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Wermelskirchen: Illustratorin Sabine Rudersdorf fertigt kleine Kunstwerke an

Illustratorin aus Wermelskirchen : Ein niedliches Monster für alle Lebenslagen

Sabine Rudersdorf ist Illustratorin und kreiert neben ihren Auftragsarbeiten zauberhafte Kunstwerke, die für Schmunzler sorgen. In den kleinen grünen „Hunger-Monstern“ erkennen sich viele Menschen wieder. Auch den „Dellmann“ hat sie gemalt.

Wenn ihr der Magen knurrt, wird Sabine Rudersdorf unleidig. Da geht es ihr wie vielen anderen Menschen auch. Ihre Kinder Lenny (10) und Lucy (8) wissen das. „Und die sagen dann schon: ‚Mama, iss doch mal was’“, verrät die Illustratorin lachend. „Ich werde zum Monster, wenn ich hungrig bin.“ So entstand auch die Idee für ihre niedliche Zeichnung des „Hunger-Monsters“. Ein kleines, grünes, rundliches Monster, das Messer und Gabel in den Fäustchen hält und diese wütend in die Luft reckt. Das Pendant dazu ist ein blaues Monster, das die runden Augen unschuldig aufreißt. „Bin satt, bin wieder lieb“ hat Sabine Rudersorf verschnörkelt über die Zeichnung gesetzt, in der sich so mancher wiedererkennt. Und wer zu der Sorte Mensch gehört, der morgens erstmal einen Kaffee braucht, um den Tag über richtig zu funktionieren, wird beim Anblick des Kaffee-Monsters, das seine Schöpferin mit Espresso gemalt hat, sofort grinsen. Künftig wird das Monster die Becher von Kaffee Teufel zieren. Denn was aus einer Laune heraus entstand, ist zum Geschäftsmodell für die gelernte Grafikerin geworden, die Kunstdrucke und Postkarten ihrer Illustrationen verkauft.

„Wenn ich Hunger habe, werde ich zum Monster“, erklärt sie die Idee. Foto: Kathrin Kellermann

Neu im Programm ist der „Dellmann“, der „Bergische Bollerkopf mit Herz“, wie die 45-Jährige ihn getauft hat. Dass die Wermelskirchener sich selbst Dellmänner nennen, hat sie zum ersten Mal von ihrem Ehemann Martin Kretzer gehört. „Er ist hier geboren und wie viele Bergische sehr stur“, sagt sie lächelnd. Ein Bild von dem „Dellmann“ konnte sie sich aber nicht machen, „obwohl ich viel recherchiert und auch herumgefragt habe.“ Deshalb hat sie ihn gezeichnet: als Monster in Fuhrmannstracht, im Hintergrund die Stadtkirche, Haus Eifgen und die Bürgerhäuser. „Und da viele Kunden gefragt haben, ob es auch eine Karte mit den Gebäuden allein gibt, habe ich dafür noch den Bergischen Löwen und die Katt dazu gestellt.“

Niedlich und in Fuhrmannstracht – so stellt sie sich den Dellmann vor. Foto: Kathrin Kellermann

Die Corona-Krise hat sie erfinderisch gemacht. Zwangsläufig. „Ich war sonst bei Kunsthandwerkermärkten, wo ich auch vor Ort mit Tusche und Aquarellen gemalt habe. Aber dann kam Corona, alles wurde geschlossen und dann musste ich eben andere Wege gehen“, sagt Sabine Rudersdorf, die sich jetzt auch auf Auftragsarbeiten für verschiedene Anlässe spezialisiert hat. Handgemachte Illustrationen für Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen oder zur Geburt eines Babys: „Wenn ich ein Foto bekomme und mir die Leute ein wenig erzählen und damit Input geben, entsteht im Kopf schon die Idee für ein Bild.“ Ein Monster, das sich auf einer Liege verrenkt für die Verabschiedung einer Mitarbeiterin in einer Orthopädie-Praxis, Türschilder für den Kindergarten in Tente, eine besondere Glückwunschkarte zum Schulabschluss – Sabine Rudersdorf erschafft für jeden Anlass ein beeindruckendes Unikat. Auch für Tochter Lucy, die von Mama als Monster mit Zöpfen, Brille und Skateboard gemalt werden wollte. Dafür hat sie sogar extra eine eigene Skizze angefertigt.

Das Talent zum Malen haben beide Kinder von ihrer Mutter geerbt und „ich habe es von meinem Vater“, sagt die Künstlerin. „Als Kind habe ich ständig gemalt oder gebastelt und deshalb bin ich auch Grafikerin geworden.“ In den Agenturen, in denen sie gearbeitet hat, hat sie allerdings nur Skizzen auf Papier angefertigt, die eigentliche Arbeit mit Programmen am Computer erstellt. Das Malen ist damals fast in Vergessenheit geraten. Erst, als sie wieder gemeinsam mit ihren Kindern Wachs- und Buntstifte auspackte, „ist mir wieder aufgefallen, wie meditativ zeichnen ist und wie schnell die Zeit vergeht.“

Das erste Bild nach der langen Pause war ein Leuchtturm, erinnert sie sich. Dann kamen die Monster für alle Lebenslagen. „Für meine Schwester habe ich die beiden Monster gemalt, die sich innig in den Arm nehmen“, sagt Sabine Rudersorf. „Lieblingsmensch“ hat sie das Bild betitelt, das als Postkarte heute gern und oft an Freunde verschickt wird, um zu sagen: „Ich denke an dich.“ Auch Festkarten gibt sie neuen Pfiff: Ihr Weihnachtsmonster, das sich in Lichterketten verheddert hat und verwirrt dreinschaut, „ist ja tatsächlich sehr menschlich“, lacht sie. „Wem ist das denn noch nicht passiert beim Baumschmücken?“

Die Künstlerin mit Ehemann Martin und den Kindern Lenny und Lucy als Illustration und dahinter in real. Foto: Privat

Ohnehin müsse sie manchmal nur selbst in den Spiegel schauen oder andere beobachten, um Inspirationen für neue Monster zu bekommen. Die Reaktion der Menschen, die ihre Bilder und Postkarten sehen, zeigt ihr, dass sie mit vielen Motiven den Nagel auf den Kopf getroffen hat. „Auf den Märkten habe ich oft beobachtet, wie die Leute dann plötzlich lachen, oder sich anstupsen und sagen: ‚Guck mal, das könntest du sein’“, erzählt sie.

Aufgewachsen ist Sabine Rudersdorf im Westerwald, dann für den Job in diversen Agenturen nach Köln gezogen. Ihren späteren Ehemann hat sie beim „Rock am Ring“ Festival kennengelernt – und ist für ihn 2006 nach Tente gezogen. Der Umzug ins Bergische Land, „war erstmal nicht ganz leicht“, gesteht sie lachend. „Ich komme zwar selbst aus einem Dorf, aber ich habe Köln damals schrecklich vermisst. Heute ist es allerdings anders, da möchte ich das Landleben nicht mehr missen.“

Hier hat sie sich im Nebengebäude des Familienheims ein Mini-Atelier eingerichtet, in dem sie ihre Arbeiten anfertigt. Für die ersten Zeichnungen liegen aber auch im Haus stets Skizzenblöcke parat, um schnell eine Idee einfangen zu können. Die Kosten pro Auftragsarbeit richten sich nach dem Aufwand. „Das kann ich nicht pauschal benennen“, sagt sie. „Erst, wenn ich die ersten Skizzen fertig habe weiß ich, wie lange ich tatsächlich brauche, um dem Bild das richtige Leben einzuhauchen.“