Was tut sich denn so auf dem markt?: Markt-Anlieger helfen sich selbst

Was tut sich denn so auf dem markt?: Markt-Anlieger helfen sich selbst

Der Markt weckt bei vielen Erinnerungen. Doch die mit der Umgestaltung erhoffte Belebung blieb aus. Die beiden Straßen verhindern die Anbindungen. Anlieger machen das Beste draus.

Das „Büdchen“ am Markt ist vielen Wermelskirchenern in guter Erinnerung. Dort war ständig Trubel, auch wenn das Häuschen auf einer „Straßeninsel“ stand. Das Büdchen steht jetzt im Freilichtmuseum Lindlar, der Markt wurde modern gestaltet mit ebenen Terrassen, steinernen Sitzmöbeln, der ehemalige Brunnen mit gläserner Sichtplatte wurde wieder hergestellt. Mittags sitzen schon mal bei schönem Wetter Schüler auf dem Markt und warten auf die nächsten Stunden; auch Mütter trifft man dort sporadisch, ebenso Flüchtlinge, weil dort wohl gutes Wlan-Netz ist. Doch was auf dem Markt fehlt, sind Veranstaltungen, die dem Platz Leben einhauchen.

Das wurde schon im Sommer 2017 bei der Mobilen Redaktion auf dem Markt gefordert. Der Markt sei eine Steinwüste, hieß es. Für „Rock am Markt“ längst zu klein. Veranstaltungen, die sich als Kundenmagneten entpuppen könnten für diesen unteren Teil der Stadt, gab es nicht – auch ein Jahr später hat sich wenig getan. Zwei interessanten Ideen – Bücherschrank, Kunstaktionen mit regelmäßigem Frühstückstreffen oder neue Veranstaltungen – wurden nicht angestoßen. Buchhändlerin Gabriele van Wahden hatte damals drauf gesetzt: „Kunstaktionen würden die Aufenthaltsqualität, die vorhanden ist, sicher steigen.“

Der Stadtmarketingverein hat einfach nicht die Kapazität, um auch dort noch etwas auf die Beine zu stellen. „Letztlich sind wir ehrenamtlich tätig“, so Vorsitzender Dankmar Stolz. Es sei schon schade, denn es sei ein schöner Platz in einem bergischen Ambiente. Aber letztlich, gesteht er ein, sei die Topografie ein Problem. Und: Der Platz sei zu klein für Veranstaltungen. Darum sei „Rock am Markt“ umgezogen. „Wir versuchen ja bei Veranstaltungen, den Markt einzubinden. So bei der ,Bergischen Weihnacht‘“. An den verkaufsoffenen Sonntagen würde der Markt angenommen, denn auch die Anlieger würden mitziehen. „Mehr Ideen haben wir für den Platz nicht“, gesteht Stolz ein. Der Platz sei zu schwierig. Aber er sei offen für Anregungen.

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Die Anlieger haben das Heft selbst in den Hand genommen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein hat vier große Blumenkübel gestiftet und bepflanzt drei- bis viermal im Jahr die Kübel; und die Anlieger – Weltladen, Bücherei und Naturheilpraxis - haben eine „Gießgemeinschaft“ gebildet. „Das klappt“, so Gabriele van Wahden: „Wir wollen es schön haben.“ Und da muss man ihr zustimmen. Der Sommer sei leider viel zu heiß gewesen, um dort in der prallen Sonne zu sitzen. Es fehlt der Sonnenschutz für so ein Wetter. Von der Idee eines Bücherschranks hat sie inzwischen Abstand genommen. Sie hat die Idee „Book-Bike“ des Kinder- und Jugendliteraturzentrums NRW aufgegriffen – ein Lastenfahrrad mit Büchern, Kissen, Tisch, Sonnenschirm wie auch Malstiften steht noch einige Wochen vor der Bücherei. Eine Open-Air-Lesung sei in den nächsten Wochen noch geplant.

Wichtig seien aber schon Festivitäten, so die engagierte Buchhändlerin – „bei der Kirmes hatten nur wir offen. Wir waren gut besucht, aber Aktivitäten auf dem Markt wären toll gewesen“. Vor einem Jahr war bei der Mobilen Redaktion auch mal über einen Kindertrödelmarkt gesprochen worden. Umgesetzt wurde auch das nicht. Es fehlt hier der Organisator. „Mit der ,Bergischen Weihnacht‘ haben wir ja im zweiten Halbjahr schon eine große Veranstaltung, aber auch im ersten Halbjahr wäre es gut, wenn sich dort etwas etablieren würde.“

Auch Michael Dangel könnte sich eine Belebung des Marktes vorstellen. Immerhin habe der Kunstverein sein „Schatzkästchen“ dort. „Aber wir sind alles Ehrenamtliche, das darf man bei aller Begeisterung nicht vergessen.“ Aktionen auf dem Markt würden sicher zu einer Belebung führen, hier sieht er die Möglichkeit, die bildhauerisch tätigen Künstler zu aktivieren. Wobei es sicher schwierig sein, wenn ein Künstler mit der Kettensäge arbeite und nebenan sollen Gespräche beim Frühstückstreffen stattfinden. „Aber wir haben acht Ausstellung in unserer Galerie, auch wenn die Vernissage sonntags ist – vielleicht könnte man bei schönem Wetter doch mehr nach draußen verlegen, um mehr Öffentlichkeit herzustellen.“ Er könnte sich auch Aktionen wie Zeichenworkshops auf der Marktterrasse vorstellen – „Bürger schauen den Künstlern über die Schulter, kommen ins Gespräch, bekommen Anregung. Das wäre was.“ zudem, meinte er, wäre es auch zu schaden, wenn die Galerie nur mittwochs und sonntags geöffnet sei. „Vielleicht können wir als Anlieger gemeinsam etwas machen“, so Dangel. Und die Stadtverwaltung? Im Rathaus ist eine Attraktivitätssteigerung ein Thema.