Martin Horn und Ronny Lindemann wieder bei Billard-WM in Viersen für Deutschland am Start

Billard-WM: Neuer Anlauf auf eine WM-Medaille

Die Deutsche Billard-Union hat für die WM der Dreiband-Nationalmannschaften in Viersen wieder Martin Horn und Ronny Lindemann nominiert. Die beiden sind heiß auf Edelmetall, denn das gab’s für Deutschland zuletzt 2014.

Wenn es um die Erfolgsaussichten der deutschen Dreiband-Nationalmannschaft bei der Heim-Weltmeisterschaft in Viersen geht, könnten die Aussichten für das Turnier Mitte März besser sein. Denn die Deutsche Billard-Union (DBU) nominierte jetzt in Gestalt des Esseners Martin Horn und des Witteners Ronny Lindemann genau die beiden Spieler als Nummer eins und zwei, die gemeinsam in den beiden vergangenen Jahren jeweils im Viertelfinale scheiterten.

„Martin und Ronny sind ohne Zweifel aktuell die beiden besten deutschen Spieler. Dafür sprechen ihre Leistungen in den unterschiedlichen Ligen, in denen sie im In- und Ausland spielen“, sagt Helmut Biermann in seiner Funktion als DBU-Präsident. Dass Horn bei den Deutschen Meisterschaften im November lediglich Dritter hinter dem Sieger Cengiz Karaca und Hakan Celik (beide Berlin) wurde und Lindemann fehlte, ist für Biermann kein Argument gegen eine Nominierung der beiden. „Es gibt keinen Automatismus, dass der Deutsche Meister bei der WM spielt. Denn für so ein Turnier zählt die langfristige Leistung und nicht die bei einem Turnier“, erklärt Biermann. Horn, der für BC International Berlin startet, ist aktuell in der Rangliste der besten Dreiband-Bundesligaspieler auf Platz acht der beste Deutsche mit einem Generaldurchschnitt von 1,865 Punkten pro Aufnahme. Ronny Lindemann ist auf Platz 20 der zweitbeste Deutsche mit einem Generaldurchschnitt von 1,405 Punkten.

Wobei das deutsche WM-Duo auch in den vergangenen Jahren mit ansprechenden Vorleistungen zum Saisonhöhepunkt in Viersen anreiste. Während des Turniers stellte sich aber heraus, dass andere Nationen mit dem sogenannten Scotch-Double-System besser zurechtkommen. Bei dem System stößt ein Team abwechselnd, bis ein Fehler unterläuft. 2016 kam es erstmals zum Einsatz, allerdings nur, um nach zwei Einzeln im Falle eines Unentschiedens in einer Art Tiebreak eine Entscheidung herbeizuführen. Damals schied Horn an der Seite von Stefan Galla, mit dem er im Jahr zuvor noch Bronze gewonnen hatte, im Viertelfinale gegen die Niederlande aus. Um den Teamcharakter mehr zu betonen, wurde dann 2017 und 2018 nur noch eine Partie bis 40 im Scotch-Double-Modus gespielt. Horn/Lindemann mühten sich zwar redlich, doch beide Male ereilte sie das Aus wieder unter den letzten Acht und beide Male machten sie anschließend kein Geheimnis daraus, dass sie keine Fans des Scotch Double sind. Was übrigens für die große Mehrheit der Dreibandcracks gilt.

Helmut Biermann hätte seiner Nationalmannschaft gerne erspart, sich im März der internationalen Konkurrenz wieder mit dem unbeliebten System stellen zu müssen. Doch bei einer Sitzung des Weltverbandes (UMB) anlässlich der Einzel-WM im ägyptischen Kairo fand sich unter den Funktionären keine Mehrheit für die von Biermann vorgeschlagene Abschaffung. „Es sind nicht nur die Spieler, die das System nicht mögen. Auch die Zuschauer wollen es offenbar nicht“, erklärt Biermann und verweist auf einen Rückgang der verkauften Eintrittstickets für die WM in Viersen von jeweils 20 Prozent in den beiden vergangenen Jahren.

Aber auch wenn es frühestens im nächsten Jahr zu einem veränderten WM-Modus kommt, ist Biermann überzeugt, dass das deutsche Duo das Potenzial hat, endlich mal wieder eine Medaille bei der WM zu feiern. Zumal Martin Horn dabei ist, sich nach vielen Jahren der Abstinenz bei internationalen Turnieren wieder in der Weltspitze zu etablieren. Höhepunkt war für Horn sicher der Weltcupsieg im Oktober im französischen La Baule. In der Weltrangliste hat sich der Essener wieder auf Platz 26 vorgekämpft. Sein Partner Ronny Lindemann will trotz Scotch Double jedenfalls nicht schwarzmalen: „Das ist trotzdem eine riesige Chance, weil das System unberechenbar ist und wir auch jeden Gegner schlagen können. Vielleicht reicht’s ja dieses Mal wieder fürs Treppchen.“