Borussia Mönchengladbach: Darum schafft Gladbach gegen den BVB die Champions League

Kampf um die Königsklasse : Darum packt Borussia die Champions League

Gegen den BVB haben die Gladbacher ein Endspiel um die Königsklasse — und das sind die Gründe, warum die Borussia es in die Champions League schafft.

Weil sie gewinnt, obwohl sie es gar nicht müssen wird (Sebastian Hochrainer)

An dieser Stelle war vor einer Woche zu lesen, dass die fehlende Konstanz der Konkurrenten eine der größten Hoffnungen der Gladbacher im Kampf um Europa sei. Dass es sich in einer derartigen Wucht bestätigen würde, war jedoch kaum zu erwarten. Wolfsburg und Hoffenheim haben verloren, wodurch für Gladbach die Europa League fix ist. Frankfurt kassierte ebenfalls eine Niederlage, Leverkusen spielte nur Remis, weshalb Borussia nun sogar im Kampf um die Champions League die Pole Position hat. Diese wird sie auch behaupten.

Diese Bundesliga-Saison birgt sehr viele Überraschungen. Das ist das einzige, was dafür spricht, dass Frankfurt etwas in München gegen die Bayern, die mit einem Punktgewinn die Meisterschaft unter Dach und Fach bringen würden, holen kann. Auch die Möglichkeit eines Ausrutschers der Leverkusener in Berlin ist durchaus gegeben. Bayer 04 verkrampfte schon am vergangenen Wochenende im Angsicht der Champions-League-Chance und spielte nur 1:1 gegen Schalke. Hertha spielte dagegen frei auf und gewann 4:3 in Augsburg.

Es kann also durchaus passieren, dass die Gladbacher im Borussen-Duell gar kein Erfolgserlebnis brauchen. Dennoch spricht unheimlich viel dafür, dass es genau ein solches wieder geben wird.

Das 4:0 in Nürnberg hat den Druck vom Team von Dieter Hecking genommen, der es in den vergangenen Wochen so oft gelähmt hat. Der Europapokal ist sicher, die Saison jetzt schon ein Erfolg. Man kann nur noch gewinnen. Das Verpassen der Champions League wäre zwar ärgerlich, aber keine Niederlage für den Klub. Schon in Nürnberg war den Borussen anzusehen, wie viel in ihnen steckt, wenn sie frei von Sorgen spielen können. Gegen den BVB werden sie das machen können.

Neben der Motivation der Königsklasse kommt hinzu, dass die Dortmunder absolut nicht sattelfest wirken. Das hat vor allem die 2:4-Niederlage im Derby gegen Schalke gezeigt. Dazu will Gladbach seinen Fans nicht nur die Champions League zum Abschied der Saison schenken, sondern nach langer Zeit wieder einen Sieg. Ende Januar gab es den letzten Erfolg im Borussia-Park, ein 2:0 gegen Augsburg. Seitdem mussten die Fans sportlich einiges einstecken. Gegen Dortmund werden sie versöhnt, dafür spricht sehr vieles.

Weil sie zur richtigen Zeit das Richtige tun kann (Karsten Kellermann)

Gedanken-Experiment zum Finale: Borussia braucht gegen den BVB  noch ein Tor für die Champions League. Es gibt Elfmeter.  Der Schütze ist Thorgan Hazard. Schnitt hinein in die Hirnwindungen eines Fans: 1984, Pokalfinale gegen die Bayern, Lothar Matthäus, der zu den Bayern wechseln wird, knallt im Elfmeterschießen den Ball in den Himmel. 2012, Pokal-Halbfinale. Auch Dante macht sein letztes Gladbach-Spiel vor dem Wechsel zum Gegner Bayern, auch er tritt zum Elfmeter an, auch er schießt über das Tor. Schnitt: Hazard steht mit dem Ball am Punkt. Er wird vermutlich nächste Saison beim BVB spielen, er läuft an, es ist sein vielleicht letzter Schuss als Gladbacher ...

So könnte es kommen am Samstag. Es wäre die ultimative Steigerung der Final-Situation, die prinzipiell besagt: Gladbach kann die Champions League sichern, Dortmund kann Meister werden. Und das bei der Rückkehr von Lucien Favre an die alte Wirkungsstätte. Größer wäre nur, dass es um den Titel gehen würde. Doch den machen Dortmund und die Bayern im Fernduell untereinander aus. Gladbach liegt mit Leverkusen und Frankfurt im Clinch.

Was spricht dafür, dass Gladbach Platz vier behält? Weniger die Statistik. Die vergangenen sieben Heimspiele wurden nicht gewonnen, zudem gab es zuletzt sieben Niederlagen hintereinander gegen Dortmund. Und dann ist da noch Marco Reus, der Ex-Gladbacher, der nach seiner Sperre zurückkehrt ins BVB-Team. Sieben Tore hat er gegen Borussia erzielt in zehn Spielen, hinzu kommen fünf Assists. In der vergangenen Saison sorgte er mit seinem Traumtor für das 0:1 der Gladbacher im eigenen Stadion.

Doch gerade in der Unwahrscheinlichkeit der Wahrscheinlichkeit liegt Borussias Chance: Sie hat in den vergangenen beiden Spielen bewiesen, dass sie in der Lage ist, widrigen Umständen zu trotzen. In beiden Spielen waren die Gladbacher am Schluss voll da, sie haben also einen langen Atem. Borussia hat in Nürnberg gezeigt, dass sie zur richtigen Zeit das Richtige tun kann. Nun muss sie es  nur noch einmal machen.  Kommt wie zuletzt das nötige Glück dazu, wird es etwas werden mit der Champions League. Die tollste Pointe wäre, wenn ausgerechnet Hazard das Tor zur Königsklasse schießt.

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