Donald Trump: USA sollen 2024 wieder Menschen zum Mond schicken

Trumps Traum vom Mond : USA wollen 2024 wieder Menschen zum Mond schicken

In fünf Jahren sollen US-Astronauten wieder auf dem Mond landen. So möchte es US-Präsident Donald Trump. Die US-Weltraumbehörde NASA steht unter Zeitdruck, Hilfe könnte aus Europa kommen.

US-Vizepräsident Mike Pence hat bei der Sitzung des nationalen Weltraumrats mit der Faust auf den Tisch gehauen. Im Namen des Präsidenten Donald Trump verlangt er nun von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA: 2024 sollen Astronauten wieder auf dem Mond landen. Das Land würde, so Pence, in der Raumfahrt von China abgehängt, das in den kommenden Jahren selbst Menschen zum Mond schicken wolle.

Einen konkreten Zeitplan dafür haben die Chinesen indes nicht genannt. Weil sich Raumfahrt an der Grenze des technisch Möglichen und Machbaren bewegt, hat man in Peking dazu gelernt. Große Ankündigungen werden dort mittlerweile nur sehr vorsichtig gemacht.

Das sieht das Weiße Haus anders. Auf jeden Fall wolle man vor China da sein, nachdem die Vereinigten Staaten vor knapp 50 Jahren bereits die ersten auf dem Mond waren. Es geht Pence und Trump nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse oder um den Vorstoß der Menschheit ins All, sondern um nationalen und persönlichen Stolz.

Aus europäischer Sicht die falsche Motivation. „Meine Hoffnung ist, dass es kein ,back to the Moon’ mit besonderer Betonung nationaler Interessen wie vor 50 Jahren gibt, sondern dass wir ,forward to the Moon’ in internationaler Kooperation gehen“, sagt Professor Jan Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Grundsätzlich begrüßt er die Pläne der US-Regierung: „Es ist erfreulich, dass auch der US-Präsident eine Mondmission nach Jahren der ausschließlichen Fokussierung auf den Mars unterstützt.“

Die NASA stellt der neue Zeitplan indes vor Herausforderungen. Zuletzt hatte NASA-Chef Frederick „Jim“ Bridenstine bei einer Senatsanhörung einräumen müssen, dass es bei der Entwicklung der notwendigen Mond-Rakete „S.L.S.“ erneut Probleme geben würde – und der erste Testflug um mindestens ein Jahr verschoben werden müsse. Auf Juni 2020.

Das ist nun inakzeptabel für das Weiße Haus, das mit der Ankündigung der Pläne vielleicht gewartet hat – bis der Mueller-Bericht über eine mögliche Verschwörung Donald Trumps mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin vorliegt. Offensichtlich haben die Ermittler dafür keine Beweise gefunden. Trump hat das als „Freispruch“ gefeiert und plant nun seine zweite Amtszeit, die 2024 enden würde. In dem Jahr, in dem Astronauten auf dem Mond landen sollen. Trump würde sich bei einem Erfolg vermutlich selbst feiern – als größer und bedeutender als John F. Kennedy, der 1961 den Plan der Mondlandung verkündet hatte. Damals habe man auch nur acht Jahre benötigt, so Pence. Er möchte es noch schneller schaffen.

Die Pläne der NASA hatten zwar ohnehin den Mond im Visier: Man ging aber davon aus, dass nach dem ersten Test der neuen Trägerrakete S.L.S frühestens 2023 die notwendige Raumkapsel Orion mit Astronauten an Bord starten würde. Eine Landung auf unserem Trabanten schien dann 2028 möglich. „Das ist einfach nicht gut genug. Wir sind besser als das“, sagte Pence dazu.

Nun müssen die Pläne über Bord geworfen werden und ist der Zeitdruck enorm. Bereits 2021 soll die Trägerrakete mit der dann noch unbemannten Raumkapsel Orion getestet werden. Ein Jahr später sollen Astronauten damit zumindest in die Nähe des Trabanten gelangen, bevor 2024 Menschen nahe des lunaren Südpols landen. Dort findet sich in den Tiefen der Krater Eis - was die Grundvoraussetzung für eine dauerhaft bemannte Station dort ist: Aus Eis lässt sich nicht nur Wasser gewinnen, sondern auch Sauerstoff und Raketentreibstoff. Und in den Plänen des Weißen Hauses ist durchaus vorgesehen, dass man zum Mond kommt, um zu bleiben.

Das Problem dabei ist nicht nur, dass eine bemannte Station noch geplant werden müsste. Ungeklärt ist auch: Womit und wie sollen die Astronauten auf dem Mond landen und danach wieder abheben, um zur Erde zurückzukehren? Die NASA kann da nur auf ihre Expertise mit Sonden verweisen, die auf dem Mars aufgesetzt sind. Konkrete Systeme wie die Landefähre „Eagle“, mit der 1969 Neil Armstrong und Edwin Aldrin gelandet waren, wurden noch nicht entwickelt oder sind darum auch nicht getestet worden. Das alles müsste bis 2024 passieren. Dabei gibt es weltweit einen Konsens in der Raumfahrt, an den sich auch die NASA gebunden fühlt: Für bemannte Missionen muss eine Zuverlässigkeit der Systeme von mindestens 99,9 Prozent erreicht werden. Ob das in dem knappen Zeitfenster erreicht wird, ist fraglich und tatsächlich nur mir viel Glück möglich.

NASA-Chef Bridenstine ist derweil darum bemüht, Optimismus zu verbreiten. „Es ist die richtige Zeit für diese Herausforderung.“ Und er habe Mike Pence zugesichert, dass die NASA diese Herausforderung annehmen werde. Gleichzeitig erteilte er privaten Weltraumunternehmen wie SpaceX von Elon Musk eine Absage: Kein kommerzieller Anbieter sei in der Lage innerhalb der Zeit das Ziel zu erreichen. Hilfe könnte die NASA eventuell von der ESA bekommen, wie Generaldirektor Wörner sagt: „Wenn die Forderungen der US-Regierung von der NASA nicht zeitgerecht umgesetzt werden, müssen wir klären, welche Rolle wir spielen können.“ Wörner habe zuletzt vor zwei Wochen mit Bridenstine gesprochen, das nächste Treffen sei für Anfang April geplant.

Das Budget der NASA liegt derzeit bei 21,5 Milliarden US-Dollar, was eine der höchsten Summen der vergangenen Jahre ist. Allerdings finanziert die Weltraumbehörde daraus nicht nur die Entwicklung der „S.L.S.“, sondern auch alle anderen Projekte und Missionen. Die werden nun zum Teil zurückgestellt werden müssen. Nach derzeitiger Planung kann die NASA auch nicht mit mehr Geld rechnen. Zum Vergleich: Die Entwicklung der Apollo-Mond-Mission in den 1960-ern hat inflationär bereinigt etwa 144 Milliarden US-Dollar gekostet.

Natürlich will die Regierung so auch Druck erzeugen. Pence warf der NASA vor, dass sie zu bürokratisch und träge geworden sei. „Wir kämpfen auch gegen unseren schlimmsten Feind“, so der Vize-Präsident: „Selbstzufriedenheit.“

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