Cannabis: 79 Bieter für Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland

Medizinische Anwendung : Bund erwartet erste Cannabis-Ernte Ende 2020

79 Bieter haben beim Bund ein Angebot für den Anbau von medizinischem Cannabis abgegeben. Die aktuelle Ausschreibung umfasst 10,4 Tonnen. Im zweiten Quartal dieses Jahres soll der Zuschlag erteilt werden.

Medizinisches Cannabis soll spätestens Ende 2020 in Deutschland unter Staatsaufsicht angebaut werden. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am Montag mit. Insgesamt haben sich 79 Bieter an einem Ausschreibungsverfahren beteiligt. Das BfArM wertet die Angebote nun aus. Welches Unternehmen den Zuschlag erhält, wird voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahrs feststehen. Die erste Ernte für medizinisches Cannabis soll dann Ende 2020 erfolgen.

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Derzeit wird Cannabis für medizinische Zwecke aus dem Ausland importiert. Das soll auch weiterhin möglich sein. Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert. Das BfArM hat daraufhin eine „Cannabisagentur“ eingerichtet. Sie wird den Anbau in Deutschland steuern und kontrollieren. Die aktuelle Ausschreibung umfasst 10,4 Tonnen Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2,6 Tonnen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die erste Ausschreibung noch kassiert. Das OLG hatte die Ansicht eines Unternehmens bestätigt, die verbleibende Frist sei nach einer Änderung des Verfahrens nicht mehr ausreichend gewesen. Zudem wurde zur zweiten Ausschreibung die Cannabis-Menge erhöht.

Ob die 10,4 Tonnen jedoch letzten Endes ausreichen, ist nicht klar. Medizinisches Cannabis ist in Deutschland derzeit sehr gefragt. Hatten einst nur rund 1000 Kranke eine Ausnahmegenehmigung, können Ärzte heute Cannabis bei Vorliegen einer Begründung frei verschreiben. Branchenexperten sprechen von 15.000 Cannabis-Patienten, genaue Daten zu deren Zahl gibt es aber nicht.

Grundsätzlich kann Cannabis nicht heilen, sondern nur Symptome abmildern. Es wirkt sich auf den Seelenzustand aus und kann Schmerzen bei Krebserkrankungen, Übelkeit nach Chemotherapien oder Spastiken bei Multipler Sklerose lindern. Der Wirkstoff kann entspannen, zu Ruhe und Ausgeglichenheit führen und das Wohlbefinden steigern. Nebenwirkungen wie Denkstörungen und Konzentrationsmangel, in seltenen Fällen Unruhe, Angst oder Verfolgungswahn sind möglich. Wer Cannabis stark und regelmäßig konsumiert, riskiert wie beim Alkohol eine Abhängigkeit.

Die Krankenkassen bezahlen im Prinzip für eine Cannabis-Behandlung, allerdings wird jeder dritte Antrag abgelehnt. Drei Wochen nach Eingang des Antrags müssen die Kassen eine Entscheidung fällen. Ziehen sie zur Unterstützung den medizinischen Dienst (MDK) hinzu, verlängert sich die Frist um zwei Wochen. Die meisten Krankenkassen prüfen nahezu jeden Cannabis-Antrag über den MDK.

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