Moers: Rapper im Rollstuhl bewirbt sich für Enni Bandcontest

Deine Bühne Eine Aktion von Enni und Rheinischer Post : CrazyB: „Musik ist für mich ein Ventil“

Der Wuppertaler Rapper sitzt im Rollstuhl. Das hindert ihn aber nicht daran im Rampenlicht zustehen.

Große Bühnen sind für den Wuppertaler Rapper CrazyB keine Herausforderung. „Klar, am Anfang bin ich etwas aufgeregt, aber das verfliegt“, sagt er. Das ändert sich jedoch schlagartig, wenn sich enge Freunde oder seine Familie im Publikum befinden. Menschen, die die Hintergründe seiner persönlichen Texte kennen und verstehen. „Das kostet Überwindung“, erzählt der 31-Jährige, der durch „Deine Bühne“ zu den Enni-Nights möchte.

Hip-Hop hat Markus Maiwald, so lautet CrazyBs bürgerlicher Name, schon in seiner Kindheit fasziniert. Anfangs rappte er die Texte seiner Idole wie Max Herre, Samy Deluxe oder Eko Fresh nur mit. Doch im Laufe seiner Jugend begann er, eigene Texte zu schreiben. Als besonders prägend beschreibt der Wuppertaler seine Zeit in einem Internat in Rheinland-Pfalz: „Dort fand ich zwei enge Freunde mit derselben Begeisterung für Hip-Hop“, erzählt er. Zusammen hätte die drei viele Songs geschrieben und noch heute stehen die Schulfreunde in engem Kontakt. „Wenn ich einen neuen Song schreibe, sind sie mein Testpublikum“, erzählt CrazyB.

Denn seine Musik ließ ihn auch nach Ende der Schulzeit nicht los. „Musik ist für mich mehr als nur ein Hobby“, sagt er. Zwar verdient der Wuppertaler sein Geld als Mitarbeiter in einem Callcenter, doch nimmt Musik seit vielen Jahren einen großen Platz in seinem Leben ein. 2006 hatte er seinen ersten Auftritt vor großem Publikum, obwohl er eigentlich nie ins Rampenlicht wollte. „Ich bin sehr selbstkritisch“, sagt er. Doch die positiven Rückmeldungen motivierten ihn weiterzumachen. Seitdem hatte er viele Auftritte in der Region. So sind im Laufe der Jahre rund 100 eigene Songs entstanden. Im Herbst wird sich CrazyB noch einen besonderen Wunsch erfüllen: eine eigene CD. Zwar hatte er zuvor schon einmal ein Demotape aufgenommen, doch dieses Mal fanden die Aufnahmen in einem Tonstudio statt und werden noch professionell nachbereitet.

Die Melodien seiner Songs steuern jeweils Künstler aus seinem Bekanntenkreis bei, die Texte kommen alle von ihm. „Musik ist für mich ein Ventil“, sagt er. So verarbeitet er mit seinen Songs persönliche Alltagserfahrungen. So zum Beispiel seine rund einjährige Arbeitslosigkeit vor seinem neuen Job im Callcenter. Oder auch seine Behinderung. Durch seine Tetra­spastik ist der 31-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen. Vor einem Jahr entstand zu diesem Thema auch ein eigener Song. Unter dem Slogan „Bist du behindert?“ sensibilisierte der Rapper zusammen mit der Lebenshilfe Viersen für Barrierefreiheit, beziehungsweise für deren Fehlen, da Menschen mit eingeschränkter Mobilität im täglichen Leben noch vor vielen Herausforderungen stehen. Doch dieses Projekt soll vorerst eine Ausnahme bleiben. Denn CrazyB möchte nicht auf seine Behinderung reduziert werden. Die Leute sollen seine Songs nicht aufgrund seiner Behinderung, sondern anhand ihrer Qualität beurteilen.

Genau das ist auch sein Wunsch für die Enni-Nights. Als Künstler und nicht als Mensch mit Behinderung wahrgenommen zu werden. Trotz anfänglicher Unsicherheiten genießt er mittlerweile jeden Auftritt und freut sich, vor großem Publikum zu stehen und andere Künstler kennenzulernen. Sei größter Traum ist es, irgendwann einmal Vorband seines Idols Samy Deluxe sein zu dürfen.

Einmal durfte er den Hamburger bereits persönlich treffen. Doch bis es zur Erfüllung dieses Wunsches kommt, freut sich CrazyB über jede Chance, seine Botschaften mit einem großen Publikum wie bei den Enni-Nights im Herbst zu teilen. Dank seiner bis dahin fertiggestellten CD dann auch mit viel neuem Material im Gepäck.

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