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Im Rheinisch-Bergischen Kreis werden Menschen in der Krise von Fachleuten aus der Wirtschaft begleitet

Rheinisch-Bergischer Kreis : Wirtschaft wird nicht alleine gelassen

Vom Arbeitnehmer bis zum Firmenchef: Im Rheinisch-Bergischen Kreis werden Menschen in der Corona-Krise von Fachleuten aus der Wirtschaft mit Rat und Tat begleitet. Ein Blick hinter die Kulissen.

Verzweiflung und Optimismus, Hoffnung und Ideenreichtum: Die Wirtschaftsfachleute im Rheinisch-Bergischen Kreis sind in den vergangenen Wochen der Corona-Krise vielen Gemütslagen begegnet. Sie haben gemeinsam mit Unternehmen Lösungen gesucht, sich mit Arbeitnehmern um Perspektiven gekümmert und sich einem unsicheren Ausbildungsmarkt gestellt. Ein Einblick in die tägliche Arbeit der regionalen Akteure im Bereich Wirtschaft in Krisenzeiten.

Welche Unterstützung bekommen Unternehmen von der Wirtschaftsförderung des Kreises?

Zahllose Telefonate und Beratungsgespräche, eine Informationswebsite, Mails, Newsletter und die Sozialen Medien: „Wir konzentrieren uns auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft“, erklärt Volker Suermann, Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (RBW). Dazu gehört auch eine Vernetzung der verschiedenen Angebote. In den sozialen Medien wurde der Hashtag #glstark etabliert. „Die Entwicklung ist so dynamisch, dass wir zumindest die Informationsseite fast täglich aktualisieren müssen“, sagt Suermann.


Welche Sorgen machen sich Unternehmer nach dem Lockdown?

Volker Suermann Geschäftsführer der RBW Foto: RBK/Joachim Rieger

In den Gesprächen der RBW mit Unternehmern geht es vor allem um Kurzarbeit, Soforthilfen, Kreditfragen und um die Wiederaufnahme des geschäftlichen Betriebes. Die rheinisch-bergischen Unternehmen und deren Mitarbeiter seien zwar stark von der jetzigen Situation betroffen, erklärt Suermann, sie seien aber auch sehr engagiert und erfinderisch. „Als wir die Unternehmen in Abstimmung mit dem Krisenstab um Unterstützung bei der Beschaffung und Herstellung von Schutzausrüstung gebeten haben, haben wir große Hilfsbereitschaft erfahren“, berichtet Suermann.


Wo liegt aktuell der Arbeitsschwerpunkt der Agentur für Arbeit?

Die Agentur für Arbeit hat viele Mitarbeitende aus anderen Abteilungen für die intensive Bearbeitung der Anträge auf Kurzarbeit zusammengerufen. „Das ging sehr unkompliziert“, berichtet Jörg Runge, Arbeitsmarktberater der Agentur für Arbeit. Das Team sei seit neun Wochen im Dauereinsatz – auch an Wochenenden und Feiertagen. „Die Menschen freuen sich, dass ihnen geholfen wird“, beobachtet der Arbeitsmarktberater. Zu dieser Hilfe gehört auch die Regel, dass das Einkommen aus Nebenjobs in einem systemrelevanten Bereich für Kurzarbeitende bis zum 31. Oktober anrechnungsfrei bleibt.

Jörg Runge Arbeitsmarktberater der Agentur für Arbeit Foto: RBK/Joachim Rieger


An wen wenden sich Soloselbstständige in Zeiten der Krise?

Für viele Selbstständige, vor allem für die Soloselbständigen, sind die Angebote des Jobcenters relevant. „Viele von ihnen haben Hemmungen, sich beim Jobcenter zu melden und sich über Ansprüche zu informieren“, beobachtet Beraterin Wencke Bauhaus, „aber: Dies ist keine Zeit für Zurückhaltung.“ Wer aufgrund der Pandemie ein geringeres oder gar kein Einkommen hat, kann auch prüfen lassen, ob ein Anspruch auf Grundsicherung besteht.

Wencke Bauhaus Integrationsfachberaterin Jobcenter Rhein-Berg Foto: RBK/Joachim Rieger


Wie erlebt das Handwerk die Krise?

Existenzängste und der drohende Verlust von Arbeitsplätzen prägen aktuell viele heimische Unternehmen. Diese Erfahrung macht Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land. Da würden viele schwere Gespräche geführt – vor allem, wenn es darum gehe, ob ein Betrieb diese Krise überstehen werde. Parallel dazu hat das Handwerk auf allen politischen Ebenen Gespräche geführt. „Es müssen jetzt Investitionsanreize gesetzt werden“, fordert Otto. Der Mittelstand brauche gezielte Wachstumsimpulse.


Wie sieht die Situation für künftige Azubis aus?

Die Ausbildungsbetriebe im Kreis sind aufgrund der Corona-Krise verunsichert. „Gerade die vielen Klein- und Kleinstbetriebe, die unsere Region prägen, stehen wirtschaftlich stark unter Druck und fahren daher ihre Ausbildung zurück“, berichtet Torsten Schmitt, Leiter des Koordinierungsbüros „Übergang Schule-Beruf“. Das sei nachvollziehbar – aber perspektivisch gerade für diese Unternehmen keine gute Lösung. Das Koordinierungsbüro erarbeitet zur Unterstützung gemeinsam mit den Kooperationspartnern der „Initiative Zukunft Rhein-Berg“ Angebote: Es gibt Kurzberatungen, ein Onlinebewerberbuch und eine kostenlose Webinar-Reihe für Unternehmen. Seit den Lockerungen gibt es auch Vor-Ort-Beratungen. Schulen werden über digitale Lernangebote bei der Berufsorientierung für ihre Schüler begleitet.

Wie klingt die erste Bilanzaus der Gastronomie?

Torsten Schmitt Leiter  des Koordinierungsbüros „Übergang Schule-Beruf“ Foto: RBK/Joachim Rieger

Den Restaurants und Caterern sind viele Veranstaltungen verloren gegangen. „Das schmerzt“, sagt Tobias Kelter, Geschäftsführer von „Das Bergische“. Aber gleichzeitig hätten Restaurants viel Solidarität aus der Bevölkerung erfahren, was für Hoffnung in der Branche gesorgt habe. „Das Bergische“ zählte auf die Solidarität und rief die Aktion „Ich han‘ nen Deckel“ ins Leben, bei der die Menschen Gutscheine für Gaststätten in der Region kaufen können. Die Aktion hat mehr als 12.000 Euro für 28 teilnehmende Mitgliedsbetriebe eingebracht.

„Das Bergische“ zog mit der Aktion „Bergisches Billett“ für Freizeiteinrichtungen nach. „Wir hoffen nun, dass die Menschen nach dem Lockdown Urlaub vor der Haustür machen“, sagt Kelter.