1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Vier Windrad-Giganten mitten im Erholungsgebiet

Solingen : Vier Windrad-Giganten mitten im Erholungsgebiet

Bei der Ausweisung von neuen Flächen für Windkraftanlagen auf Solinger Stadtgebiet macht die Stadtspitze Druck.

Für die kommende Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 18. Februar haben Oberbürgermeister Norbert Feith und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter gestern einen Antrag auf einen Grundsatzbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes vorgelegt.

Er markiert den Startschuss für ein Verfahren, an dessen Ende bis zu 150 Meter hohe Windkraftanlagen in Solinger Natur- und Erholungsgebieten möglich würden. Konkret geht es um eine größere Fläche südwestlich der Sengbachtalsperre in einem Waldgebiet an der Stadtgrenze zu Witzhelden.

Dort wollen die Solinger Stadtwerke auf windreichen Höhen gleich vier riesige Windräder aufstellen. Das dazu nötige Änderungsverfahren des Flächennutzungsplans soll bis 2014 abgeschlossen sein. 2015 könnte sich bereits der erste von vier Windrad-Giganten drehen, jeweils so hoch wie der Kölner Dom. So hieß es gestern bei einem Pressegespräch im Rathaus.

"Wer Ja sagt zur Energiewende, der muss auch Ja sagen zur Suche nach geeigneten Flächen", ist Oberbürgermeister Feith überzeugt. Eine Alternative zur Änderung des Flächennutzungsplans sieht Stadtdirektor Hartmut Hoferichter nicht. "Wenn die Stadt nicht selbst aktiv wird, könnten private Antragsteller sich melden."

Die Genehmigung und Erschließung von Flächen durch die in der Arbeitsgemeinschaft Bergwind zusammengeschlossenen Stadtwerke Solingens und von Nachbarstädten wie Leverkusen, Langenfeld, Monheim, Remscheid sowie der Stadt Leichlingen hätte zudem den Vorteil von Möglichkeiten finanzieller Bürgerbeteiligung von Windkraftprojekten. "Das fördert die Identifikation", sagt der Oberbürgermeister.

Ziel eines veränderten Flächennutzungsplanes ist die Erweiterung von sogenannten Konzentrationszonen für Windkraftanlagen. Derzeit gibt es im Stadtgebiet drei (in Gräfrath, Auf der Geleichten, östlich Altenfeld und am Halfeshof). Ein von der Arbeitsgemeinschaft Bergwind in Auftrag gegebenes Standortgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass drei weitere Flächen möglich wären.

Sie alle befinden sich in landschaftlich reizvollen Natur- und Erholungsgebieten: im Süden der Ohligser Heide an der Grenze zu Richrath, nördlich von Oberburg an der Grenze zu Wermelskirchen und eben südwestlich der Sengbachtalsperre nahe Witzhelden. Im Zuge eines Prüfverfahrens, das nun schleunigst eingeleitet und an dem auch die Öffentlichkeit beteiligt wird, sollen laut Verwaltungsvorlage "harte" und "weiche Tabuzonen" ermittelt werden.

Harte Kriterien sind etwa vorgegebene Abstände zu Wohnbauten oder auch Naturschutzzonen. Als "weiche" Faktoren gelten Maßstäbe des Städtebaus oder Rücksichtnahme auf den Tourismus. "Uns ist klar, dass ein solches Vorhaben hohe Sensibilität verlangt", sagt Feith. Mit seinen Nachbarn, wie dem Leichlinger Bürgermeister Ernst Müller, werde er sich kommunal abstimmen.

(RP/rl)