Mit Drohne und Telefon-Überwachung Wie die Polizei in Xanten eine Drogen-Plantage aufdeckte

Xanten/Kleve · Am Landgericht läuft der Prozess gegen zwei Männer, die in Xanten in großem Stil Cannabis angebaut haben sollen. Deutlich wird, welchen Aufwand die Polizei betreiben musste, um die Täter zu ermitteln. Einer konnte sich absetzen.

 Das Landgericht in Kleve: Den Männern wird gemeinschaftlicher Handel mit Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ vorgeworfen (Archiv).

Das Landgericht in Kleve: Den Männern wird gemeinschaftlicher Handel mit Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ vorgeworfen (Archiv).

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Mehrere Männer sollen in einer Halle an der Sonsbecker Straße in Xanten illegal eine Cannabis-Plantage betrieben haben. Zwei von ihnen mussten sich deshalb am Montag vor dem Landgericht in Kleve verantworten. Ihnen wurde „Beihilfe zum gemeinschaftlichen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft forderte für sie Haftstrafen von zwei Jahren auf Bewährung und zweieinhalb Jahren. Das Landgericht verurteilte sie schließlich zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und zu zwei Jahren und neun Monate – und zwar wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Die Verteidiger hatten um eine milde Strafe gebeten. Ihre Mandanten hätten dem Inhaber der Halle an der Sonsbecker Straße „aus Angst geholfen“, die Cannabis-Plantage anzulegen, berichteten die Anwälte der Angeklagten. Der Betreiber habe sie bedroht, eingeschüchtert, erpresst. Beide Angeklagte, zwei 43 und 45 Jahre alte Männer mit serbischen und kroatischen Wurzeln, waren geständig.

Der Prozess hatte vor einigen Tagen begonnen und wurde am Montag mit den Plädoyers fortgesetzt. Dabei erinnerte der Vertreter der Anklage noch einmal daran, wie die Plantage überhaupt aufgeflogen war: Demnach hatte es 2020 einen anonymen Hinweis gegeben. Im Juli 2020 wurde die Halle an der Sonsbecker Straße deshalb mit Wärmebildkameras untersucht. Es wurde aber nichts gefunden. Im März diesen Jahres meldete sich eine Zeugin und berichtete, dass in der Halle große Mengen Marihuana angebaut würden. Mit Drohnen sollen dann Wärmequellen festgestellt worden sein. Darauf folgte eine Telefonüberwachung, wie der Staatsanwalt erklärte.

Am 26. März 2021 sei ein Gespräch zwischen dem Betreiber der Plantage und einem 32-jährigen Mann aus Köln aufgezeichnet worden. „Ich muss die Schei… abholen, du musst mir dabei helfen“, habe der Betreiber befohlen. Einen Tag später sei an der Halle ein Mercedes vorgefahren, der auf den 32-jährigen Kölner zugelassen gewesen sei. Einer der beiden Männer, die am Montag vor Gericht standen, sei dann „mit gut gefüllten Ikea-Taschen herausgekommen“.

Am 1. April, kurz vor 20 Uhr, schlugen dann die Einsatzkräfte der Polizei zu: Die Halle wurde durchsucht, die beiden 43 und 45 Jahre alten Männer wurden festgenommen und fast neun Kilogramm Marihuana sichergestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die beiden Angeklagten auf Anweisung des Plantagen-Betreibers alle zwei Tage nach Xanten gefahren sein, um das Wachstum der Pflanzen zu überwachen. Für die erste Ernte soll er ihnen insgesamt 5000 Euro zugesichert haben. Einer der beiden Angeklagten sagte aus, dass er das Geld aber nie bekommen haben. Die Ausbeute der ersten Ernte sollen 18 Kilogramm Marihuana gewesen sein. Zwei Kilogramm davon soll der 32-jährige Kölner zum Marktwert von 4000 Euro das Kilo bekommen haben.

Das Verfahren gegen ihn war auf Anordnung des Landgerichts vom Verfahren gegen die beiden anderen Männer abgetrennt worden. Der Anwalt des Kölners hatte vorher eine schriftliche Stellungnahme verlesen, in der sein Mandant von einem jahrelangen Drogenmissbrauch berichtete und sich bereit erklärte, „sich dem Maßregelvollzug zu unterwerfen“.

Da eine eingeschränkte Schuldfähigkeit in Betracht kommen könnte, muss der Angeklagte erst von Gutachter untersucht werden. Der Prozess gegen ihn wird nach Auskunft des Gerichts nicht vor Ende März stattfinden können. Der Haftbefehl gegen ihn bleibt aber aufrecht erhalten.

Der 32-Jährige soll bei der Herrichtung der Halle geholfen, die 611 Stecklinge besorgt und den beiden anderen Angeklagten gezeigt haben, wie sie sie bewässern und düngen sollen. Am 28. Oktober 2020 soll er ein weiteres Mal nach Österreich gefahren sein, um die Pflanzen zu kaufen. Auf der Rückfahrt über die Autobahn wurde er von der Polizei kontrolliert, die Pflanzen wurden beschlagnahmt. Sein Leben sei aus den Fugen geraten, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Er sei „zu weit in die falsche Richtung gegangen“.

Der Betreiber der Halle saß am Montag nicht vor Gericht. Er hatte sich frühzeitig abgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben am Dienstagmorgen, 14. Dezember 2021, das Urteil des Landgerichts nachgetragen.

(jas)
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