat sich das Virus stark verbreitet.

In Augsburg gibt es bisher keine Bedenken mit Blick auf das Spiel gegen die Gladbacher. „Das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg steht mit dem FC Augsburg - auch vor dem Hintergrund der kürzlich in NRW aufgetretenen Erkrankungsfälle - in Kontakt“, teilte die Stadt Augsburg mit. Nach derzeitigem Kenntnisstand könne die Partie wie geplant stattfinden. „Sollte sich an der derzeitigen Lage hinsichtlich der Einschätzung der Gefährdung durch das neuartige Coronavirus etwas ändern, entscheidet das Gesundheitsamt über mögliche Konsequenzen“, sagte Thomas Wibmer, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Augsburg.

Über empfohlene Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln informiert die Stadt wie die meisten Kommunen auf ihrer Internetseite. Wibmer erinnert die Fans aber auch daran, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) hinsichtlich der Teilnahme an Veranstaltungen derzeit rät, dass Menschen, die an akuten respiratorischen Erkrankungen leiden, generell lieber zu Hause bleiben – vor allem, um sich selbst zu schonen, aber auch, um andere vor Ansteckung zu schützen. Diese Maßnahmen seien in erster Linie angesichts der aktuellen Grippewelle sinnvoll und auch für den Besuch um Fußballstadion zu beachten. Der FC Augsburg selbst sieht ebenfalls keinen Grund, besondere Maßnahmen wie Spender mit Desinfektionsmitteln am Stadion zu treffen.

Auch Borussias Sportdirektor Max Eberl ist noch gelassen: "Wir halten uns an das, was die Liga am Mittwoch rausgegeben hat - dass die Spiele nicht in Gefahr sind. Aber wir sind in Absprache mit den Behörden, und immer in der Lage zu reagieren“. Dennoch findet es Eberl wichtig, gewisse Verhaltensregeln einzuhalten, um eine Ansteckung möglichst zu verhindern. „Wir versuchen, uns so normal wie möglich zu verhalten, sollten aber vielleicht nicht mehr allen die Hand geben, wobei wir weiter respektvoll miteinander umgehen werden, und uns die Hände noch ein wenig häufiger waschen", sagte Eberl bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Augsburg.

Wie unschön es werden kann, wenn Fans im Stadion wegen des Coronavirus nicht mehr erwünscht sind, erlebten die 3000 Anhänger von Juventus Turin beim Spiel am Mittwoch in der Champions League gegen Lyon. Ein französischer Radiosender nannte sie "Tifosi von Juvirus". Im Piemont, der Region um Turin, ist bislang noch niemand mit dem Coronavirus infiziert. Eine rechtliche Handhabe, Fans die Einreise zu verweigern, gab es also nicht. Die Juve-Fans trugen dafür Atemschutzmasken, um die Aufregung zu dämpfen.

Fortuna Düsseldorf hat im Gegensatz zu den Gladbachern ein Heimspiel. Die Düsseldorfer empfangen im Abstiegskampf Hertha BSC. Besonderen Maßnahmen will der Verein wegen des Coronavirus nicht ergreifen. Ein Klubsprecher teilte der Deutschen Presseagentur am Donnerstag mit, dass man sich nach den Vorgaben der DFL richten werde. „Wir als Verein werden nicht aktiv oder etwas prüfen“, sagte der Sprecher demnach.

Bayer Leverkusen berät sich auch mit eigenen Gesundheitsexperten über die Situation: „Wir beobachten die Lage genau und befinden uns in ständigem Austausch mit der DFL, den Behörden der Stadt Leverkusen sowie eigenen Experten. Momentan sind keine weitergehenden Schritte geplant - wir sind allerdings jederzeit in der Lage, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Holger Tromp, Direktor Kommunikation bei Bayer 04, vor dem Europa-League-Spiel beim FC Porto am Donnerstagabend.

Ähnlich handhabt es der FC Schalke 04, der allerdings zum Spiel nach Köln reist. Man beobachte die Ausbreitung des Coronavirus, sehe aber mit Blick auf die anstehenden Spiele keinen Anlass zur Panik, wohl aber zur Vorsicht, teilte eine Sprecherin des FC Schalke auf Anfrage unserer Redaktion mit. Besondere Empfehlungen gibt der Bundesligist den Fans, die mit zum 1. FC Köln reisen, nicht mit auf den Weg.

Der 1. FC Köln steht derzeit im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt der Stadt, geht allerdings davon aus, dass das Spiel - wie von der DFL vorgesehen – stattfinden kann. Allerdings reagiert er mit mehr Personal auf die Coronavirus-Infektionen in NRW. Der Verein wird den Reinigungsdienst in den Hygienebereichen des Stadions aufstocken. Außerdem gibt der FC den Fans Handlungsempfehlungen: „Wichtig wird sein, dass jeder Stadionbesucher seine eigene Situation eigenverantwortlich betrachtet und sich an alle empfohlenen Maßnahmen hält, die auch in der Grippesaison gelten: Husten und Niesen sollte man in die Armbeuge und nicht in die Faust oder Handfläche. Hustet oder niest jemand anderes, hält man am besten einen bis zwei Meter Abstand. Dazu sollte man häufig und gründlich die Hände waschen, das Schütteln anderer Hände und Umarmungen eher vermeiden", teilte der Verein auf Anfrage mit.

Hier halten wir Sie über alle Entwicklungen zum Coronavirus auf dem Laufenden.

(rent/sho)