Sonsbeck: Telekom sucht wochenlang Fehler für defekten Telefonanschluss

Sonsbecker warten seit Wochen auf Telefonanschluss : Telekom steht auf der Leitung

Familie Pieper kann nicht mehr telefonieren. Die Telekom sucht und sucht, findet aber den Fehler nicht.

Wer schon einmal Probleme mit seinem Festnetz-Anschluss hatte und die Hotline 0800 3301000 bei der Telekom angerufen hat, der kennt das Spiel: Ein Band geht an, eine durchaus freundliche Männerstimme fragt, ob es sich um ein Anliegen rund um den Anschluss handelt, von dem aus man gerade anruft, ansonsten möge man doch bitte die Nummer eingeben oder nennen, um die es geht. Gesagt, getan. „Für diesen Anschluss liegt eine Störungsmeldung vor. Um die Störung zu beheben, benötigen wir Ihre Hilfe“, erklärt die freundliche Männerstimme – um dann mitzuteilen, dass die Wartezeit bis zu 45 Minuten betragen kann, man aber gerne zurückgerufen wird unter der Nummer, von der man gerade anruft. „Nutzen Sie doch die Zeit für andere Dinge, wir rufen Sie so schnell wie möglich zurück“.

Theo Pieper kann diese Ansage mittlerweile auswendig. Mindestens 24 Mal hat er von seinem Handy aus die Nummer der Störungsstelle bei der Telekom angerufen, das erste Mal am 11. September. Denn seit dem Tag können seine betagten Eltern, die im Erdgeschoss des gemeinsamen Hauses leben, nicht mehr telefonieren. Das Freizeichen geht durch, die Leitung scheint in Ordnung – ist sie aber nicht: Bis heute haben es Techniker, die drei Mal draußen bei den Piepers waren, nicht geschafft, die Störung zu beheben. Einmal machte sich einer draußen an der Leitung zu schaffen, um festzustellen, dass da kein Saft ankomme, weil eine Faser am Außenanschluss oben am Giebel des Hauses abgebrochen sei; er werde einen Bautrupp aktivieren. Der kam dann auch am 18. September, stellte im Hauptverteiler (Multiplexer) eine Störung fest, reparierte das Kabel. „Betriebsbereit korrigiert“, so steht es laut Auskunft eines Mitarbeiters in der Störungsstelle in dem Arbeitsnachweis an den Auftraggeber, die Telekom.

Das Telefon oben bei Theo Pieper funktionierte seitdem auch wieder, aber unten bei seinen Eltern tat sich trotzdem nichts.  Theo Pieper holte wieder sein Handy aus der Tasche, die Nummer der Störungsstelle konnte er inzwischen ja schon herunter beten. „Die haben mich immer von Hü nach Hott geschickt“. Zweimal habe sich seine Frau extra an zwei Freitagen mittags frei genommen, weil es hieß, es käme jemand – aber Fehlanzeige. Der nächste Techniker, der irgendwann kam, sagte, „die Telekom muss umschalten“, packte seine Sachen und verließ den Hof der Piepers. Das letzte Mal war ein Techniker am Mittwoch dieser Woche da. „Er hat hinter die Eckbank in der Küche geschaut und gesagt, da muss ein neuer Kasten hin“, so Wilhelm Pieper. Angeblich soll in zwei bis drei Tagen alles wieder in Ordnung sein – aber daran glaubt der 91-jährige Wilhelm Pieper nicht.

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„Haben die denn kein Handy?“, wunderte sich am Freitag die Kundenberaterin, die sich auf Bitte unserer Zeitung in ihrem PC über den „Fall Pieper“ informierte. Nein, haben Wilhelm und Käthe (89) nicht – aber einen Festnetzanschluss, für den sie auch jeden Monat brav bezahlen und der seit mehr als sieben Wochen nicht funktioniert. Und im Notfall könnten sie noch nicht einmal kurz zu einem Nachbarn rübergehen und um Hilfe bitten – ihr Haus steht in der Sonsbecker Schweiz, der nächste Nachbar wohnt 300 Meter entfernt und ist im Übrigen auch berufstätig und nicht ständig zu Hause.

Journalistische Hartnäckigkeit zahlt sich aber aus: Die Kundenberaterin bei der Telekom verband Freitagmittag mit Kevin Meyer von der Auftragskläung bei der Telekom. Und der sicherte zu: „Am Montag zwischen acht und zwölf Uhr kommt ein Techniker. Ich mache noch einen Vermerk, dass es dringlich ist“. Ist es!

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