Wermelskirchen: Die unerträgliche Leichtigkeit des Neins

Comedy, Rap und Poetry in Wermelskirchen : Die unerträgliche Leichtigkeit des Neins

Mehr als 200 Besucher saßen in der gut gefüllten kleinen Halle der Katt, als Quichotte mit seinem neuen Programm auftrat.

Au weia. Da nennt sich einer „Quichotte“ und beschreibt sein künstlerisches Schaffen als Mixtur aus Stand-Up-Comedy, Poetry-Slam und Rap. Passt das auf die Bühne der Kattwinkelschen Fabrik mit ihrem vermeintlich „gesetzten, kulturbeflissenen“ Publikum? Es passt! Mehr als 200 Besucher saßen in der gut gefüllten kleinen Halle der Katt, als Quichotte mit seinem neuen Programm „Die unerträgliche Leichtigkeit des Neins“ auftrat. Und das Publikum saß nicht nur da, sondern applaudierte kräftig, ging emsig auf die Interaktionen des Künstlers mit den Zuschauern ein und beschrieb in der Pause sogar bereitgelegte Zettel mit je einem Wort, aus denen Quichotte in der „zweiten Halbzeit“ einen Spontan-Rap-Song bastelte.

Auf diesen Zetteln tauchten Begriffe wie Mokkastübchen, Brexit, Fußbad, Knabenfußball, Eisregen oder auch „Razupaltuff“ auf. Letzteres stammt aus den „Känguruh-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling und benutzt das Känguruh in der Hauptrolle stets, wenn es „veräppelt“ wurde. Nach dem aus diesen Worten „gestrickten“ Rap erntete Quichotte tosender Applaus. Mit seiner Mixtur aus Comedy, Rap-Musik und Poetry erschafft der Akteur eine frische und moderne Kunstform, die ihm auf den Leib geschneidert zu sein scheint – nicht umsonst wurde sein erstes Programm mehrfach mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnet. Dabei ist Quichotte, der mit bürgerlichem Namen Jonas Klee heißt, in Köln lebt, aus einem kleinen Dorf bei Lindlar stammt, Mitte 30 und zweifacher Vater ist, nur oberflächlich ein „junger Wilder“ - er ist eher ein jung gebliebener Erwachsener, der sich humorvoll an Kleinigkeiten des Alltags aufreibt und genauso mit existentiellen Fragen nach Haltung beschäftigt. Kapitalismus ist seine Sache nicht, daraus macht er keinen Hehl, denn dieser ist ihm viel zu dominierend: „Viele Themen haben materiellen Unterbauch“, und manch ein Reicher würde sich demokratische Entscheidungen kaufen. Quichotte ruft seinem Publikum entgegen: „Große Begriffe wie Nation, Volk, Land sind abstrakt und lassen sich kaum mit Sinn füllen. Schaut doch mal um die Ecke, dahin, wo Integration funktioniert.“ Charmant und voller Selbstironie kokettiert Quichotte mit seinen Themen, seiner Person und seinem Publikum. Da ist einer eigenständig, gewitzt, intelligent, musikalisch und frech, aber nie boshaft und böse sein kann ihm keiner lange. „Wild“ wird es dann doch einmal, als Quichotte davon erzählt, dass er beim Wildpinkeln in Köln erwischt wurde: „Das gibt’s bei uns auf dem Land nicht. Ich dachte immer, dass Wildpinkeln wäre, wenn man dabei umherschleudert und herumschreit.“

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