Trotz Stinkefinger-Skandal und Co.: Der Wahlkampf ödet die Deutschen an

Trotz Stinkefinger-Skandal und Co. : Der Wahlkampf ödet die Deutschen an

Die FDP streitet mit der Union um Leihstimmen, die Grünen erfasst erneut die Pädophilie-Debatte und SPD-Kandidat Peer Steinbrück zeigt den Stinkefinger – im Endspurt ist der Wahlkampf doch noch heftigst entbrannt. Für den Wähler aber offensichtlich zu spät, denn der ist nach einer neuen Umfrage einfach nur angeödet.

Die FDP streitet mit der Union um Leihstimmen, die Grünen erfasst erneut die Pädophilie-Debatte und SPD-Kandidat Peer Steinbrück zeigt den Stinkefinger — im Endspurt ist der Wahlkampf doch noch heftigst entbrannt. Für den Wähler aber offensichtlich zu spät, denn der ist nach einer neuen Umfrage einfach nur angeödet.

Sie tummeln sich auf Marktplätzen, klingeln an Haustüren und gehen in jede erdenkliche Talkshow im TV. Endspurt im Wahlkampf bedeutet für die Spitzenkandidaten der Parteien vor allem eines: jede Menge Stress. Doch so richtig kommen sie mit ihren Aktionen nicht beim Wähler an — weder in der Anfangsphase des Wahlkampfes noch jetzt, wenige Tage vor der Bundestagswahl. Das zeigt auch eine neue Umfrage.

Wie das Institut Forsa für das Magazin "Stern" herausgefunden hat, sind rund zwei Drittel der Deutschen vom Bundestagswahlkampf einfach nur gelangweilt. So gaben 67 der rund 1000 Befragten an, dass sie dies weniger oder überhaupt nicht interessiert. Gerade einmal drei Prozent sagten dagegen, dass sie den Wahlkampf sehr interessant finden. Doch woran mag das liegen?

Zwei Drittel schauen optimistisch in Zukunft

Parteien und Experten haben in den vergangenen Wochen so manche Begründung dafür gefunden, dass der Wahlkampf in diesem Jahr nicht so richtig in Fahrt kommen wollte. Es gebe keine Wechselstimmung im Land, wie die Umfragen immer wieder verdeutlichten, hieß es da etwa. Oder auch, dass die Deutschen einfach sehr zufrieden mit ihrer persönlichen Situation sind. Letzteres bestätigt auch die am Mittwoch vom Versicherungskonzern Allianz vorgestellte Zuversichtsstudie.

Demnach bewerten 39 Prozent der Befragten die Gesamtsituation der Bundesrepublik zuversichtlich, zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Auch steigt nach der Studie das Vertrauen in die Wirtschaftskraft, und fast zwei Drittel der Befragten blickt optimistisch in die eigene Zukunft. Solche Aussagen dürften denn auch den Duisburger Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte bestätigen, der in Bezug auf die Wahl nicht von Politikverweigerern sprechen will, sondern von einer "sorgenvollen Zufriedenheit" im Volk.

Doch lässt die Wahl die Deutschen wirklich kalt, nur weil es ihnen — insbesondere im Vergleich mit den anderen Krisenländern Europas — wirtschaftlich ganz gut geht? Laut der Forsa-Umfrage stimmt das nicht unbedingt, sondern auch die Parteien haben ihren Anteil daran, dass das Interesse an der Bundestagswahl nicht wirklich groß ist.

Vor allem FDP-Wähler von Info-Politik enttäuscht

Denn schon bei der Frage, ob die Parteien die richtigen Themen im Wahlkampf gewählt haben, sind die Deutschen gespalten. 48 Prozent — vor allem Befragte mit Abitur oder Studium sowie SPD-Wähler — bejahten diese Frage der Meinungsforscher. 46 Prozent sehen das dagegen ganz anders — insbesondere die Gruppe der Arbeiter sowie Wähler von Grünen und Linken.

Auch die Informationspolitik der Parteien bekommt von den Befragten nicht wirklich ein gutes Zeugnis. So hätten sich nach der Umfrage fast zwei Drittel (62 Prozent) mehr Informationen der Parteien im Bundestagswahlkampf gewünscht. Und vor allem die FDP-Wähler sind hier äußerst unzufrieden, hier fühlen sich sogar 80 Prozent der Befragten nur unzureichend informiert.

Auf der anderen Seite hatte aber eine Allensbach-Studie im August auch festgestellt, dass sich nur 29 Prozent im privaten Kreis über die Wahl unterhielten (der Wert dürfte so kurz vor der Wahl sicher gestiegen sein). Und nur knapp 40 Prozent sprechen in der Mittagspause oder nach Feierabend überhaupt über Politik.

mit Agenturmaterial

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(das)
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