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Wermelskirchen: Manfred Bartos ist neuer Leiter der Erziehungsberatung

Familien in Wermelskirchen : Manfred Bartos steuert die Erziehungsberatung

Manfred Bartos bezeichnet die Jugendhilfe als „sein Ding“ und ist mit seinem Arbeitsplatz vertraut. Seit Juli 2018 gehört er zum Team an der Jahnstraße. Die Pandemie und deren Auswirkungen beobachtet der neue Leiter mit Sorge, Corona belaste die täglich nötige Arbeit.

Häufig sind es normale Reaktionen auf nicht normale Ereignisse, die erkannt, eingeordnet und bewältigt werden müssen. Manfred Bartos kennt die Aufgaben seines Teams aus langjähriger Berufserfahrung genau. Genauso ist dem neuen Leiter der Wermelskirchener Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – vormals als Psychologische Beratungsstelle bekannt – sein Arbeitsplatz vertraut. Seit Juli 2018 gehört der 57-Jährige, der die städtische Einrichtung kurz „Familien-“ oder „Erziehungsberatungsstelle“ nennt, zum Team mit Sitz an der Jahnstraße. Zum Jahresbeginn übernahm er die Leitung von Birgit Ludwig-Schieffers, die in den Ruhestand gegangen ist. „Mein wichtiges Ziel ist es, zu bewahren, was wir haben: Die Beratungsstelle ist in der hiesigen Landschaft der Jugendhilfe fest verankert, steht auf einer gewachsenen Entwicklung und hat eine verlässliche Struktur.“ Den Ausbau einer noch intensiveren Vernetzung mit anderen Einrichtungen könne er sich gut vorstellen.

„Jugendhilfe ist mein Ding“, sagt Manfred Bartos, dessen Vita zu seiner Funktion passt: „Das ist so was von ein roter Faden, der sich seit meinem Abschluss an der Universität Trier 1992 durchzieht.“ Vor seinem Wechsel nach Wermelskirchen leitete Bartos eine Beratungsstelle in Ratingen.

Dreieinhalb Vollzeitstellen bilden das Team der Erziehungsberatungsstelle, sagt Manfred Bartos: „Bei uns findet sich ein Sammelsurium aus unterschiedlichen Berufen mit verschiedenen therapeutischen Zusatzqualifikationen.“

Den niederschwelligen Zugang zur Beratungsstelle, ohne beispielsweise einen Antrag auf „Hilfe zur Erziehung“ stellen zu müssen, hält Manfred Bartos für deren stichhaltigsten Trumpf: „Meist kommen zuerst Eltern zu uns. Von freiwillig zu sprechen, ist schwierig, weil ein Leidensdruck in irgendeiner Form da ist.“ Seltener gebe es einen „Zwangskontext“ beispielsweise durch ein Familiengericht, das zur Beratung verdonnert. Gut die Hälfte aller Fälle, um die sich das Team an der Jahnstraße kümmert, sind Trennungen von Paaren mit minderjährigen Kindern: „Wir wollen dabei helfen den Spagat zu schaffen, trotz Trennung die einvernehmliche Kooperation der Eltern für und im Sinne des Kindes zu gewährleisten.“ Obendrein käme im Rahmen der Trennungs- und Scheidungs-Bearbeitung ein diagnostischer Auftrag hinzu. Denn, so beschreibt Manfred Bartos: „Eltern wollen wissen, ob ihre Trennung Spuren bei den Kindern hinterlassen hat.“

Vermeintlich leichte Fälle dürften nicht klein geredet werden, ist Manfred Bartos überzeugt: „Neulich kam eine Mutter zu uns, der ein Kinderarzt gesagt hatte, dass 95 Prozent aller Kinder von getrennten Eltern Schiffbruch erleiden würden. Das ist eine völlig unseriöse Aussage.“ Die Eltern hätten eh Schuldgefühle. Der Fokus müsste auf die jeweiligen Stärken gelenkt werden und nicht nur auf Defizite gerichtet sein. Beratungsbedarf könne durch kritische Lebensereignisse entstehen, beispielsweise durch den Verlust eines geliebten Menschen. „Dann können bei Jugendlichen normale, aber auffällige Reaktionen auf nicht normale Ereignisse entstehen. Die sind dann symptomatisch, aber nicht pathologisch. Das müssen wir einschätzen und einordnen“, erläutert der neue Leiter der Erziehungsberatungsstelle.

Eine Säule der Arbeit, die Manfred Bartos wichtig ist, liegt derzeit aufgrund der Corona-Pandemie brach. Das ist die Gruppen-Arbeit mit Selbsthilfe-Charakter für zum Beispiel Kinder aus Trennungsfamilien. Im Moment werde genauso per Video-Konferenz oder Telefon als auch von Angesicht zu Angesicht mit Hygienekonzept und Abstand beraten. „Unser Beruf lebt von Wahrnehmung von Mimik und Gestik. Corona belastet stark“, sagt Manfred Bartos.

Die Pandemie-Situation und deren Auswirkungen sieht Manfred Bartos durchaus mit Sorge: „Das ist diffus, weil es sich noch nicht verifizieren lässt.“ Und weiter: „Corona ist ein Brandbeschleuniger für angelegte psychische Probleme, die nicht durch die Pandemie verursacht, aber offengelegt werden.“ So könne eine fehlende Tagesstruktur kritische Zustände verschlimmern. Dennoch betont Manfred Bartos: „Ich sehe nicht schwarz. In der Regel haben Erwachsene und auch Kinder genug Kraft, um die Situation zu meistern.“ Nachvollziehbar wäre, dass eine isolierte alleinerziehende Mutter mit Sorge um den Arbeitsplatz, um eine Notbetreuung für ihr Kind während der Arbeitszeit und möglicherweise noch materiellen Nöten schwieriger der sichere Hafen für ihr Kind sein könne.

Im Rückblick auf 2020 wäre dem Team durch Gespräche und Nachfragen klar geworden, dass im ersten Lockdown viele Familien die Situation als entspannend und entschleunigend empfunden hätten. Dagegen hätte der zweite Lockdown, wohl auch durch die gleichzeitige dunkle Jahreszeit, eher negative Auswirkungen wie Zukunftsängste oder depressive Anzeichen, beobachtet Manfred Bartos: „Das drückt sich bisher nicht quantitativ in Fallzahlen, jedoch qualitativ aus.“