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Niederrhein: Bahn startklar für Betuwe-Ausbau

Niederrhein : Bahn startklar für Betuwe-Ausbau

DB wartet auf Baurecht. Differenzen mit den Feuerwehren übers Sicherheitskonzept noch nicht beigelegt.

Die Deutsche Bahn AG steht für den Ausbau der Betuwe-Linie zwischen Oberhausen und Emmerich in den Startlöchern. Wenn die Bahn für den ersten Abschnitt in Oberhausen wie erwartet noch in 2015 Baurecht durch das Eisenbahnbundesamt bekomme, dann könne die erste Baumaßnahme an der Strecke im nächsten Jahr beginnen, sagte Projektleiter Stefan Ventzke gestern.

Längst laufen auf der 73 Kilometer langen Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen Vorarbeiten. Die Bahnstrecke schließt an die niederländische Güterstrecke "Betuwe-Linie" zum Hafen nach Rotterdam an. Durch den Ausbau soll unter anderem die Kapazität der Strecke erhöht werden.

Auf 46 Kilometern wird ein drittes Gleis neu gebaut, auf 23 Kilometern erfolgt ein Streckenumbau. 55 Bahnübergänge werden beseitigt und durch 38 neue Bauwerke - Brücken und Unterführungen - ersetzt. Das Warten vor geschlossenen Bahnschranken soll damit künftig der Vergangenheit angehören. Elf Bahnhöfe und Haltepunkte werden zudem umgebaut. Die Baukosten liegen derzeit bei rund 1,5 Milliarden Euro.

Differenzen gibt es an der Strecke weiterhin zwischen der Bahn und den Feuerwehren der Anliegerkommunen. Das wurde gestern im Emmericher PAN Kunstforum deutlich, in dem die Bahn einen Zwischenstand des Riesen-Projektes gab. Dabei gibt es für die Städte entlang der Güterverkehrsstrecke noch Hoffnung.

Denn läuft alles nach Plan, wird es noch vor Ostern im Berliner Büro von Bahnchef Rüdiger Grube ein hochinteressantes Gespräch geben. Zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss (CDU, Dinslaken), Dr. Ulrich Krüger (SPD, Voerde) und Dirk Vöpel (SPD, Oberhausen) will Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD, Kleve) dem Bahnchef deutlich machen, dass die Bevölkerung zwischen Emmerich und Oberhausen den Ausbau der Betuwe-Linie nur dann akzeptiere, wenn das von den Feuerwehren entlang der Strecke erarbeitete Sicherheitskonzept auch verwirklicht werde.

40 Millionen Euro würde die Umsetzung des Konzeptes kosten. Darin enthalten sind beispielsweise Forderungen, dass die Bahn in einem Abstand von 200 Metern Hydranten installieren und alle Lärmschutzwände mit breiten Türen ausstatten müsste, um im Ernstfall den Feuerwehren die schwierige Arbeit zu erleichtern.

Auf dieses Vorgehen haben sich Hendricks, Weiss und Dr. Krüger gestern im Weseler Rathaus zum Ende eines gut einstündigen Gesprächs mit Verwaltungsleuten, Bürgerinitiativen und Vertretern der Feuerwehren geeinigt. Bislang sieht die Bahn übrigens vor, nur alle 1000 Meter Türen einzubauen. "Wir wollen den Dialog mit den Feuerwehren, Kommunen, Bürgern und Politikern weiter aufrechterhalten", sagte Projektleiter Stefan Ventzke. Er versprach zudem, dass es durch die neuen Schallschutzwände "deutlich leiser entlang der Strecke" werden wird. Durch den Ausbau würde "die Qualität des gesamten Schienenverkehrs der Region, auch des Nah- und Fernverkehrs, langfristig gesteigert und die wirtschaftliche Bedeutung des Ruhrgebiets gestärkt werden", hieß es bei der Vorstellung des Projektes.

In Wesel soll den Fahrgästen durch eine Erhöhung der Bahnsteige ein bequemerer Einstieg in den Zug ermöglicht werden. Im Rahmen des dreigleisigen Ausbaus ist zudem eine Modernisierung des Bahnhofs Dinslaken geplant. Ein neuer Mittelbahnsteig soll entstehen, der über Treppen und einen Aufzug angeschlossen wird.

Die Bahn teilte darüber hinaus mit, dass es in den Städten entlang der Strecke bislang rund 7000 Einwendungen von Bürgern und in etwa 400 von "Trägern öffentlicher Belange" gegen den geplanten Ausbau der Betuwe-Linie gab. Die meisten Einwendungen zählte die Bahn mit 2400 in Wesel. Am häufigsten forderten die Bürger insgesamt "mehr Lärmschutz" (45 Prozent), zehn Prozent setzten sich für "mehr Streckensicherheit" ein. Projektleiter Stefan Ventzke sagte: "Die Zahl der Einwendungen befindet sich im zu erwartenden Rahmen."

Die Ausbaustrecke Emmerich-Oberhausen stellt in direktem Anschluss an die Betuwe-Linie die Verbindung zwischen den niederländischen Nordseehäfen und dem westlichen Ruhrgebiet her. Durch den stetig wachsenden Güter- und Personenverkehr hat die zweigleisige Strecke ihre Leistungsgrenze erreicht, weswegen die Streckenkapazität durch den Ausbau erweitert und betriebliche Abläufe optimiert werden sollen.

Bis zum Jahr 2030 rechnet die Bahn voraussichtlich mit einem Anstieg der Anzahl der Fahrgäste um bis zu 6,5 Prozent.

(RP)