Kolumne Gegenpressing Darum tobt der nächste Machtkampf beim DFB

Analyse | Düsseldorf · Der ehemalige Schalker Finanzvorstand Peter Peters will Präsident werden, die Amateure wollen ihren eigenen Kandidaten aufstellen. Eine Frauen-Initiative wird wohl in den Hintergrund gedrängt.

 Will DFB-Präsident werden – gegen den Willen der Amateure.

Will DFB-Präsident werden – gegen den Willen der Amateure.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Peter Peters (59) spielt ganz manierlich Klavier. Damit hat der ehemalige Schalker Finanzvorstand bei Auslandsreisen seine Kollegen an so manchem Abend unterhalten. Er beherrscht allerdings auch die Instrumente des Funktionärswesens. So gut, dass er 30 Jahre in führender Funktion beim Gelsenkirchener Verein tätig war, seit 15 Jahren im DFB-Präsidium sitzt und den Aufsichtsrat der Deutschen Fußball Liga (DFL) führt.

Jetzt will er die erste Geige im Verband spielen. Er möchte am 11. März 2022 zum Präsidenten des DFB gewählt werden – nach dem Rücktritt von Fritz Keller ist er bereits gemeinsam mit einem anderen Virtuosen der Verbandspolitik, dem umtriebigen Bayern Rainer Koch (62), Interims-Präsident. Mit großer Geste hat Peters verkündet, dass er den Posten als DFL-Aufsichtsrat niederlegen werde, und dass seine Bewerbung um das Amt des ersten Mannes im Verband „ohne Netz und doppelten Boden“ sei. Was für ein kühner Held der Sportpolitik.

Zum Glück aber reicht es ja nicht, eine öffentliche Bewerbung vorzutragen, damit das DFB-Wahlvolk in Scharen vor Begeisterung niedersinkt.

Kandidaten fürs Amt des Präsidenten müssen die Wähler überzeugen. Und damit beginnt das Problem. Seit Langem gibt es (mindestens) zwei Lager im DFB, das der Profis und das der Amateure. Wer sich einen längeren Verbleib im Amt wünscht als die drei bislang letzten Vertreter Keller, Reinhard Grindel und Wolfgang Niersbach, von denen es keiner zu mehr als drei Jahren brachte, der muss in beiden Lagern breite Unterstützung haben.

Peters ist davon überzeugt, ein Kandidat für Amateure und Profis zu sein. Wie er dazu kommt, ist ein Rätsel. Schließlich haben die Landesverbände vor Kurzem bei einem Treffen in Hamburg ziemlich deutlich gemacht, was sie bei der Wahl erwarten. Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbands, sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Es gab die einvernehmliche Absprache, dass jemand aus dem Amateurlager vorgeschlagen werden muss.“ Und Uwe Döring, sein Amtsbruder aus Schleswig-Holstein, erteilte an gleicher Stelle dem Bewerber Peters eine klare Absage. Er sei keiner, „der für Neuanfang steht“. Die Amateure wollen Bernd Neuendorf (60), den Präsidenten des Mittelrheins, aufstellen.

Vielleicht hat Peters in trauten Zwiegesprächen mit anderen Landesfürsten andere Signale vernommen. Das ist im hochkomplizierten Beziehungsgeflecht des größten nationalen Sportverbandes der Welt zumindest nicht ausgeschlossen. Gefolgschaft gibt es jedoch nur zu Bedingungen. Die Amateure wollen sich zum Beispiel nicht mehr mit im sogenannten Grundlagenvertrag vereinbarten jährlich 26 Millionen Euro zufrieden geben. Sieben Millionen Euro mehr sollen es sein. Ob Peters solche Zusagen überhaupt machen kann, ist eine sehr offene Frage. Versprechen kann er es ja.

Über die Ränke der Altherren-Riege im Verband gerät eine zeitgemäße Initiative eher in den Hintergrund. Neun Frauen haben sich um die ehemalige HSV-Managerin Katja Kraus (50) geschart. Sie fordern „Gleichheit und Geschlechtergleichheit“. Sehr berechtigt in einem Verband, in dessen 17-köpfigen Präsidium nur eine Frau sitzt – Hannelore Ratzeburg, und die ist auch schon 70. Es ist ein naheliegender Verdacht, dass die Männer beim Geschacher um Posten lieber unter sich bleiben, als den Revoluzzerinnen das Feld zu überlassen. Und als solche betrachten sie die Frauengruppe, die sich offen gegen das System wendet. Katja Kraus sagte der „Zeit“: „Das System wird nicht von denjenigen verändert, deren Macht es stützt.“  Die Mächtigen aber haben gar kein Interesse daran, das System zu ändern. Deswegen ist eine grundlegende Reform nicht zu erwarten. Ob mit oder ohne Peter Peters ist dabei zweitrangig. Höchstens.