1. Panorama
  2. Fernsehen

Kritik zum "Tatort: Monster" aus Dortmund: Erschütternd, aber gut

Neuer „Tatort“ aus Dortmund : Ein Kind, das nicht vergessen kann

Im Dortmunder „Tatort“ geht es um Kindesmissbrauch und um Fabers Erzfeind. Die Bilder sind beklemmend, aber nie voyeuristisch. Ein guter Krimi.

Eine junge Frau sitzt zusammengekauert im Partykeller eines Einfamilienhauses, ihre blonden Locken und ihr Gesicht sind mit Blut verschmiert. Evelyn (Luisa-Céline Gaffron) hat kurz zuvor einen Mann erstochen, jetzt wartet sie auf Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) – nur mit ihm möchte sie sprechen. Wieder ein Dortmunder „Tatort“ also, in dem die zweifellos spannende Figur Faber mehr im Mittelpunkt steht als der eigentliche Fall? Nicht ganz, glück­licherweise.

Denn zeitgleich zu Fabers und Martina Bönischs (Anna Schudt) Einsatz im Partykeller sind ihre jungen Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon) und Nora Dalay (Aylin Tezel) auf dem Weg zu Pawlaks Familie. Seine kleine Tochter Mia hatte in Panik angerufen. Als die beiden eintreffen, liegt Pawlaks Frau benommen von einer erzwungenen Heroin-Überdosis auf dem Boden – und Mia ist verschwunden. Damit bekommt „Monster“ (Buch: Jörg Werner, Regie: Torsten C. Fischer) für Pawlak eine persönliche Dimension.

Bei der Rückkehr ins Präsidium findet Faber dann auf seinem Schreibtisch ein Foto von Mia,  das Bild von Fabers getöteter Frau und Tochter hingegen fehlt. Hinter der Entführung kann – so viel ist regelmäßigen Zuschauern des Dortmunder Teams schnell klar – eigentlich nur einer stecken: Fabers Erzfeind Markus Graf (Florian Bartholomäi), der den Kommissar schon seit Jahren begleitet. Faber hatte dessen Vater gefasst, der wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilt wurde und sich im Gefängnis das Leben nahm. Dann tauchte Graf selbst als Mörder auf – und machte Anspielungen, auch Fabers Familie umgebracht zu haben. Über mehrere Folgen hinweg wurde dieser Erzählstrang aufgegriffen. Das Konzept kennt man eher aus US-amerikanischen Serien, im ohnehin modernen Dortmunder „Tatort“-Kosmos hat es aber meist funktioniert.

Jetzt geht diese Geschichte – so viel darf verraten werden – nach knapp sechs Jahren zu Ende. Eine gute Entscheidung. Und ein guter Krimi, facettenreich und spannend inszeniert. Evelyn wurde als Mädchen missbraucht und hat sich davon nie erholt. Die Bilder sind beklemmend, aber nie voyeuristisch. Sie deuten den Schrecken nur an – und sind doch schwer zu ertragen. „Ein Kind, das nicht vergessen kann“, sagt Bönisch. Dahinter steckt ein Netzwerk von Pädokriminellen, das Graf für seine Zwecke nutzt. Die Ermittler stoßen an ihre Grenzen – im Gespräch mit der traumatisierten Evelyn und auf der Suche nach Mia, von der Videos im Internet auftauchen, an deren Urheber sie aber nicht herankommen. Nicht zuletzt ist „Monster“ in Zeiten von Lügde und Bergisch Gladbach auch ein erschreckend aktueller Fall.

„Tatort: Monster“, Das Erste,
So., 20.15 Uhr