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Xanten: Sturmtief Friederike sorgt für heftigen Wirbel

Xanten : Sturmtief Friederike sorgt für heftigen Wirbel

Feuerwehren mussten Hunderte von Bäumen entfernen. Rheinberg sperrte die City. In Xanten wurde das Dach einer Sporthalle abgedeckt.

Friederike gab alles. Nur wenige Stunden, dafür aber mit Schmackes und gründlich fegte das Sturmtief gestern über den Niederrhein und richtete auch in Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten beträchtlichen Schaden an. Die Feuerwehren, Mitarbeiter der Bauhöfe und die Polizei waren bis zum Abend im Dauereinsatz - und das auf den Tag genau elf Jahre nach dem verheerenden Sturm "Kyrill".

In Rheinberg gab es erhebliche Schäden durch umgestürzte Bäume - etwa an der Goldstraße, an der Rheinstraße oder in Borth. Auf einem Spielplatz in Alpsray kippte eine hohe Tanne, die längst hätte gefällt werden sollen, in den Garten eines Hauses am Asternweg. Herabfallende Dachziegel, Fassadenverkleidungen und Fenster landeten auf Gehwegen und Straßen. Besonders heikel war die Lage am 56 Meter hohen Underbergturm, wo eine Reihe der Metallrahmenfenster aufschlugen, die Scheiben zerbarsten und herabzustürzen drohten. An der Ecke Underbergstraße/Kamper Straße wurde das Dach eines Wohnhauses teilweise abgedeckt, ein Auto wurde beschädigt.

 Der große Baum an der Xantener Straße zwischen Rheinberg und Ossenberg nahe Solvay hielt dem Sturm nicht stand.
Der große Baum an der Xantener Straße zwischen Rheinberg und Ossenberg nahe Solvay hielt dem Sturm nicht stand. Foto: Erwin Kohl
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Alle Friedhöfe in Rheinberg wurden gesperrt. Bei Solvay kippte ein riesiger Baum auf die Xantener Straße, die Feuerwehr musste sägen. Wehrleiter Sebastian Schriewer und rund 80 seiner Leute hatten bei rund 90 Einsätzen bis in die Abendstunden hinein alle Hände voll zu tun, um Straßen wieder befahrbar zu machen und unzählige umgeknickte Bäume und sonstige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Alle Löschzüge waren unterwegs. An der Grundschule in Millingen wird auch morgen kein Unterricht stattfinden. Umgestürzte Bäume blockieren den Schulhof.

Da RWE teilte mit, dass niederrheinweit rund 50.000 Einwohner zeitweilig ohne Strom waren. 70 Westnetz-Mitarbeiter und beauftragte Firmen waren an 150 Stellen im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen konnten die Einsatzkräfte noch nicht überall dafür sorgen, dass der Strom wieder fließt. Aber bis zum Nachmittag waren 43.000 Betroffene schon wieder am Netz. Auf der Bahnstrecke Xanten - Duisburg stellte die Nordwestbahn den Betrieb ein. Bis abends fuhr hier nichts mehr, auch kein Ersatzbus.

 In Xanten fegte der Orkan das Dach von der Sporthalle des SV Vynen-Marienbaum.
In Xanten fegte der Orkan das Dach von der Sporthalle des SV Vynen-Marienbaum. Foto: Heinz Kühnen

60 Kräfte aller drei Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr in Alpen, wo der neue Bezirkspolizist Andreas Mötter seine Feuertaufe erlebte, waren bis zum Einbruch der Dunkelheit im Dauereinsatz. Die Einsatzleitstelle im Gerätehaus auf dem Willy-Brandt-Platz sorgte dafür, dass insgesamt 41 Baustellen systematisch abgearbeitet werden konnten. Die Kreissägen liefen heiß, um Bäume von den Straßen zu räumen. In Alpen-Ort wurden drei Autos unter umgestürzten Bäume begraben, an der Römerstraße in Drüpt flogen Funken, nachdem die Stromleitung gerissen war. Auch an der Thorenstraße in Veen und am Flughafenweg auf der Bönninghardt legten Bäume die Stromleitung lahm.

Die zuletzt wegen eines vermeintlichen Defekts heftig diskutierte Ampelanlage B 58/Rathausstraße stellt gestern Morgen ihren Dienst wie andere Signalanalgen in Xanten und Sonsbeck komplett ein. Feuerwehrchef Michael Hartjes warnte davor, in den nächsten Tagen einen Waldspaziergang zu unternehmen: "Das wäre viel zu gefährlich." Seiner Mannschaft servierte das DRK am Nachmittag eine Gulaschsuppe.

 An der Kamper Straße fielen Teile eines Hausdachs auf dieses Auto.
An der Kamper Straße fielen Teile eines Hausdachs auf dieses Auto. Foto: Fischer Armin

In Sonsbeck musste die Gelderner Straße wegen abgeknickter Bäume länger gesperrt werden. Auch die Hochstraße war eine Zeit lang gesperrt, da zwei gegenüberliegende Bäume umgestürzt waren. An der Reichswaldstraße und am Strohweg sorgten herabgerissene Stromleitungen für Sperrungen. Sonsbeck und Labbeck waren vorübergehend ohne Strom. 40 Wehrleute waren bei 35 Einsätzen dabei.

 Der DLB sperrte die gesamte Rheinberger Innenstadt ab.
Der DLB sperrte die gesamte Rheinberger Innenstadt ab. Foto: Fischer Armin

Xanten war zwischen der Straße Niederbruch und Wardt eine Stunde lang ohne Strom. Betroffen war auch die Feuerwehrwache, die über ein Notstromaggregat versorgt werden musste. Die meisten der 70 Einsatzkräfte waren ohnehin draußen im Einsatz. Den größten Schaden richtete der Sturm auf dem Gelände des SV Vynen-Marienbaum an. Hier blies der Orkan eine Hälfte des Dachs der Sporthalle herunter, die andere Hälfte klappte um und muss ebenso entsorgt werden. DBX-Leiter Harald Rodiek schätzt den Schaden auf über 60.000 Euro. Kleinere Schäden richtete Friederike an den anderen Sporthallen sowie am Gesamtschulgebäude an. Die Awo-Kita an der Heinrich-Lensing-Straße wurde evakuiert, weil die Photovoltaik-Anlage vom Dach zu stürzen drohte. Die Kinder wurden in der benachbarten Viktor-Grundschule betreut. In Birten fielen mehrere Bäume in eine Stromleitung. Ein Mast qualmte. In der Nähe stürzte ein Baum in ein Hausdach. Das Haus blieb bewohnbar. Wegen herabfallender Äste und umgestürzter Bäume wurden die Wanderwege um Nord- und Südsee gesperrt.

 Am Underbergturm flogen die Metallfenster auf und drohten herabzustürzen. Um das 56 Meter hohe Gebäude wurde alles abgesperrt.
Am Underbergturm flogen die Metallfenster auf und drohten herabzustürzen. Um das 56 Meter hohe Gebäude wurde alles abgesperrt. Foto: Armin Fischer

Rheinbergs Innenstadt war über Stunden wie ausgestorben. Kehrseite des Schreckens: Wer's zum Bäcker wagte, bekam an der Theke zum Brötchen ein Teilchen geschenkt. Eine kluge Entscheidung und eine schöne Geste dazu.

(RP)