Wermelskirchen: Supermärkte wollen weg vom Einweg-Plastik

Lebensmittelhandel in Wermelskirchen : Märkte wollen weg vom Einweg-Plastik

Um die Umwelt zu schützen, wollen immer mehr Supermärkte in Wermelskirchen Plastik-Artikel wie dünne Obst-Tüten aus ihrem Sortiment streichen. Für Verbraucher gibt es viele Alternativen – doch noch werden nicht alle angenommen.

Die Plastiktüte im Supermarkt ist ein Auslaufmodell – auch in Lebensmittelgeschäften in Wermelskirchen. Immer mehr Märkte wollen umweltschädliche Einweg-Tüten aus ihrem Sortiment streichen und Alternativen anbieten. Vor wenigen Tagen hat der Discounter Aldi angekündigt, in all seinen Filialen ab diesen Sommer für jede der sogenannten Hemdchenbeutel einen Cent zu verlangen. Die dünnen Beutel gibt es in der Obst- und Gemüseabteilung. In Wermelskirchen beschreiten andere Supermärkte ähnliche Wege oder verzichten in Teilen bereits seit Monaten auf Kunststoff-Tüten.

Der Wermelskirchener Edeka-Betreiber Rolf Harbring kann in Bezug auf die dünnen Plastikbeutel für Obst und Gemüse berichten, dass immer mehr Kunden auf Mehrweg-Netze umsteigen, die es im Fünferpack zu 3,99 Euro in seinem Laden gibt. „Die Netze werden inzwischen gut angenommen, auch wenn es ein paar Monate gedauert hat“, sagt Harbring. Dennoch bietet er in seinen Geschäften nach wie vor die „klassischen“ Obstbeutel aus Plastik an, ohne dafür Geld zu verlangen. „Allerdings werden die Netze die Einweg-Beutel bald ersetzen“, kündigt er an. Gleichwohl spricht Harbing von „technologischen Herausforderungen“, denn für den Komplett-Verzicht auf Einweg-Tüten für Obst und Gemüse müsse er in seinen Geschäften ein neues Waagensystem installieren.

Zum Schutz der Umwelt bieten viele Supermärkte inzwischen alternativ Mehrweg-Netze an, in die sich Obst, Gemüse sowie Brötchen und andere Dinge verstauen lassen. Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Einweg-Tüte steht seit einigen Monaten scharf in der Kritik – ebenso wie die dicken Kunststoff-Tragetaschen, die es noch immer in vielen Supermärkten an den Kassen zu kaufen gibt. Die Märkte der Gesellschaft „Rewe Dortmund“ etwa, zu der auch der Markt in Wermelskirchen zählt, verbannt die dicken Plastiktüten seit Sommer 2016 komplett aus seinem Sortiment und bietet stattdessen unter anderem Kartons und Papiertaschen an.

Für die Edeka-Märkte in Wermelskirchen gilt das gleiche, wenn dort auch noch Tragetaschen aus recycletem Kunststoff angeboten werden, die jedoch von Umweltschützern kritisiert werden. Die Diskussion um die Vermeidung von Plastik in Supermärkten sieht Rolf Harbring insgesamt kritisch: Einerseits würde hitzig darüber debattiert, wie ultra-leichte Plastiktüten aus dem Sortiment verbannt werden könnten, andererseits kauften Kunden Pralinen in Metallschachteln und wenige Gramm Joghurt aufgeteilt auf bis zu acht Plastik-Becher. „Kunden erwarten, dass sich Lebensmittel lange halten, dafür braucht es eben vernünftige Verpackungen“, sagt er. Allerdings: Die beinahe wöchentlichen Änderungen in Bezug auf Plastik-Produkte in seinen Märkten trägt er mit – so können sich Kunden in seinen Märkten auch Produkte wie Wurst und Käse von der Theke direkt in mitgebrachte Behältnisse füllen lassen. „Das wird aber noch nicht gut angenommen, das nutzen vielleicht drei Kunden am Tag“, sagt der Unternehmer.

Eine Gemeinsamkeit der großen Supermärkte in Wermelskirchen: Sie wollen in den nächsten Monaten ihren Bestand an Einweg-Plastikgeschirr abverkaufen. Bei Rewe ist das bis Ende des Jahres vorgesehen. „Darunter fallen alle Einweg-Teller, -Becher, -Schalen und -Besteck aus Plastik, von denen jährlich insgesamt 146 Millionen Stück innerhalb der Rewe Group verkauft werden“, sagt Unternehmenssprecherin Annika Amshove. Edeka verkauft laut Rolf Harbing nur noch Restbestände. „Wir werden unseren Kunden Alternativen bieten“, sagt er und nennt mit Blick auf Obst- und Salatbecher ein Beispiel: Bisher können Kunden zu ihrem Becher in Folie eingeschweißtes Einweg-Plastikbesteck für zehn Cent kaufen. „Das wird es so demnächst nicht mehr geben.“ Stattdessen sollen Kunden ein Mehrweg-Besteckset kaufen können, das sie – um es mehrmals verwenden zu können – allerdings spülen müssen. Ob die Kunden das wirklich tun oder Besteck auf Bequemlichkeit doch lieber direkt entsorgen, ist fraglich. Fest steht: Um Plastikmüll tatsächlich vermeiden zu können, müssen sich Verbraucher umstellen und bereit sein, neue Wege zu gehen.

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