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Borussia Mönchengladbach: So sehr spaltet das neue Gladbach-Trikot die Fans

Geliebt und gehasst : Puma erklärt das neue Borussia-Trikot

Borussia hat am Donnerstag ihr Heimtrikot für die kommende Saison vorgestellt. Die Meinungen über die Gestaltung gehen weit auseinander. Wir erklären, wie das Design entstanden ist.

Der Fokus liegt diesmal unten. Statt vereinsfarbener Streifen an den Schultern windet sich eine grün-schwarz-verschmelzende Rauchschwade galant vom Bund hoch zur Brust und von den Ärmelenden in Richtung Schultern. Ansonsten bleibt das neue Heimtrikot von Borussia Mönchengladbach schlicht weiß. Ein ungewöhnliches Design für die Borussia, die bisher – wie in der vergangenen Saison – eher auf geradlinig gesetzt hatte.

Ein besonderes Design, das die Borussen-Fans im Netz spaltet. Viele kritisieren die Ähnlichkeit zum Batik-Trend aus den 1990er Jahren („Batikverbrechen“, „Waldmeister-Wackelpudding“), andere sind wiederum begeistert vom künstlerischen Ansatz („mal was anderes“, „das ist Championsleaguereif“) – allen voran natürlich der Verein selbst: „Ich mag alle Trikots, alle sind irgendwie besonders, und jedes Trikot hat auch seine Geschichte“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

Doch wie entsteht eigentlich so ein Bundesliga-Trikot? Wir haben bei Gladbachs Ausrüster Puma nachgefragt. „Zuerst setzen wir uns in einem Brainstorming zusammen, um die Basis zu erstellen. Da besprechen wir Materialien, die grafische Sprache und visieren die Tends“, sagt Ifedola Akinmade, Produktverantwortlicher im zweiköpfigen Borussia-Design-Team bei Puma. Diese Trend-Analyse finde ohne den Verein und mindestens ein Jahr vor der geplanten Veröffentlichung der Kollektion statt. Die Planungen für die Trikots der Saison 2020/21 haben also schon begonnen. Die Trends sucht sich der deutsche Sportartikelanbieter aus der ganzen Welt zusammen. „Wir haben unabhängige Design-Teams, die Trends auch für andere Sportarten wie Golf oder Motorsport aufspüren. Beispielsweise sind aktuell zwei Kollegen aus der Teamsportabteilung Fußball in Tokio. In Verbindung mit Besuchen bei den Herstellern werden auch andere Metropolen besucht und Einflüsse innerhalb und außerhalb des Fußballs gesucht. Es wird geschaut, was die Jugend trägt oder was generell in großen Metropolen angesagt ist.“ Dann erst finde das erste Treffen mit den Vereins-Funktionären statt, erklärt Grafikdesigner Ulrich Planer weiter. Es würden Themen für ein mögliches Design besprochen, in einem zweiten Treffen ein paar Monate später gäbe es dann die ersten Design-Entwürfe auf Papier. „Dann einigen wir uns auf ein paar Entwürfe, die wir mustern lassen und mit denen wir Prototypen erstellen.“ Und dann ein letztes Treffen im Winter, für das Finetuning. Gefallen die Prototypen dem Verein, geht das Trikot in die Produktion.

Doch wieso ist das diesjährige Design nun so ausgefallen? „Wir wollten versuchen, die Atmosphäre in den Fußballstadien wiederzugeben. Bei Gladbach war es so, dass in diesem Jahr das Bökelbergstadion 100 Jahre feiert. Die Atmosphäre vom Bökelberg wollten wir auf dem Heimtrikot durch die Energie-Rauchschwaden wiedergeben“, sagt Planer. In der Modebranche wundert man sich nicht über das Design. Der sogenannte „Tie-Dye“- oder Batik-Look sei einer der großen Trends der kommenden Saison, sagt Pia Shilbayeh, freiberufliche Modejournalistin, die für Magazine wie „Vogue“ und „Glamour“ schreibt. „Die Trends sieht man unter anderem bei Prada, Gucci und Saint Laurent. Letztere gehören beide der Unternehmensgruppe Kering an, unter deren Leitung Puma bis 2018 stand, und die auch heute noch knapp 20 Prozent der Unternehmensanteile hält“, sagt Shilbayeh.

Borussia hofft derweil auf höhere Verkaufszahlen durch das modische Design. „Wir wissen als Traditionsverein, dass wir eine Fanszene haben, die darauf steht, Klassiker wieder aufleben zu lassen. Wobei man sich da auch täuscht, die ganzen Jüngeren kaufen erstaunlicherweise eher die neuen Trikots“, sagte Marketingdirektor Markus Aretz. Das Set aus Trikot, Hose und Stutzen kostet für Erwachsene knapp 143, für Kinder etwa 118 Euro.