Wermelskirchen: So probt der Chor des Gymnasiums für das große Konzert

Probenbesuch am Gymnasium Wermelskirchen : Wenn Schüler Lust aufs Singen haben

Der Chor des Gymnasiums probt für das große Abschlusskonzert. Zum ersten Mal wagen sich die jungen Sänger auch an Solo-Auftritte. Besucher erwartet eine „Chartshow“ der besonderen Art.

Ein paar Töne auf der Klaviertastatur reichen schon. Es geht ein Raunen durch den Raum. „Jetzt kommt das Tierkonzert“, stellt Jana fest und blättert in ihren Noten. Während Musiklehrerin Silke Vogel weiter die Melodie anspielt, stimmen die ersten Schüler mit ein. Sie singen das Stück in seiner Originalsprache: Italienisch. Und selten hat sich ein „Kuckuck“ und ein „Wau“ so melodisch angehört, wie im Musikunterricht der Q1 am Freitagvormittag.

Seit einem halben Jahr proben die Schüler des Musikkurses mit Silke Vogel für ihr großes Abschlusskonzert. Und das italienische Tierkonzert gehört zu den Glanzpunkten des Programms, das sie am 2. Juli auf die Bühne im Pädagogischen Zentrum der Schule bringen. Entsprechend konzentriert sind die Schüler, als Silke Vogel dann den Einsatz gibt. Stimmen und Melodien legen sich übereinander. Erst scheint es noch, als würden sich die Tiere mit ihren Lauten nicht recht verstehen wollen, aber beim zweiten Versuch, verrutscht kein „Kuckuck“ mehr und pünktlich zu dem kräftigen „Fallalalalala“ sind wieder alle Stimmen beieinander. „Das Lied habe ich damals schon im Musikunterricht bei Herrn Technau gelernt“, erzählt Silke Vogel, „und es hat mich nie mehr losgelassen.“ Nun übt sie es also mit ihren eigenen Schülern ein.

„Für das neue Konzert wollte ich das Repertoire gerne noch etwas erweitern“, sagt die Musiklehrerin. Also hat sie sich mit ihren Schülern nach dem Weihnachtskonzert in der Stadtkirche an einen Tisch gesetzt und das Konzept für die „Chartshow“ aufs Papier gebracht: Sie selbst hat Stücke aus dem 15. und 16. Jahrhundert ins Spiel gebracht, Melodien aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Die Schüler haben diese kleine musikalische Hürde genommen und bringen während der Proben auch „Alta Trinita Beata“ zum Klingen – Musik aus dem 15. Jahrhundert. Aber auch ihre eigenen Melodien durften die Schüler zur Diskussion stellen und so haben es viele Lieder aus den 1960er und 1970er Jahren in das Konzertprogramm geschafft, Stücke aus den 1990ern und aktuelle Hits von Pink und Avril Lavigne.

„Zum ersten Mal wagen sich die Schüler bei diesem Konzert auch an Soloauftritte“, erklärte die Musiklehrerin mit leisem Stolz. Die Jugendlichen hätten einfach Lust am Singen. „Sie wollen auf die Bühne und sie wollen singen“, sagt Silke Vogel. Und das ist den Jugendlichen – in deren Reihen sich nur ein junger Mann findet – auch bei der Probe ins Gesicht geschrieben. Sie wechseln immer mal wieder ihren Platz und damit die Stimme – je nachdem, wo sie sich in dem jeweiligen Stück am wohlsten fühlen. Die Melodien haben inzwischen das 20. Jahrhundert erreicht und Silke Vogel stimmt Elvis Presley an: „Can‘t Help Falling In Love“. Die Schüler machen das Stück zu ihrem Stück. Ein kraftvolles, gefühlvolles Solo folgt auf das nächste und dann stimmt der Chor ein. Und die Schüler setzen darauf, dass nicht nur ihnen in diesem Moment ein kleiner Schauer über den Rücken läuft, wenn der Chor den Solisten Raum gibt, um sich richtig zu entfalten und für ein ungewöhnliches Klangvolumen sorgt.

Zu ihren Liedern haben die jungen Sänger Entstehungsgeschichten, musikalische Theorie und Informationen über die Komponisten gesammelt. „Ich weiß nicht, was dabei herausgekommen ist“, sagt Silke Vogel und schmunzelt. Aber gemeinsam mit den Liedern werden die engagierten Schüler ihre Ergebnisse erst beim Konzert präsentieren. Und die Musiklehrerin verlässt sich auf die Jugendlichen – nicht ohne Grund.

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