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Solingen: Kinder auf Klassenfahrten angewiesen

Solingen : Kinder auf Klassenfahrten angewiesen

Die Wilhelm-Hartschen-Schule ist von der Debatte über zusätzliche Kosten besonders betroffen. "Für manche Kinder ist die Klassenfahrt der einzige Urlaub im Jahr", sagt Schulvereins-Vorsitzender Jürgen Isermann.

Die Diskussion um Klassenfahrten, die wegen zusätzlicher Kosten von den Schulen so unter Umständen nicht mehr durchgeführt werden können, trifft die Walder Wilhelm-Hartschen-Schule in besonderer Weise. Schulleiter Joachim Cerekwicki ist besorgt, den Kindern an der Liebigstraße die Ausflüge mit Mitschülern in der bisherigen Form nicht mehr ermöglichen zu können. Doch gerade diese Fahrten haben nach seinen Worten an einer Förderschule wie an der Liebigstraße eine herausragende Bedeutung. "Klassenfahrten gehören zum Schulprofil", betont er.

Jeder zweite Hartschen-Schüler ist körperbehindert, ein Drittel schwerstbehindert. Eltern eines mehrfach behinderten Kindes können mit der Tochter oder dem Sohn nicht einfach einmal zum Schwimmen gehen, sagt Jürgen Isermann, Vorsitzendes des Schulvereins der Wilhelm-Hartschen-Schule. Er ist Vater eines behinderten Kindes, und er erlebt, wie stark das Freizeitverhalten für eine Familie eingeschränkt ist. "Für mache Kinder der Wilhelm-Hartschen-Schule ist die Klassenfahrt der einzige Urlaub im Jahr", sagt Isermann.

Tradition an der Förderschule hat beispielsweise die möglichst jährlich stattfindende Wassersportfreizeit am Velouwemeer in Holland. Vom Windsurf-Kurs profitieren die Kinder in besonderer Weise, auch im Sinne des Gemeinschaftsgefühls und des Selbstbewusstseins.

Ein nicht ausreichender Reisekosten-Etat und die daraus eventuell resultierende Kürzung von Klassenfahrten wäre für die Wilhelm-Hartschen-Schüler fatal, sagt Rektor Cerekwicki.

Er erinnert an das Lernziel der Förderschule, die Kinder hinzuführen zur "größtmöglichen Selbstständigkeit in sozialer Integration". "Unsere Schüler benötigen für das Erreichen dieses Ziels wesentlich mehr Zeit, aber auch immer wieder neuen Situationen, Umgebungen, Menschen."

Hintergrund der Debatte um zusätzliche Kosten von Klassenfahrten sind zwei Gerichtsurteile, die Lehrern neuerdings den vollen Ersatz ihrer Reisekosten zusprechen. Dadurch wird es für die Pädagogen nicht mehr möglich, einen Teil der Kosten selbst zu bezahlen. Hartschen-Schulleiter Cerekwicki warnt, dass selbst ein um zwei Millionen Euro aufgestockter Klassenfahrt-Reisenkosten-Etat in NRW bei weitem nicht ausreichen wird.

Angesichts der beiden Gerichtsurteile hatte der Solinger Sprecherrat der Rektoren bereits davor gewarnt, dass jede zweite Klassen-fahrt ausfallen müsste, falls der Finanzetat für Klassenfahrten in 2013 nicht entsprechend angepasst und erhöht würde (wir berichteten).

(RP/rl)