CHIO 2018: Aachener Reitspektakel ist das deutsche Wimbledon

Weltfest des Pferdesports : CHIO – das deutsche Wimbledon

Um die Dimension und Anziehungskraft des Aachener Reitspektakels zu verdeutlichen, wurden schon viele Vergleiche angestrengt. Der vielleicht prägnanteste: Das Tennis-Grand-Slam-Turnier in London.

Die Fußballer von Eintracht Braunschweig kalkulieren nach dem Abstieg in die Dritte Liga mit einem Jahresetat von rund 14 Millionen Euro. Mit 15.5 Millionen Euro will eine Liga höher Erzgebirge Aue die anstehende Saison bestreiten. Was das mit dem CHIO zu tun hat? 14,5 Millionen Euro betrug im Vorjahr das Budget, mit dem die Aachener allein ihr zehntägiges Reitspektakel veranstalteten.

Es ist eben nicht irgendein Reitturnier, es ist das selbsternannte „Weltfest des Pferdesports“, das am Freitag traditionell mit den Wettkämpfen der Voltigierer beginnt. Um die Dimension des CHIO, also des „Concours Hippique International Officiel“, des Internationalen Offiziellen Pferdesport-Wettbewerbs, zu verdeutlichen, wurden schon viele Vergleiche angestrengt. Der vielleicht prägnanteste: Das in Aachen, das ist das Wimbledon des Reitsports.

Denn Wimbledon, das assoziiert beides: Top-Sport und Glamour. Bussi-Bussi, Erdbeeren mit Schlagsahne, Stars und Sternchen, Meet and Greet, Sehen und Gesehen werden. Und das alles bietet auch der CHIO. Seit seiner Premiere 1924 hat der Aachen-Laurensberger Rennverein über die Jahrzehnte in der Soers ein Event geschaffen, das Anziehungskraft weit über den Reitsport hinaus ausübt. 357.860 Besucher kamen 2017 – zu den Wettbewerben oder auch einfach zum Bummeln, Verweilen, Shoppen und Schlemmen in einer 22.000 Quadratmeter großen Zelt-Stadt, die in sechs Wochen aufgebaut wurde. 50 Prozent der Besucher, so beobachten die Veranstalter, sind „echte Hardcorefans“, die anderen 50 Prozent eben Eventzuschauer, die wegen des Spektakels samt Reitsport kommen, nicht wegen des Reitsports samt Spektakel.

973 Pferde werden in den kommenden Tagen in Aachen dabei sein – bei den sportlichen Wettkämpfen im Springreiten, der Dressur, der Vielseitigkeit, dem Fahren und Voltigieren. Oder eben bei einer der vielen Shows und Konzerte im Rahmenprogramm. CHIO, das sind genauso 18.000 Kilogramm Hafer und Heu wie 800 Paar Sacherwürstl und 1400 Portionen Kaiserschmarrn. CHIO, das sind Sportstars wie Isabell Werth oder Michael Jung, das sind aber auch Gäste wie Fußballnationalspieler Thomas Müller, Schauspielerin Veronica Ferres, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. CHIO, das sind die 30 Mitarbeiter im tierärtzlichen Bereich, aber eben auch die 80 Hostessen in vier eigens eingerichteten Restaurants.

Wer wie die Aachener als Generalsponsoren Mercedes, DHL, Turkish Airlines und Rolex vorweisen kann, tut sich selbstverständlich etwas leichter mit der Finanzierung des deutschen Wimbledons – und er darf sich sicher sein, dass so mancher Fußball-Klub schon einen dieser Sponsoren nur zu gerne als eigenen Hauptsponsor nennen würde. Sicherlich auch Eintracht Braunschweig und Erzgebirge Aue. Und ganz bestimmt die benachbarte Alemannia, die für die kommende Spielzeit in der viertklassigen Regionalliga West gerade einmal drei Millionen Euro zur Verfügung hat.

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