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Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC: Drei Knackpunkte eines bitteren Abends

Fortunas 3:3 gegen Hertha BSC : Drei Knackpunkte eines bitteren Abends

Mit vier Punkten aus den Partien in Freiburg und gegen Hertha wäre Fortuna vorher zufrieden gewesen. Nach dem verspielten 3:0-Vorsprung gegen die Berliner ist sie das nicht mehr. Eine Analyse der verpassten Chance.

Die Atmosphäre nach dem Abpfiff ließ fast vermuten, Fortuna sei bereits abgestiegen. Schweigende, teilweise paralysiert wirkende Zuschauer, Spieler mit tief hängenden Köpfen, ein ungewohnt knurriger Trainer und Funktionäre, die das Wort „Katastrophe“ in den Mund nehmen. Doch es war und ist niemand abgestiegen, die Düsseldorfer hatten lediglich einen 3:0-Vorsprung gegen Hertha BSC aus der Hand gegeben und mit dem 3:3 nur einen Punkt eingefahren. Ein bitterer Rückschlag, ohne Zweifel, aber einer, der sich noch korrigieren lässt. Die drei Knackpunkte:

Der taktische Zusammenbruch. „Wir hatten in der ersten Hälfte gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, waren sehr effektiv und strukturiert“, sagte Trainer Uwe Rösler. „In der Pause hatten wir uns geschworen, die ersten 15 Minuten sehr kompakt und sehr aggressiv zu spielen und nichts zuzulassen.“ Doch seine Mannschaft nahm diese Anweisung, mit der er natürlich besonders vor dem zu erwartenden ersten Ansturm der Berliner warnen wollte, zu wörtlich. Eine Viertelstunde lang machten die Düsseldorfer tatsächlich so weiter wie geplant, und Rösler befand: „Ich hatte in dieser Phase nie das Gefühl, dass wir einen Gegentreffer kassieren könnten.“

Doch kaum war diese Marke abgelaufen, geriet Fortuna völlig aus der Spur. So extrem, dass sie am Ende sogar froh sein musste, wenigstens einen Punkt behalten zu dürfen, denn in der Nachspielzeit traf Herthas Matheus Cunha noch den Pfosten. Selbstredend hatte Rösler seinem Team das veränderte Verhalten nicht verordnet; es erlitt diesen Kollaps durch das kuriose Eigentor von Angreifer Erik Thommy zum 3:1. Obwohl der Chefcoach an der Außenlinie gestenreich und lautstark zur Rückkehr zur kompakten Formation der 62 Minuten zuvor aufforderte, liefen die Düsseldorfer aufgescheucht durcheinander. Die richtungweisende Szene war dabei der konfuse Angriff mit sieben Akteuren beim Stande von 3:1, der nach dem folgenden Ballverlust den Gästen den Anschlusstreffer ermöglichte.

Die Lektion daraus: Fortuna muss auch nach Gegentreffern kühlen Kopf bewahren und Röslers Anweisungen durchziehen. Die spielerischen Köpfe Valon Berisha und Kevin Stöger, die in der letzten halben Stunde völlig abtauchten, sind da besonders gefordert.

Die personellen Wechsel. „Kenan Karaman war zwar nicht verletzt, aber man konnte sehen, dass seine Beine müde waren“, erklärte Rösler. „Hertha hat viel mehr riskiert, und da wäre es gut gewesen, einen frischen Spieler zu haben, der die entstehenden Räume belaufen kann. Ich wollte Energie in unser Spiel bringen.“ Doch der Plan schlug fehl. Für den überragenden Karaman, der im ersten Heimspiel nach seiner langen Pause wegen einer schweren Lungenentzündung zwei Treffer erzielte, kam Nana Ampomah, dem erneut überhaupt nichts gelang.

Wohlgemerkt: Dass Rösler dem ghanaischen Angreifer eine Einsatzchance geben wollte, war absolut nachvollziehbar – wann sonst, wenn nicht bei einer 3:0-Führung im eigenen Stadion, sollte er das tun? Während der Coach mit diesem Wechsel schlichtweg Pech hatte, gab er mit seinem zweiten ein problematisches Signal. Innenverteidiger Zanka Jørgensen kam für Flügelspieler Thommy und sollte mit seiner Kopfballstärke Stabilität geben. Auch das war beim Stand von 3:2 nachvollziehbar, doch verstanden das die übrigen Akteure offenbar so, als sollten sie sich wie Kaninchen vor der Schlange zurückziehen und auf das 3:3 warten.

Die Lektion daraus: Ampomah bleibt den Beweis der Erstligatauglichkeit weiter schuldig. Beim zweiten Wechsel war das Problem in den Köpfen der Spieler größer als die eigentliche personelle Veränderung; hier muss angesetzt werden.

Die Schiedsrichterentscheidungen. Torhüter Florian Kastenmeier war richtig sauer über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Tobias Stieler, der schließlich zum 3:3 durch den von Kastenmeier gelegten Krzysztof Piatek führte. „Ich habe mir die Szene gerade noch einmal angesehen“, erklärte der Keeper. „Ich war ganz klar am Ball und habe ihn danach erst abgeräumt. Deshalb ist das für mich kein Elfmeter. Und wenn der Schiedsrichter sich die zwei Minuten nicht nehmen kann, um herauszugehen und sich das anzusehen, dann ist das für mich einfach Scheiße.“

Der Videoassistent griff jedoch ebenfalls nicht ein, und je nach Kameraperspektive ergab sich tatsächlich ein unterschiedliches Bild. Doch ganz unabhängig von der wahrscheinlichen Berechtigung des Pfiffs ließ sich Rösler überhaupt nicht auf Diskussionen ein. „Für mich ist das komplett der falsche Ansatz“, sagte der 51-Jährige nachdrücklich. „Wir müssen darüber reden, warum wir eine 3:0-Führung nicht 25 Minuten lang über die Bühne bringen. Das ist für mich der Ansatz. Meine Spieler sind alle mündige Spieler, wir haben Pressefreiheit. Aber ich werde nicht über diese Situation reden, ich werde über unsere guten Sachen reden, aber auch Fragen stellen, warum wir unser Spiel nicht über 90 Minuten durchziehen können.“

Die Ansicht der Fernsehbilder warf später ohnehin eher die Frage auf, warum der bereits verwarnte und am Ende mitentscheidende Hertha-Akteur Cunha nicht vor seinem Treffer längst des Feldes verwiesen war – das war tatsächlich eine Fehlentscheidung Stielers.

Die Lektion daraus: Rösler liegt völlig richtig damit, sich nicht an Situationen festzuhalten, an denen er eh nichts ändern kann. Das Spiel war Fortuna sicher nicht Stielers wegen aus den Händen geglitten.