Wermelskirchen: So zerlegt "Birth Control" mit Hardrock das Haus Eifgen

Konzert von „Birth Control“ : Kauziger Hardrock zerlegt das Haus Eifgen

„Birth Control“ bewies am Freitagabend, dass sie auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Gründung nichts von ihrem kauzigen Hardrock-Charme verloren haben.

Waren im Haus Eifgen sonst sehr oft Newcomer zu Gast, stand der Freitagabend diesmal ganz im Zeichen einer echten Legende. Die Kraut-Rock-Gründerväter „Birth Control“, die bereits im Jahr 1966 von TV-Urgestein Hugo-Egon Balder mitbegründet wurden, zeigten eindrucksvoll, dass sie auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung nichts von ihrem kauzigen Hardrock-Charme verloren haben.

Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass die Besetzung, die das Haus Eifgen nach allen Regeln der Hardrock-Kunst zerlegte, mit der Ur-Besetzung nichts mehr zu tun hatte. Aber auch das muss erwähnt werden: Die Inkarnation der Kraut-Rock-Legende, die da vor rund 200 Besuchern wie ein hungriger Newcomer beim ersten Auftritt abrockte, hatte es definitiv in sich.

Sänger Peter Föller, der genau wie Schlagzeuger Manfred von Bohr bereits in den 1970er Jahren bei „Birth Control“ spielte, sah mit seiner langen, weißen Matte und dem bunten Hemd wie eine Mischung aus Gandalf und Uli Jon Roth aus, sang aber wie ein junger (Hardrock-)Gott. Gitarrist Martin Ettrich, seit 2011 im Boot, solierte wie eine Mischung aus Jimmy Page und Ritchie Blackmore und duellierte sich hingebungsvoll mit Organist Sascha Kühn, während Bassist Hannes Vesper gemeinsam mit von Bohr den Hardrock-Laden souverän zusammenhielt. Das klappte bei älteren Band-Klassikern, wie dem auf über zehn Minuten ausgedehnten „Titanic“ genauso gut, wie bei neuerem Material, wie dem galoppierenden „Wasting My Time“ oder dem fast schon beschwingten „Lost In The Sea“ von der aktuellen CD „Here And Now“.

Da es sich ja nun um ein waschechtes Hardrock-Konzert handelte – die Genre-Bezeichnung Kraut-Rock dürfte sich die Band eher wegen gewisser kauziger Momente, denn mangelnder musikalischer Härte verdient haben – war die Lautstärke im Haus Eifgen eine ganz andere, als gewohnt. Es rumste und krachte aus der PA, die aber auf die Räumlichkeiten hervorragend abgestimmt war und dem Publikum einen lauten, aber nie zu lauten sowie differenzierten Klanggenuss bescherte. Großes Lob an den Soundmixer, der hier wirklich großartige Arbeit geleistet hat. Schließlich ist das Haus Eifgen alles andere als ein unkomplizierter Konzertraum. Sogar beim ausufernden – dabei aber alles andere als langweiligen – Schlagzeugsolo von von Bohr konnte man jedes Tom und jeden Beckenschlag perfekt heraushören.

Auch wenn ausnahmslos jeder Song, den das Quintett präsentierte, für sich genommen als kleineres oder auch größeres Hardrock-Juwel durchging, wartete das Publikum dann aber doch nur auf diesen einen Song. Jenes Lied, das einst trotz einer Spieldauer von knapp zehn Minuten den Ruhm der Band begründete, und das heute in einer stolzen 27-Minuten-Version für begeisterten Applaus und Jubel im Publikum sorgte: „Gamma Ray“. Wenn man bei einem so langen Song Senioren im Rollstuhl neben Mittzwanzigern zum enorm eingängigen Refrain und den ausufernden Soloparts gleichermaßen mit- und abgehen sah, war einem klar, dass hier gerade etwas absolut Außergewöhnliches vor sich ging. Da kam einem schnell die Redewendung „Legenden sterben nie“ in den Sinn. Nun, im Falle dieser ganz speziellen Legende ist da zumindest eine ganze Menge dran.

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