Borussia Mönchengladbach: Erinnerung an Berlin verblasst

Borussia Mönchengladbach: Erinnerung an Berlin wird mindestens 23 Jahre alt

Mit einer blutjungen Mannschaft ist Borussia Mönchengladbach ins Elfmeterschießen gegen Eintracht Frankfurt gegangen. Folgerichtig reihten sich ein 20-Jähriger und ein 21-Jähriger in die traurige Galerie ein. Berlin muss weiter warten.

Ein DFB-Pokalfinale fest einzuplanen, wäre ziemlich abwegig, geschweige denn gibt es so etwas wie ein natürliches Anrecht auf eine Teilnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Aber gerade dieser Faktor macht es eben so reizvoll und verbindet jede Berlin-Reise Ende Mai mit dem Wort "historisch". Borussia hat zum vierten Mal in Folge vor Augen geführt bekommen, wie bitter es ist, kurz vor dem Ziel zu scheitern. Wenn man sich an Max Eberls Worte vom Montag hält, dann werden am Rand des Waldes hinter dem Stadion nun jedoch keine Kartons mit Endspiel-Shirts verbrannt. Eintracht Frankfurt dagegen hätte ein Feuer machen müssen. In den vergangenen 22 Jahren haben sie es als einer von 16 Vereinen ins Pokalfinale geschafft, als einer von neun zum mindestens zweiten Mal. Da Union Berlin, der MSV Duisburg, Energie Cottbus und Alemannia Aachen mal dabei waren, bleibt für aktuelle Erstligisten nicht mehr viel Platz. Mit Borussia sitzen zum Beispiel der 1. FC Köln, der Hamburger SV oder Hertha BSC im Wartezimmer.

Irgendwie war das 3:4 gegen Werder Bremen im Dezember 2015 doch ganz cool, werden sie sich in Gladbach vielleicht denken. Das Aus im Achtelfinale gegen den Abstiegskandidaten, zu Hause auch noch, war zwar höchst unnötig, aber es kam eben nicht erst nach 120 Minuten und nicht mit Berlin vor Augen. In vier der vergangenen sechs Spielzeiten ist Borussia im DFB-Pokal nun im Elfmeterschießen gescheitert. Andreas Christensen und Djibril Sow reihen sich ein in die Galerie der Fehlschützen neben Raffael und Ibrahima Traoré (2015 in Bielefeld), Luuk de Jong und Branimir Hrgota (2013 in Darmstadt), Dante und Havard Nordtveit (2012 gegen die Bayern).

Mit Lothar Matthäus und Norbert Ringels muss man den Borussen gar nicht erst kommen. Keiner der Spieler, die am Dienstag auf dem Rasen standen, war geboren, als die beiden im Endspiel 1984 vom Punkt vergaben. Auch jener Krimi endete damals 7:8. Überhaupt waren die Profis, die gegen Frankfurt nach 120 Minuten noch auf dem Platz standen, im Schnitt blutjung — gerade einmal 23,8 Jahre alt. "Das sind Erfahrungen, die einen prägen und stärken können. Respekt, dass sie in dem Alter in so einem Spiel vor dieser Kulisse angetreten sind", lobte Lars Stindl die Jungprofis wie Laszlo Bénes, Christensen und Sow. Die drei waren selbst 1995 noch nicht geboren, als Borussia beim souveränen 3:0 gegen den VfL Wolfsburg gar keine Elfmeter benötigte. Zumindest Sow hatte kaum noch eine Wahl. Außer ihm standen noch Nico Elvedi (20) und Nico Schulz (24) bereit.

Der erfahrenste Borusse hatte seinen bitteren Moment ganz früh im Spiel. Oscar Wendt brach sich bei einem taktischen Foul, für das er Gelb sah, in der 24. Minute den Ellenbogen — und führte danach noch mehrere Einwürfe aus. Für den Schweden ist die Saison damit beendet, genauso wie für Josip Drmic, der sich — die Tragik passt ins Bild — in der Halbzeit des Spiels gegen Borussia Dortmund beim Warmmachen am Knie verletzte. Die Startelf gegen Frankfurt stellte sich angesichts der acht Ausfälle schon fast von alleine auf, auch die Einwechslungen waren naheliegend. Das könnte spannend werden am Samstag beim FSV Mainz 05.

Die Frankfurter ließen sich nicht bekloppt machen, doch noch im Elfmeterschießen gab die Nordkurve alles, um den Gegner irgendwie zu beirren. Max Eberls Appell war angekommen, vielleicht bedurfte es im Halbfinale auch gar keiner speziellen Motivation, nachdem der Borussia-Park am Samstag gegen Dortmund nicht gerade ein förderlicher Faktor für die Gastgeber gewesen war. In der ersten Halbzeit am Dienstag forderte die Mannschaft ihre Fans mit einer schwachen Leistung, wie man sie lange nicht gesehen hatte, geradezu heraus. Zwischendurch hatte man das Gefühl, hunderte würden in ihre Faust beißen, um bloß keine Unmutsbekundungen von sich zu geben. Und ansonsten gelang es der Nordkurve, dafür zu sorgen, dass die Stimmung nicht schon früh kippte. Spätestens in der zweiten Halbzeit orientierte sich der Borussia-Park wieder an seinen besten Tagen und war in der Verlängerung mitunter ein reines Stehplatzstadion.

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(jaso)