CHIO Aachen: Isabell Werth gilt es auch 2018 zu schlagen

CHIO 2018 : Alle Wege führen über Isabell Werth

Isabell Werth dominiert die Dressurszene auch in diesem Jahr. Doch beim CHIO wollen die Jungen im deutschen Team in der kommenden Woche an der Vormachtstellung der sechsmaligen Olympiasiegerin rütteln.

Zuweilen treibt Isabell Werths Dominanz im Dressurreiten skurrile Blüten. So wie Mitte April beim Weltcup-Finale in Paris. Werth gewann, Jessica von Bredow-Werndl wurde dritte. Doch bei der Siegerehrung galoppierte und piaffierte nur die Rheinbergerin auf ihrer Stute Weihegold, von Bredow-Werndl kam ohne ihren Unee – vorsichtshalber. „Mein Hengst ist schwer verliebt in Weihegold, da ist er echt heiß. Es ist aber zu früh für Babys“, sagte die 32-Jährige und kasperte die Ehrenrunde zu Fuß. Die Szenerie von Paris war dann auch sinnbildlich: Wo Isabell Werth reitet, wird der Platz im Rampenlicht eng für die Konkurrenz – gerade auch hierzulande. Oft zu eng. Und so werden die Zuschauer nächste Woche beim CHIO in Aachen eine Parallelität der Ereignisse bestaunen können: zum einen den Versuch der Jungen im deutschen Team, Werth im Einzel zu schlagen, zum anderen den Versuch des Teams, wie fast immer den Nationenpreis zu gewinnen.

Aachens Turnierdirektor Frank Kämpermann freut sich schon auf die Attacke der zweiten Reihe: „Die Jungen kratzen an der Tür“, findet er. Dabei hat er vor allem einen im Sinn: Sönke Rothenberger,  Mannschafts-Olympiasieger 2016 in Rio und Anfang Juni in Balve im Sauerland Deutscher Meister – vor Isabell Werth. Das macht selbstbewusst.  „Cosmo ist das wahrscheinlich beste Pferd der Welt, das wollen wir beim CHIO unter Beweis stellen“, sagte der 23-Jährige am Montag. Doch auch die anderen Deutschen wollen zeigen, was sie können. Von Bredow-Werndl bringt zwei Top-Pferde mit in die Soers, Dorothee Schneider kommt mit Team-Olympiasieger Showtime, und Helen Langehanenberg reist nur vier Wochen nach der Geburt ihrer Tochter mit Damsey an. Einzig die Olympia-Dritte von Rio, Kristina Bröring-Sprehe, muss ohne ihren Top-Hengst Desperados, der nach einer Verletzung nicht rechtzeitig fit wird, für Aachen und damit auch für die Weltreiterspiele im US-amerikanischen Tryon im September passen.

Bundestrainerin Monica Theodorescu ist jedenfalls selbst gespannt, wie sich die geballte Konkurrenz in ihrem Team in Ergebnissen wiederspiegelt. „Natürlich hat Isabell die größte Erfahrung und sticht allein durch die Anzahl ihrer gewonnenen Medaillen hervor. Aber unser Olympiakader ist auf einem sehr hohen Niveau und besetzt mit Championatserfahrenen Paaren, die alle schon Medaillen gewonnen haben. Sie sind durchaus auf Augenhöhe mit Isabell und ihren Pferden, das hat man bei den Deutschen Meisterschaften gesehen“, sagte sie unserer Redaktion.

Die Weltrangliste spricht indes eine andere Sprache, dokumentiert sie doch vor allem die Ausnahmestellung Werths und ihrer Top-Pferde. Die sechsmalige Olympiasiegerin belegt mit ihren Pferden die Plätze eins, drei und sieben. Rothenberger ist fünfter, Schneider sechste, Langehanenberg zehnte. Otto Becker ist Bundestrainer der Springreiter, und er hält es mit der Dominanz eines Athleten im Team so: „Natürlich ist es gut, wenn man einen alles überragenden Reiter hat. Wenn er sich in den Dienst der Mannschaft stellt, ist er jederzeit herzlich willkommen. Aber genauso gilt natürlich: Je ausgeglichener eine Mannschaft ist, desto besser.“

In jedem Fall gilt: Eine ausgeglichene Mannschaft braucht Deutschland, will es in Aachen zum sieben Mal in Folge den Nationenpreis gewinnen. Denn die internationale Konkurrenz ist groß. Die Schweden gewannen bereits zwei Nationenpreise in diesem Jahr. Auch die Amerikaner reisen in Bestbesetzung an, und die Niederländer kündigten mindestens drei der siegreichen Reiter vom Nationenpreis Ende Juni in Rotterdam für den CHIO an.

Doch ob nun einheimische oder internationale Kontrahenten, sie alle wissen, dass es Isabell Werth ist, die es zu schlagen gibt. Sie und die Basis ihres Erfolges, die Ingmar de Vos, Präsident des Weltreiterverbandes FEI, im Vorjahr so beschrieb: „Isabell hat bewiesen, dass die größten Erfolge im Sport das Ergebnis harter Arbeit sind. Gerade diese Qualität sollte unglaublich lehrreich für die jungen Reiter sein.“