Brustkrauler in Wermelskirchen

Eine abgefahrene Truppe in Tente : Brustkrauler mit Inbrunst und viel Humor

Vor 20 Jahren gründeten sieben Männer einen Verein. Seitdem treffen sie sich einmal in der Woche zum Schwimmen – aber dabei ist es nie geblieben. Sie haben sich auch schon mal mit der Uefa angelegt.

Damals, als sie nach ihrem Schwimmbadbesuch in der „Buche“ saßen und den Männern des Taubenzuchtvereins zusahen, da wurden sie ein bisschen neidisch. „Die haben sich bis aufs Blut um 72 Cent gestritten“, sagt Dietrich Häcker, „das wollten wir auch.“ Die sieben Männer in der Buche waren es leid, ein loser Verband von sieben Schwimmern zu sein, die sich eben hin und wieder im Hallenbad trafen, sie wollten ein Verein sein. „Mit allem Drum und Dran“, sagt Häcker. Gezanke und Vollversammlung, Ausflüge, Satzung und Logo. Damals gründeten sie die „Bergischen Brustkrauler“. Das ist nun 20 Jahre her, aber wer einen Abend mit Wilfried Frowein und Ruppe Fuchs, mit Thomas Krause und Dietrich Häcker, Frank Suhr, Ingo Steinhaus und Peter Esser verbringt, der merkt schnell: Die Männer verbindet nach wie vor ihr Humor. Hier ein Wort ernst zu nehmen, wäre verheerend. Es nicht zu tun, auch.

Heute sind die Brustkrauler eine eingeschworene Gemeinschaft. Die einen drückten mit den anderen die Schulbank oder wurden zusammen konfirmiert, sie ernannten einander zu Trauzeugen und standen sich in dunklen Stunden bei. Sieben Männer, sieben Geschichten und ein enger Schulterschluss. „Am Anfang ging es uns wirklich um gesundheitliche Fragen“, erzählt Häcker. Der Arzt empfahl Joggen, die Männer entschieden sich fürs Schwimmen – und ein Bierchen im Anschluss. Sie testeten die Bäder der Region und blieben schließlich im H2O hängen. Jeden Donnerstag ziehen sie hier ihre Bahnen. „Wenn es zu voll ist, drehen wir um und trinken direkt unser Bierchen“, sagen die Vereinsmitglieder.

Aber meistens landen sie doch im Wasser – der Gesundheit zuliebe. Aus der Dampfgrotte flogen sie raus, weil sie zu viel quatschten. „Inzwischen boykottieren wir die Grotte“, sagt Häcker. Eine Zeit lang machten sie sich einen Spaß daraus, Mängel im Bad zu sammeln und an die Stadt zu melden. Im Whirlpool sorgten sie für Platz, in dem sie den anderen Gästen eine kleine Szene vorspielten. Ihr Gespräch begann dann mit den Worten: „Habe ich Sie nicht letztens im Krankenhaus gesehen?“ Und auf ihren Vereinsbadehosen steht die klare Botschaft: „Do not touch – Tu nicht tauchen“. Der Leitspruch habe direkt auf den „Pöppes“ gehört, sagen die Männer und erzählen von der modischen Entwicklung ihrer Badehosen. Bevor es ins Wasser geht, prüft der Präsident nach wie vor die Sauberkeit und hin und wieder bietet der kleine Verein auch Kurse mit dem Titel „Zum Nichtschwimmer in drei Tagen“ an.

Ein eigenes, hitverdächtiges Vereinslied, Touren in die schönsten Ecken des Landes und ein Logo: Die Brustkrauler verzichteten auf nichts. Und wegen des Logos führten sie sogar eine juristische Auseinandersetzung mit der Uefa. Die Logos sähen sich zu ähnlich, bemängelten die Brustkrauler und beschwerten sich. Die Uefa antwortete wortreich und die Brustkrauler schafften es zu Stefan Raab ins Fernsehen.

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„Wir sind inzwischen ein bisschen ruhiger geworden“, sagt Häcker. Allerdings waren sie neulich gemeinsam im Kino. Auf dem Programm stand „Swimming with men“. Und seitdem vermuten die Brustkrauler eine hinterhältige Kopie. „Der Film ist eine gelungene Persiflage auf die Gewohnheiten unseres Vereins“, stellt Ingo Steinhaus fest.

Und: „Vereinsnahe Kritiker meinen, dass hier doch wohl auf welchem Wege auch immer einiges aus unserer Vereinsgeschichte kopiert und ins Drehbuch des Kinofilms eingefügt wurde.“ Deswegen würden nun rechtliche Schritte geprüft.

Zum großen Vergnügen der Schwimmer natürlich. Was auch sonst!