Xanten: Ferienzirkus mit Jonny Casselly

Xanten : Manege frei für 160 junge Artisten

Der Zirkus Cassely ist in der Stadt. Er sorgt vier Wochen lang für pädagogisch wertvollen Ferienspaß für Kinder. Am Freitag ist Premiere.

Wenn 160 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren in den Sommerferien zeitig aufstehen und von ihren Müttern mit Blick auf die Uhr nicht immer wieder gemahnt werden müssen, doch endlich in die Puschen zu kommen, dann steckt Jonny Casselly dahinter. Der engagierte Juniorchef des gleichnamigen Zirkus und seine Frau Jessica haben wieder ihr großes Zelt im Hafen in Xanten aufgebaut und laden vier Wochen lang Kinder und Jugendliche ein, mit ihnen und ihren Artisten Kunststücke einzustudieren und freitags in einer Vorstellung den Eltern, Geschwistern, Großeltern zu zeigen, was sie in der Woche alles gelernt haben.

Seit Montag ist die erste Zirkus-Gruppe mit Feuereifer bei der Sache. Eigentlich sollte bei 90 Anmeldungen pro Workshop Schluss sein – dass es in der ersten Woche 160 Kinder sind, die sich jeden Tag von 10 bis 16 Uhr auf dem Gelände und in der Manege tummeln, ist ein Fehler im digitalen System: Im Internet konnten Eltern ihre Zöglinge für eine der vier Workshop-Wochen anmelden. „Da ist leider was schief gelaufen“, sagt der Zirkusdirektor. Aber er wollte niemanden nach Hause schicken: Die Kinder wurden kurzerhand in zwei Gruppen aufgeteilt, die einen üben in gelben T-Shirts, die anderen in roten.

Lotta Frücht (13) macht seit vier Jahre beim Ferienzirkus mit. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Punkt 10 Uhr sitzen alle auf der Tribüne im Zirkuszelt. Jonny Casselly begrüßt die Kinder. „Guten Morgen“, schallt es gleichzeitig aus 160 Kehlen zurück. Nein, stimmt nicht: Es sind nur 159. „Emma kann nicht kommen, sie ist krank“, weiß ein kleines Mädchen, das mit ihr in der gleichen Gruppe ist. „Habt ihr alle eure Trinkflaschen dabei? Sind die alle gefüllt?“, will Jonny Casselly wissen und erinnert die künftigen Seiltänzer, Zauberer, Bodenakrobaten, Trampolinspringer, Trapezkünstler und Turner daran, dass sie bei der Hitze viel trinken müssen, ihre Flaschen jederzeit mit Wasser auffüllen dürfen, ja sogar sollen.

Bevor die Kinder auseinander stoben, um in ihren Gruppen draußen an verschiedenen Stellen rund ums Zirkuszelt ihre Kunststücke einzustudieren, erinnert Jonny Casselly seine Gruppenleiter daran, ihre festen Zeiten fürs Training in der Manege zu nutzen. Er macht an diesem Morgen am Trapez den Anfang. „Die rote Gruppe beginnt“, entscheidet er. Aber auch beim Zirkus gilt: Erst wird sich aufgewärmt. Diesen Part übernimmt bei den angehenden Trapezkünstlern Lotta Frücht. Vor vier Jahren ist die 13-Jährige durch einen Flyer in der Schule – sie besucht das Stiftsgymnasium – auf die Ferienaktion im Zirkus aufmerksam geworden.

Seither ist sie immer in den Sommerferien dabei, jetzt das erste Mal als Betreuerin. Ja, es sei schon manchmal anstrengend, gibt sie zu. „Aber es macht riesig viel Spaß.“ Ihr gefällt die Atmosphäre im Zirkus: „Alle sind hier total freundlich, alles ist sehr familiär“.

Und wie in einer großen Zirkusfamilie üblich, isst man auch im Ferienzirkus mittags zusammen, sitzt im geräumigen Vorzelt an Bierzeltgarnituren mit blau-weiß-karierten Tischdecken. Ab 12 Uhr gibt es Essen, frisch zubereitet vom FZX-Küchenteam im Plaza del Mar. Montag standen Nudeln mit Bolognese auf dem Speiseplan, Dienstag Pommes mit Chicken. „Was es heute gibt, weiß ich nicht. Aber es schmeckt bestimmt“, sagt Lotta Frücht, zieht die Verschlusskappe ihres dicken Filzstiftes ab, verewigt sich ein ums andere Mal auf dem Rücken eines Kindes, das zu ihr kommt. Respektive auf dessen T-Shirt, so wie es alle Betreuer und Artisten tun, die sich um die Ferienkinder kümmern – und absolut nicht aus der Ruhe zu bringen sind!

Disziplin, das lernen die Kinder sehr schnell, ist ganz wichtig, wenn man was erreichen will. Auch im Zirkus, beispielsweise auf dem Trapez. Acht Mädchen in roten T-Shirts stehen nebeneinander vor dem Vorhang, eine Hand in der Taille. Eine nach der anderen wird vom Zirkusdirektor gebeten, in die Manege zu kommen und sich auf die Stange zu setzen.

Lotta Frücht bedient das Trapez, das von der Decke runterhängt, drückt den Knopf, fährt es vier, fünf Meter hoch. Jonny Casselly steht wie eine sichere Bank unter dem Trapez, hat die Mädels die ganze Zeit fest im Blick, gibt kurze, klare Anweisungen. „Ganz langsam einhängen, jetzt Hände an die Stange, Spannung aufbauen, einen Fuß fallen lassen, strecken, wieder reindrehen, aufsetzen. Sehr gut!“ Angst hat keine der jungen Akrpbatinnen: Als hätten sie schon immer auf Trapez-Stangen rumgeturnt, zeigt eine nach der anderen in luftiger Höhe, was sie mit Hilfe von Jonny Casselly einstudiert hat.

Am Freitag, 27. Juli, ist für die erste der vier Gruppen die Zirkus-Woche zu Ende, um 16 Uhr ist große Abschlussgala im Zelt. Alle vier Ferien-Wochen sind übrigens  lange ausgebucht, ab Januar kann man sich dann für den Ferienzirkus 2019 anmelden (www.jonnycasselly.de). Auch Lotta Frücht ist nächstes Jahr wieder als Betreuerin dabei. Das steht für sie fest. Wer einmal Zirkusluft geschnuppert hat, den lässt die Welt der Artisten so schnell nicht los.