Nachspielzeit: Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf im unteren Drittel

Nachspielzeiten Saison 2018/19 : Fortuna und Borussia spielten gleich lang nach

In der Ersten Liga gibt es Teams, die durch die Nachspielzeit etwa eine Halbzeit länger gespielt haben als andere Teams. Aber wer sind die Nachspielzeit-Meister und wer die Kurzarbeiter?

Ein Spiel dauert 90 Minuten – und am Ende wird doch gespielt, bis der Schiedsrichter abpfeift. Denn die alte Floskel trifft schon lange nicht mehr zu. Auch wenn die Uhr in so manchem Stadion immer noch bei Minute 90 stehen bleibt. In fast jedem Spiel in der Bundesliga kommen am Ende ein paar Minuten oben drauf. Verletzungsunterbrechungen, Tore, Diskussionen, Videobeweis, Zeitspiel. Die Liste ist lang mit Gründen, für die die Schiedsrichter Nachspielzeit ansetzen – auch schon am Ende der ersten Halbzeit. So kommen dann gerne auch mal 95 bis 100 Minuten tatsächliche Spielzeit zusammen. Gibt es Teams, die in der Saison 2018/19 besonders oft lange nachsitzen mussten? Und gibt es Kurzarbeiter? Wir haben die Nachspielzeiten aller Bundesliga-Partien der Saison erhoben.

Das sind die Nachspielzeit-Meister der Liga Die Nachspielzeiten schwanken in der Bundesliga stark – zwischen null und elf Minuten lag die Spanne in dieser Saison. Und so kommt es dann, dass Werder Bremen und Schalke etwa eine Halbzeit mehr Bundesliga gespielt haben als Stuttgart. Mit 211 Extra-Minuten führen die Bremer die Tabelle der Teams mit der meisten Nachspielzeit an – dicht gefolgt von Schalke 04 mit 210 und Hoffenheim mit 209 Minuten. Die Stuttgarter sind mit 170 Minuten das Schlusslicht, knapp vor RB Leipzig (172 Minuten).

So manche Leistung des Tabellen 15. Schalke war in dieser Saison tatsächlich nachsitz-würdig. Die langen Nachspielzeiten lagen aber vor allem an vielen Unterbrechungen durch Fouls und Karten. Zweimal gab es zehn Minuten oben drauf für S04, darunter das Derby am 31. Spieltag gegen den BVB (insgesamt 207 Minuten Nachspielzeit). In dem Spiel gab es zwei Rote Karten für die Dortmunder und einen Elfmeter für Schalke, dazu zahlreiche Diskussionen zwischen Spielern und Schiedsrichter. Solche Diskussionen veranlassten auch Schiedsrichter Tobias Welz dazu, am achten Spieltag beim 0:0 der Leipziger beim FC Augsburg zehn Minuten mehr spielen zu lassen. Der Videobeweis führte schon in der Anfangsphase zu einer fast vierminütigen Unterbrechung. So ging es auch anderen Teams in dieser Saison immer wieder: Der Schiedsrichter schaut sich eine Szene auf dem Bildschirm an, entscheidet Minuten später. Die verlorene Zeit wird nachgeholt.

So viel länger spielt jedes Team in der Saison Und so kommt zum Ende der Saison eine beträchtliche Summe an nachgespielten Minuten zusammen. Etwas mehr als zwei komplette Spiele standen die 18 Bundesligisten vom ersten bis zum 33. Spieltag im Durchschnitt zusätzlich zur regulären Spielzeit auf dem Platz: fast 193 Minuten. Das sind knapp sechs Minuten Nachspielzeit pro Spiel. Die Fans in den Stadien und vor den TV-Bildschirmen dürften sich darüber freuen. Bedeutet das doch im besten Fall auch sechs Minuten mehr Spannung, Drama oder sogar Tore. Für die Spieler bedeutet das zwar einige Minuten länger kämpfen, länger konzentrieren und weiter laufen. Körperlich überfordern dürften die Nachspielzeiten aber keinen Bundesliga-Profi. Die Nachspielzeiten halten sich in der Liga noch in einem Rahmen, der in Sachen Spieler-Fitness Chancengleichheit gewährleistet.

