Abgasskandal: 60 Dieselfahrzeugen droht Stilllegung

Abgasskandal: 60 Dieselfahrzeugen droht Stilllegung

18 Monate hatten Fahrer mit „Schummel-Diesel“ Zeit, ein Software-Update zu machen. Doch viele haben diese Frist verstreichen lassen. 6796 Dieselfahrzeuge sind auf Wermelskirchener Halter zugelassen.

Drei Jahre sind vergangen, seit der Dieselskandal im September 2015 bekannt wurde. Nun bekommen auch Dieselfahrer im Rheinisch-Bergischen Kreis die Auswirkungen zu spüren. 60 Dieselfahrer mit Schummel-Software droht die Stilllegung, wenn sie nicht umgehend ein Update durchführen lassen.

Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg hatte im Oktober 2017 den verbindlichen Rückruf aller betroffenen Dieselmodelle (rund 2,4 Millionen Autos) des Volkswagenkonzerns und seiner Marken angeordnet. In der Pressemitteilung heißt es, VW müsse die Fahrzeuge in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzen. Dazu gehöre, dass den Kunden keine Nachteile entstehen dürften. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gelte grundsätzlich eine Zusicherung von VW: Bei Kraftstoffverbrauch, CO2-Emissionen oder Motorleistung solle nach der Umrüstung keine Verschlechterungen stattfinden und alle typgenehmigungsrelevanten Fahrzeugwerte sollen unverändert Bestand haben.

Nach Freigabe der Updates durch das Kraftfahrtbundesamt ist der Hersteller dazu aufgefordert, die betroffenen Fahrzeuge zurückzurufen und entsprechend umzurüsten. Die betroffenen Halter werden dazu innerhalb von 18 Monaten mehrfach angeschrieben. Diese Übergangsfrist ist seit Anfang des Jahres für die „Schummel-Diesel“ verstrichen. Sie mussten sich bis einem Software-Update unterzogen haben. Dabei geht es nicht nur um Fahrzeuge von Volkswagen, auch Audi, Seat und Skoda sind betroffen. Bundesweit hat es schon einige Stilllegungen gegeben.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis fahren 50.105 Dieselfahrzeuge, teilte die stellvertretende Sprecherin der Kreisverwaltung, Hannah Weisgerber, auf Anfrage dieser Zeitung mit. 6796 rollen in Wermelskirchen. Bisher seien 60 Fahrzeughalter von der Kreisverwaltung angeschrieben worden, dass sie noch ein Update durchführen müssten. Vor allem in den letzten Wochen hätten sich die Meldungen des Kraftfahrtbundesamtes gehäuft. Im Juni seien dem Kreis erst 25 Fälle bekannt gewesen. „Eine Stilllegung ist wirklich die letzte Instanz“, sagt Weisgerber. „Zunächst werden Warnungen an die Fahrzeughalter verschickt. Die meisten melden sich daraufhin umgehend zurück.“ Es sei bisher noch nicht zu Problemen oder Stilllegungen gekommen.

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Was der Dieselskandal für wirtschaftliche Konsequenzen insgesamt hat, zeigt eine Statistik des Kraftfahrtbundesamtes. Im Jahr 2015 sind erstmals mehr Dieselfahrzeuge als Benziner neu zugelassen worden. Seitdem ist ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Ende 2017 ist nur noch ein Drittel aller neu zugelassenen Fahrzeuge mit einem Dieselmotor ausgestattet. Allerdings profitieren die Benziner und nicht die Gas-, Elektro-, oder Hybrid-Autos von diesem Trend.

Auch der Innungsobermeister Reiner Irlenbusch kann das bestätigen. „Die Deutschen haben zu viele Vorbehalte gegenüber Elektroautos. Es gibt in ihren Augen noch zu viele Nachteile.“ Bei Dieselwagen habe er die Zurückhaltung bei der Kundschaft auch bemerkt. Es herrsche weiterhin Unsicherheit. „Den Ford Kuga zum Beispiel haben wir in der letzten Zeit nur als Benziner verkauft“, sagt er. Im Moment sei aber wieder eine leichte Entspannung zu merken. Die Käufer informierten sich sorgfältig. Insgesamt hätte sich die Dieseltechnologie nämlich bewährt.

Die Kohlenstoffdioxid (CO2)-Problematik könne mit ihr besser im Vergleich zum Benziner gelöst werden. Der Stickstoffoxid-Ausstoß der Diesel sei auch auf dem Weg der Besserung, gerade jetzt durch eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit. Laut Bundesumweltamt könne ein aktives Abgasnachbehandlungssystem der aktuell verkauften Euro-6 PKW mit den Normen Euro 6b oder 6c den Stickstoffoxid-Ausstoß signifikant senken.