Borussia Mönchengladbach: Alassane Plea mit Nummer von Thierry Henry

Rückennummer mit Geschichte : Gladbachs Plea hofft auf die Glücks-14

Vor Alassane Plea gab es zwei andere erfolgreiche Borussen-Stürmer, die mit der 14 auf dem Rücken in Gladbach anfingen. Das Vorbild des Franzosen wurde mit der Nummer sogar zur Legende.

Die Jobbeschreibung ist eindeutig: Mittelstürmer. So wird Alassane Plea, Borussias neuer Franzose, der Rekord-Einkauf des Klubs mithin, beim Portal transfermarkt.de kategorisiert. Seine „Nebenpositionen“ sind durch zwei kleinere Punkte links und rechts neben dem dickeren mitten im Strafraum gekennzeichnet. Ein wenig sieht das aus wie das Schema des klassischen Dreierangriffs mit einem zentralen Stürmer und zwei Außenstürmern.

Das ginge so: Plea zur Grundlinie, Plea flankt, in der Mitte steht Plea - Tor für die Borussia. Es gibt einen skurrilen Film, „Being John Malkovich“, in dem es unendlich viele John Malkovichs gibt, in etwa so wäre die geschilderte Plea-Szene: Plea überall. Der Torjäger, der auf sich selbst flankt und dann vollstreckt, wäre die vielzitierte „eierlegende Wollmilchsau“.

Hans-Jörg Criens bejubelt sein Tor zum 5:4 im Pokal-Halbfinale 1984 gegen Werder Bremen. Foto: imago/Laci Perenyi/imago sportfotodienst

Die drei Punkte bei transfermarkt.de definieren Plea aber nicht als einen Allesmacher, sondern als offensiven Alleskönner. „Er kann perfekt zu uns passen. Er kann mitspielen, kann in die Tiefe gehen, hat Tempo und kann in verschiedenen Systemen spielen“, sagt Trainer Dieter Hecking. Ganz vorn in einem System mit Dreierangriff, aber auch als zweiter Mann in einem Zweiersturm oder auf dem Flügel. Da hat er in Nizza, seinem Ex-Verein, zuletzt oft gespielt, weil im Zentrum ein gewisser Mario Balotelli auf seine Hereingaben wartete.

Nun in Gladbach, das hat Hecking klargestellt, soll Plea vor allem der Mann im Zentrum sein, der „echte“ Mittelstürmer, wie Borussia ihn auf ihrer Internetseite definiert. Er wäre also der perfekte Kandidat für die verwaiste Rückennummer 9 gewesen, das Markenzeichen des vordersten Stürmers. Doch Plea hat die 14. „Seine“ 14.

„Die 9 war kein Thema für mich. Die 14 hatte ich auch in Nizza und vorher in Auxerre. Es war die Nummer meines Lieblingsspielers Thierry Henry“, sagt Plea. Henry – der Mann, dessen verblüffende Geschwindigkeit Gladbach das Fürchten lehrte in der zweiten Runde des Uefa-Cups der Saison 1996/97, als er den Borussen immer wieder enteilte und entscheidend zum 4:2 der Monegassen beitrug. Während der WM in Russland hat Henry Gladbachs Thorgan Hazard nun Tipps fürs Toreschießen gegeben als Offensivcoach des belgischen Nationsteams. Die Fußballwelt ist eine Erbse.

Henry stürmte einst mit der 14, allerdings noch nicht damals bei Monaco, sondern erst danach beim FC Arsenal und beim FC Barcelona und am Ende in New York. Auch Pleas Vorbild war ein Mittelstürmer der beweglichen Art, ganz wie der neue Borusse einer ist. Spielt er ansatzweise wie Henry in seinen besten Zeiten, wird die Freude groß sein im Borussen-Universum ob der 14.

Martin Dahlin startete in Gladbach mit der 14, später trug er die 9 auf dem Rücken. Foto: imago/Team 2/Imago

Diese hat in der Fußball-Welt einen guten Klang auch wegen Henry, vor allem aber, weil sie das Markenzeichen des großen Niederländers Johan Cruyff war. Bei Borussia war die 14 für ihre Träger meist keine Glückszahl. Peter Nielsen hatte sie in seiner ersten, weniger gelungenen Borussia-Episode. Spieler wie Morten Pedersen, Marcus Reiter, Milan Obradovic, Hassan El Fakiri, Sharbel Touma oder zuletzt Nico Schulz konnten mit der 14 keine Akzente setzen. Für Stabilität und Zuverlässigkeit stand sie von 2009 bis 2015, als Thorben Marx sie trug.

Doch hat die 14 auch eine Historie bei Stürmern in Gladbach. Hans-Jörg Criens betrat ebenso wie später Martin Dahlin mit ihr die Bundesliga-Bühne. Criens hatte in der Saison 1983/84 die 14 auf dem Rücken, unter anderem im legendären Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen, als er nicht nur die Verlängerung erzwang, sondern auch auf kurios-geniale Art das 5:4 erzielte. Criens Ist der drittbeste Torjäger der Borussia-Geschichte mit 92 Treffern. Seine große Zeit – von 1988 bis 1992 war er Gladbachs bester Bundesliga-Torschütze – hatte er jedoch mit der 11.

Der beste Dahlin bei Borussia war mit der 9 unterwegs, mit der der ebenfalls viermal die interne Torjäger-Kanone gewann und insgesamt fünfmal in Folge zweistellig traf. In seiner ersten Spielzeit als Borusse hatte er die 14, mit der er nur zwei Tore machte. Doch es war ein Anfang. Mit 60 Treffern ist er Neunter in der Tor-Rangliste der Gladbacher. Nun hofft Plea, dass ihm die 14 Glück bringt.

Und die 9? Bleibt sie vakant? Oder kommt noch wer, der sie bekommt? In den Foren der Fans werden Namen wie Rhian Brewster, der in Liverpool allerdings am Dienstagabend verlängert hat, Yoshinori Muto, der in Mainz die 9 hat, oder auch Bas Dost diskutiert. Erst mal aber ist Plea da, die Neun ohne die 9, und er ist gekommen, um mit der 14 zu tun, was ein Mittelstürmer tun soll: „Ich will gut spielen. Wenn das klappt, werde ich meine Tore machen“, sagt er. Über mögliche Bilanzen spricht er nicht. Was die angeht, wäre die 14 besser als die 9 …

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