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Terror-Warnungen in islamischer Welt: USA schließen viele Botschaften bis Samstag

Terror-Warnungen in islamischer Welt : USA schließen viele Botschaften bis Samstag

Angesichts einer nicht näher konkretisierten akuten Gefahrenlage halten die USA ihre diplomatischen Vertretungen in 19 Städten der islamischen Welt und vier afrikanischen Staaten bis kommenden Samstag geschlossen.

Außenministeriumssprecherin Jen Psaki erklärte die Maßnahme am Sonntag in Washington mit "höchster Vorsicht", die aber nicht "Ergebnis eines neuen Hinweises auf eine Bedrohung" sei.

Die Schließung der Botschaften und Konsulate sei "lediglich ein Zeichen unserer Verpflichtung, vorsichtig zu sein und die angemessenen Schritte zu tun, um unsere Mitarbeiter, einschließlich unserer einheimischen Beschäftigten, und Besucher unserer Einrichtungen zu schützen." Hintergrund für die Schließung von 22 US-Vertretungen im Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika am Wochenende war nach Darstellung von US-Generalstabschef Martin Dempsey eine konkrete Terrorgefahr, die US-Geheimdienste aus abgefangenen Nachrichten des Terrornetzwerks Al Qaida herauslesen.

Besonderes Augenmerk galt am Wochenende der Botschaft in Jemen. Dort ist die Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel aktiv, aus Sicht der USA eine der gefährlichsten Gruppen des Terrornetzwerks. Auch Deutschland schloss seine dortige Botschaft. Das US-Außenministerium hat darüber hinaus eine globale Reisewarnung an alle US-Bürger bis Ende August ausgesprochen und davor gewarnt, Al Kaida und ihre Verbündeten könnten Anschläge auf staatliche oder private US-Einrichtungen planen.

Bis kommenden Samstag, 10. August, bleiben diplomatische Einrichtungen der USA unter anderem in Ägypten, Jordanien, Libyen, Jemen, Saudi-Arabien und Kuwait geschlossen. Am Montag wieder geöffnet werden dagegen die Vertretungen in Bagdad und Kabul. In Afrika bleiben darüber hinaus die Vertretungen in Burundi, Ruanda, Madagaskar und Mauritius geschlossen, teilte das State Department mit.

Erinnerungen an 9/11

Der republikanische Senator und Mitglied des Geheimdienstausschusses Saxby Chambliss sagte am Sonntag dem Fernsehsender NBC, die aktuellen Geheimdienstinformationen über mögliche Anschläge erinnerten sehr stark an das, was die USA vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gesehen hätten. Die US-Regierung habe mit der Entscheidung, die diplomatischen Vertretungen zu schließen und eine Reisewarnung herauszugeben, auf vom Geheimdienst abgefangene Nachrichten reagiert. Was genau das war, sagte er nicht.

Generalstabschef Dempsey sagte in einem ABC-Interview, die gegenwärtigen Drohungen seien gezielter als frühere. Es gebe die Absicht, westliche Ziele anzugreifen, nicht nur amerikanische. Der republikanische Abgeordnete und Geheimdienstexperte Pete King sagte ebenfalls auf ABC: "Die Drohung war klar mit Blick auf einen enormen Umfang, und es wurden auch Daten genannt."

Der demokratische Abgeordnete Dutch Ruppersberger ergänzte, abgefangene Terrordrohungen seien von "hochrangigen Personen der Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" ausgegangen und hätten mit einem "großen Anschlag" zu tun gehabt. Details nannte auch er nicht, verwies aber auf einen von Interpol in Paris herausgegebenen weltweiten Sicherheitsalarm, der auf Gefängnisausbrüche mit mutmaßlicher Al Qaida-Beteiligung in Irak, Libyen und Pakistan basierte.

Der Abgeordnete Adam Schiff, Mitglied des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, sagte, die Breite der Botschaftsschließungen deute darauf hin, dass die US-Behörden eine Wiederholung der Unruhen und Angriffe auf US-Botschaften im vergangenen Jahr wie im libyschen Bengasi befürchteten, bei denen drei Amerikaner getötet wurden. Schiff verwies ausdrücklich auf das nahende Ende des Fastenmonats Ramadan als weiteren Gefahrenpunkt. "Es kommen also viel Dinge zusammen", sagte Schiff. "Aber ohne eine besondere konkrete Information ist das alles nicht genug."

(ap)