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Fünffacher Kindesmord in Solingen: Mutter ab 14. Juni vor Gericht

Anklage zugelassen : Solinger Mutter soll ihre fünf Kinder ermordet haben – Prozess beginnt im Juni

An elf Verhandlungstagen soll am Landgericht Wuppertal geklärt werden, ob eine Solingerin im September 2020 ihre fünf jüngsten Kinder gezielt getötet hat. Die Motive sind bislang nicht genauer bekannt.

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Wuppertal hat die Anklage wegen Mordes in fünf Fällen zugelassen. Die Staatsanwaltschaft wirft der zur Tatzeit 27 Jahre alten Mutter vor, am 3. September vorigen Jahres in ihrer Wohnung an der Hasselstraße ihre fünf jüngsten Kinder im Alter zwischen eineinhalb und achteinhalb Jahren jeweils hohe Dosen von Medikamenten in deren Frühstücksgetränke gemischt zu haben.

In einer Pressemitteilung zur Eröffnung des auf elf Verhandlungstage angesetzten Prozesses am 14. Juni wird zudem beschrieben, dass die Angeklagte die eingeschlafenen Kindern nacheinander geweckt, ins Badezimmer gebracht, dort ausgezogen und in der mit Wasser gefüllten Wanne erstickt oder ertränkt haben soll. Anschließend soll sie das jeweilige Kind in Handtücher gewickelt in das Kinderzimmer zurückgelegt haben. Der Mutter wird vorgeworfen, mit dem durch die Verabreichung eines Medikamenten-Cocktails herbeigeführten Dämmerzustand gezielt gehandelt zu haben.

Die Frau hatte nach der Tat offenbar Suizid begehen wollen und sich in Düsseldorf vor einen Zug geworfen, sie überlebte aber. Das älteste Kind der Familie, ein elfjähriger Junge, war zum Tatzeitpunkt nicht zu Hause. Er lebt mittlerweile bei seiner Großmutter.

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Die Motive des Verbrechens sind bislang öffentlich nicht genauer bekannt. Unmittelbar nach der Tat vermuteten die Ermittler, dass die Mutter die Taten in einem „Zustand emotionaler Überforderung" beging, wobei ihre zerrüttete Ehe ein möglicher Hintergrund gewesen sein könnte. Das Landgericht veröffentlichte dazu am Freitag keine weiteren Angaben aus der Anklageschrift.

Bei dem Prozess soll geklärt werden, ob die in der Anklage erhobenen Vorwürfe zutreffen oder nicht. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Angeklagte als unschuldig. Sie sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

(gra/hsr/bsch/hebu)