Borussia Mönchengladbach: Traum platzt im Elfmeterschießen gegen Eintracht Frankfurt

7:8 n.E. gegen Frankfurt: Borussias Traum platzt am Elfmeterpunkt

Eintracht Frankfurt steht im Endspiel um den DFB-Pokal. Die Hessen siegten im Elfmeterschießen bei Borussia Mönchengladbach. Ausgerechnet der Ex-Borusse Branimir Hrgota verwandelte im Elfmeterschießen den entscheidenden Schuss zum 8:7-Endstand.

Zuvor hatte Torwart Lukas Hradecky die Schüsse der Gladbacher Andreas Christensen und Djibril Sow abgewehrt. Nach 90 und 120 Minuten stand es 1:1, nachdem Jonas Hofmann die Frankfurter Führung durch Taleb Tawatha ausgeglichen hatte. Borussia verpasste zum vierten Mal in Folge nach 2001, 2004 und 2012 das Endspiel, die Eintracht hat die Chance auf den ersten Pokalsieg seit 1988.

Frankfurts Trainer Niko Kovac hatte sein Team auf den Punkt eingestellt. Die Eintracht hatte offenbar genau verfolgt, wie in den beiden Ligaspielen zuvor Hoffenheim und Dortmund die Gladbacher vor Probleme gestellt hatten und tat es ihnen gleich: Mit gewieften Balleroberungen und schnellem Umschaltspiel kam sie stark ins Spiel, schon in den ersten zwei Minuten hatte der Ex-Borusse Branimir Hrgota zwei gute Gelegenheiten, verpasste aber knapp, kurz darauf verfehlte Ante Rebic das Tor.

Borussia war unsortiert, wirkte ängstlich, der Defensivverbund war lückenhaft und bekam keinen Zugriff auf die Eintracht-Offensive – so auch in der 15. Minute, als Taleb Tawatha den nächsten Konter zum 1:0 für die Hessen abschloss. Es war also schnell geklärt, dass die Eintracht der erwartet unangenehme Gegner und der Weg ins Finale steinig sein würde für die Gladbacher. War es die leichte Favoritenrolle, die hemmte? Frankfurt hatte die richtige Betriebstemperatur, die Gladbacher nicht. Es gab immer wieder Ballverluste und Abspielfehler, die den Spielfluss hemmten.

Der erste Torschuss der Borussen fand in der 42. Minute statt, als Jonas Hofmann nach einem langen Abschlag von Yann Sommer durch war und den Ball über Lukas Hradecky hob – aber auch am Tor vorbei. Allein die Tatsache, dass die Eintracht vor dem Tor nicht konsequent genug arbeitete, gab Gladbach die Gelegenheit, trotz aller Defizite in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auszugleichen: Ibo Traoré flankte, André Hahn verlängerte per Kopf und nun arbeitete Hofmann genauer: Aus kurzer Distanz traf er mit seinem zweiten Pflichtspieltor für Gladbach zum 1:1.

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Die Halbzeitansprache Dieter Heckings dauerte länger, Grund genug für Korrekturen gab es. Deutlich nach den Gästen kehrten die Borussen zurück auf den Rasen. Was Borussia brauchte, war Mentalität, Kampfkraft und ein langer Atem. "Derbyhelden werdet zu Pokalhelden" stand auf einem Banner der Fans, und dahinter ein Ausrufezeichen – eine geplante große Choreografie war ausgefallen, weil eine Putzkolonne versehentlich die vorbereitete Riesenfahne entsorgt hatte.

Es entwickelte sich ein Pokal-Fight, der seine Spannung insbesondere aus der Situation bezog: Für beide stand ein Traum auf dem Spiel, und keiner wollte den entscheidenden Fehler machen.

Den ersten Torschuss des zweiten Durchgangs gab es nach 74 Minuten. Gladbachs Kapitän Lars Stindl prüfte Hradecky, den der Versuch des torgefährlichsten Borussen dieser Saison aber nicht vor große Probleme stellte. Mehr gab es nicht zu bestaunen, auch die Eintracht hatte nicht mehr den Mut der Anfangsphase. So ging es nach einer weitgehend ereignislosen zweiten Halbzeit in die Verlängerung – wie schon bei den Heim-Halbfinals der Gladbacher 1984, 1992, 1995 und 2012.

Mit Laszlo Bénes hatte Hecking noch in der regulären Spielzeit einen Kreativling gebracht, nun kam der schnelle Patrick Herrmann dazu. Borussia erarbeitete sich Vorteile, indes ohne Ertrag. Elfmeterschießen. Hier wurde Christensen und Sow den tragischen Helden.

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