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14 Covid-19-Patienten im Kreis Viersen im Krankenhaus

Corona im Kreis Viersen : 14 Covid-19-Patienten im Krankenhaus

In den vergangenen Tagen haben die Krankenhäuser im Kreis Viersen ihre Kapazitäten hochgefahren. Wie viele Betten und Beatmungsgeräte stehen zur Verfügung? Es ist gar nicht leicht, Antworten auf diese Fragen zu erhalten.

Die Krankenhäuser im Kreis Viersen stellen sich darauf ein, mehr Corona-Patienten aufzunehmen. Am Montag mussten bereits 14 Covid-19-Patienten stationär behandelt werden. Wie gut sind die Krankenhäuser auf steigende Zahlen eingerichtet? Der Krisenstab des Kreises macht dazu keine Angaben, verweist auf das regionale Planungskonzept, das von den Krankenhausträgern und den Verbänden der Krankenkassen erarbeitet werde. „Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir nicht ohne Zustimmung der Krankenhäuser Bettenzahlen nennen können“, sagte eine Sprecherin.

Damit tut sich insbesondere das zum Konzern Artemed gehörende Kempener Hospital Zum Heiligen Geist schwer, ließ eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion unbeantwortet. Offener gingen das Allgemeine Krankenhaus (AKH) Viersen, das St.-Irmgardis-Hospital Süchteln und die LVR-Klinik mit der Anfrage um. Die Fakten:

Intensivbetten Die meisten Corona-Erkrankungen haben einen milden Verlauf, es kann bei schweren Verläufen jedoch zu Luftnot kommen und zu geringer Sättigung des Blutes mit Sauerstoff. Dies ist lebensbedrohlich. In solchen Fällen müssen Patienten beatmet werden. Die drei Krankenhäuser verfügen über 39 Intensivbetten, von denen aktuell 19 frei und verfügbar sind.

Die Krankenhäuser haben in den vergangenen Tagen ihre Intensiv-Kapazitäten aufgestockt. So wurden beispielsweise im AKH 13 zusätzliche Betten geschaffen.

Weitere Betten Die Krankenhäuser verfügen über zehn Intermediate-Care-Betten. Wie viele von denen frei sind, wechselt stündlich. IMC-Betten sind zwischen Normal- und Intensivstation anzusiedeln. Patienten können dort mit Sauerstoff versorgt werden, es gibt jedoch keine invasive Beatmung (durch Intubierung). Die Patienten werden über Monitore überwacht, die Personalaustattung ist besser als auf einer Normalstation.

Beatmungsgeräte Am Montag hätten weitere 27 Menschen in den drei Häusern invasiv beatmet werden können. Die Zahl liegt tatsächlich höher, da zusätzlich drei weitere Beatmungsgeräte für die invasive Therapie zur Verfügung standen. Hätte es zudem Patienten gegeben, für die eine nicht-invasive Beatmung ausgereicht hätte, wären dafür weitere neun Geräte vorhanden gewesen. Dabei erhalten Patienten eine Atemmaske oder einen Atemhelm, über die mit Druck Sauerstoff zugeführt wird.

Den Gerätepark komplettiert ein sogenanntes ECMO-Gerät. Bei seinem Einsatz werden lungengeschädigten Patienten Katheter an den Leisten gesetzt, das Blut wird extern mit Sauerstoff angereichert und in den Körper zurückgeführt. Eins der drei Häuser macht derzeit ein zweites ECMO-Gerät einsatzfähig.

Externe Hilfen Niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt. Die Zahlen steigen. Am Montag gab es im Kreis Viersen insgesamt 278 diagnostizierte Fälle von Coronavirus. Von ihnen gelten 50 Personen als genesen. Für insgesamt 456 Kontaktpersonen ordnete das Kreisgesundheitsamt häusliche Quarantäne an. Zwei mit Covid-19 infizierte Personen im Kreis Viersen sind gestorben.

Auch in Alten- und Pflegeheimen gibt es Betten mit Sauerstoffanschluss. Ob der Krisenstab auf diese Betten im Notfall zurückgreift, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion ließ der Kreis seit Dienstag vergangener Woche unbeantwortet.  Den Bau eines provisorischen Krankenhauses, wie er in Berlin geschieht, strebt der Krisenstab nicht an. „Die Kapazitäten können auch ohne ein zusätzliches provisorisches Krankenhaus ausgebaut werden“, erklärte Sprecherin Anja Kühne. „So stellt etwa die LVR-Orthopädie in Viersen Operationen und Behandlungen zurück.“

Schutzmaterial In der vergangenen Woche rief das AKH die Bevölkerung dazu auf, Schutzmasken für die Klinik zu nähen – allerdings nur für die risikoarmen Bereiche des Krankenhauses. „In allen Risikobereichen unseres Hauses wenden wir speziell zertifizierte Masken an, die eine hohe Schutzstufe erfüllen“, betonte AKH-Sprecher Kaspar Müller-Bringmann. Mehr als 200 Masken trafen bereits in dem Krankenhaus ein. „Wir sind völlig überwältigt“, sagte der Krankenhaussprecher. „Der Kreis erhebt regelmäßig in den Bereichen der Gesundheitsvorsorge den Bedarf an Schutzkleidung. Demnach bleibt Schutzkleidung auch im Kreis Viersen knapp“, sagte Kreissprecherin Kühne. Es seien täglich mehrere Mitarbeiter im Kreis damit beschäftigt, an Nachschub zu kommen. „Dabei gehen wir auch kreative Wege, zum Beispiel werden wir von einer Baustofffirma beliefert“, so Kühne. „Wir sehen uns teilweise aber auch mit Mondpreisen konfrontiert von Anbietern, die an der Krise verdienen wollen. In jedem Fall sorgen wir dafür, dass die Einsatzkräfte des Kreises mit Schutzkleidung ausgerüstet sind.“

Am Freitag holte ein Team des DRK 6000 Masken im Auftrag des Kreises von der Bezirksregierung ab. Kühne: „Sie werden jetzt verteilt an Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei.“