1. Panorama
  2. Coronavirus

Coronavirus kann auch ins Gehirn vordringen - neue Symptome

Neue Symptome : Das Coronavirus kann auch ins Gehirn vordringen

Neben den bisherigen Erscheinungsformen der Covid-19-Erkrankung ist jetzt bewiesen, dass das Virus auch das zentrale Nervensystem befallen kann.

Als die ersten Berichte über Riech- und Geschmacksstörungen bei Covid-19-Patienten kamen, konnte man es ahnen: Das Coronavirus kann auch ins Gehirn vordringen. Jetzt wurde der Beweis erbracht: Bei einem jungen Mann aus Japan, der an einer Meningoenzephalitis litt, einer Hirnhaut- und Hirnentzündung, wurde im Nervenwasser Sars-CoV-2 nachgewiesen. Der Nasen-Rachen-Abstrich dagegen war negativ. Das teilte jetzt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie mit. Deren Generalsekretär, der Essener Neurologe Peter Berlit, sagte unserer Redaktion: „Das schafft eine neue Datenlage. Jedenfalls verdichten sich die Hinweise, dass Covid-19 nicht nur ein pneumologisches Krankheitsbild ist.“ Gemeint ist damit, dass sich eine schwerwiegende Infektion nicht nur als Lungenkrankheit äußert.

Dass Viren zum Teil schwere Krankheitsbilder im zentralen Nervensystem und im Gehirn auslösen können, ist keine Neuigkeit; man kennt das vom FSME-Virus, von Herpes- oder Coxsackie-Viren, auch vom West-Nil-Virus und den Coronaviren Sars und Mers. Ein Befall des Hirnstamms könnte erklären, warum bei Covid-19-Erkrankungen – in einigen Fällen auch ohne Beschwerden in den Atemwegen – neurologische Symptome auftreten.

In dem aktuell publizierten Fall aus Japan hatte der 24-jährige Mann in den ersten acht Tagen seiner Erkrankung wegen Müdigkeit, Kopfschmerz, Übelkeit und Fieber zweimal einen Arzt aufgesucht. Dieser hatte eine Grippe vermutet und ihm ein Influenza-Mittel und fiebersenkende Medikamente verordnet. Eine Lungenröntgenuntersuchung war unauffällig.

Am neunten Tag wurde der junge Mann bewusstlos aufgefunden. Während des Krankentransports kam es zu epileptischen Anfällen, so dass er intubiert und beatmet werden musste. In der Klinik wurde eine Nackensteifigkeit diagnostiziert, ein Hauptsymptom der Hirnhautentzündung; das MRT des Schädels zeigte den eindeutigen Befund. Und erst in der Computer-Tomografie des Brustkorbs fanden sich – anders als im Rachenabstrich und im Röntgenbild – zusätzlich Hinweise auf eine virale Pneumonie. Dann wurde das Nervenwasser positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Um wie viele Patienten es sich handelt, ist unklar. Berlit: „Auch bei neurologischen Leitsymptomen muss an den neuartigen Erreger gedacht werden.“ Das ist wichtig etwa bei Symptomen der FSME-Krankheit, der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Sollte sich kein Zeckenstich als Auslöser rekonstruieren lassen, wird man auch Sars-CoV-2 auf dem Radar haben müssen.