Saison-Rekord für Schalke und Frankfurt 101 Minuten  standen die Schalker am 28. Spieltag bei der 1:2-Niederlage gegen Frankfurt (insgesamt 203 Minuten nachgespielt) auf dem Feld. Rekord in dieser Saison. Vier Minuten plus waren in der Veltins Arena angezeigt worden. Am Ende wurden es neun Minuten, weil in der hitzigen Partie noch zweimal der Videoschiedsrichter eingriff und es in der Folge in der 99. Minute einen Elfmeter für Frankfurt gab. Zwei Minuten waren bereits nach der ersten Hälfte nachgespielt worden.

So viel Dramatik gab es freilich nicht in jeder Nachspielzeit. Dennoch bietet sie jedes Mal die Chance, ein Spiel doch noch zu gewinnen oder zumindest den Ausgleich zu schaffen. Ärgerlich für das Team, das dadurch Punkte verliert. Gut für den, der profitiert. Es liegt also in der Natur der Sache, dass eine lange Nachspielzeit von den Fußballern und Trainern mal als gut und mal als völlig überzogen empfunden wird.

Borussia Dortmund ist der Meister der Nachspielzeit-Tore In Sachen Tore hat Borussia Dortmund am meisten von der Nachspielzeit profitiert. Neun der insgesamt 79 Treffer des BVB fielen nach der 90. Minute. Stuttgart traf nur ein einziges Mal in der Nachspielzeit. Augsburg und Leipzig trafen nie nach Minute 90, dafür jeweils zweimal in der Nachspielzeit nach Halbzeit eins. Fortuna Düsseldorf, die mit 183 Minuten relativ wenig nachspielte, nutzte das immerhin für fünf Tore. Borussia Mönchengladbach traf in ebenfalls 183 Minuten-Nachspielzeit nur dreimal. Insgesamt fielen 61 der insgesamt 932 Liga-Tore nach der 45. oder 90. Minute. In der Vorsaison waren es nach 34 Spieltagen 59 von 855 Toren.

Wenn alles klar scheint, wird weniger nachgespielt Auffällig ist, dass bei Spielen, die kurz vor Ende der regulären Zeit deutlich entschieden scheinen, oft weniger nachgespielt wird. Das bekam auch der VfB Stuttgart als Schlusslicht der Nachspielzeit-Tabelle einige Male zu spüren. Auch der FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach liegen im unteren Drittel bei dieser Wertung. Alle drei Teams haben einige Partien mit deutlichem Vorsprung gewonnen beziehungsweise verloren. Im Spiel Bayern gegen Stuttgart am zweiten Spieltag gab es nur eine Minute zusätzlich. Die Bayern führten da souverän 3:0. Die Gladbacher durften beim 4:0-Sieg gegen Mainz nach insgesamt 93 Minuten vom Platz und die Stuttgarter wurden beim 0:6-Desaster gegen Augsburg nach nur zwei Minuten Nachspielzeit erlöst. Bei Nürnbergs 0:7-Pleite in Dortmund am fünften Spieltag gab es gar keinen Zuschlag. Am 20. Spieltag gab der Schiedsrichter beim 1:1 der Nürnberger gegen Werder Bremen dafür insgesamt zehn Minuten Nachspielzeit. Und auch beim knappen 2:1 der Dortmunder am 15. Spieltag gegen Bremen gab es zehn Minuten mehr Spielzeit.

Die Kurzarbeiter der Liga Bei Partien des VfB Stuttgart und von RB Leipzig können sich die Fans auf besonders wenig Extra-Fußball einstellen. Die Schwaben, die in der Relegation gegen den Abstieg spielen müssen, wurden von den Unparteiischen mit besonders wenig Überstunden bedacht: 170 Minuten gab es für den Tabellen 16. bisher oben drauf. Nur zwei Minuten mehr gönnten die Schiedsrichter den Leipzigern. Dann folgen im unteren Drittel der Nachspielzeit-Tabelle bereits Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf mit jeweils 183 Minuten.

Mehr von RP ONLINE