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Stefan Kunze stellt in Solingen aus

Ausstellung : Ein zweites Leben mit Papier und Farben

Der studierte Architekt Stefan Kunze wurde durch einen Schicksalsschlag zum Künstler. „So fand ich zu meinen Talenten zurück“, erläutert der Düsseldorfer den Start in sein zweites Leben.

Seit Anfang Mai sind viele Museen wieder geöffnet und auch die Galerie SK meldet sich mit der Ausstellung „Mein zweites Leben“ im Kultur­betrieb zurück. Im Ausstel­lungs­format „Moment mal“ bieten die Solinger Künstler Menschen mit einer außer­gewöhn­lichen künstlerischen Biographie eine Plattform. In diesem Jahr zeigt der Erkrather Stefan Kunze farbige Zeichnungen.

Auch er hat eine schicksalhafte Biographie. Der ausgebildete Schrei­ner , der in Düsseldorf erfolg­reich zu­nächst Innenarchitektur und dann Architektur studierte, führte mit  Partnern ein aufstrebendes Düssel­dorfer Architekturbüro, als 2008  ein Schicksalsschlag auf einer Baustelle ihn von jetzt auf gleich aus dem Leben riss. Zwei Jahre kämpfte sich Kunze mit intensiver Unterstützung ins Leben zurück, musste einfachste Bewegun­gen und Tätig­keiten neu lernen. 2010 erhielt er mit Hilfe des LVR Verbund Heil­pädagogische Hilfen (Betreutes Woh­nen Kreis Mettmann) die Mög­lichkeit, verschiedene Kunst­aus­stel­lungen zu besuchen.

„So fand ich zu meinen Talenten zurück“, erläutert Stefan Kunze den Start in sein zweites Leben und ergänzt, „dieses neue Leben als Zeichner erfüllt mich jetzt ganz. Ich habe Frieden mit meinem Schicksal geschlossen.“ Begeistert erzählt er von den vielen intensiven Erlebnissen der letzten Jahre, Reisen mit seiner Familie nach New York, Spanien, Italien, aber auch Ausflüge in die Region mit seiner heilpädagogischen Assistentin. Dies alles hat sein Interesse für Architektur neu ent­facht.

Mit einfachen Zeichenmaterialien, Bleistift, Tusche und Aquarellfarbe, schafft Kunze sein künstlerisches Universum. An den Wänden der Galerie SK dominieren die Archi­tekturmotive: Alle Bauwerke hat er selbst besucht und vor Ort gezeichnet, sei es der New Yorker Central Park, das Kolosseum, das Kölner Schokoladen­museum oder Haus Müngsten. Den sicheren Blick für Perspektive und räumliche Staffelungen hat er nicht verloren. Sein Strich ist locker, entspannt, die farbigen Lasuren schaffen eine heitere Atmosphäre. Noch humor­voller erscheinen die Zeichnungen, wenn man auf versteckte Details achtet: Immer wieder baut der Zeichner einen kleinen Fisch oder ein Eichhörnchen surreal in das Architektur Arran­ge­ment ein. Oftmals signiert er mit einem comicartigen Selbstporträt. Seine Liebe zum Detail zeigen auch die Interieur Szenen, in denen jedes Objekt seinen speziellen Auftritt erhält: die Adilette , der Turn­schuh oder sein Zeichentisch.

Eine ganze Wand hat Kunze mit Bildzitaten gefüllt. Hier lässt sich ablesen, wie das Kopieren von Vorlagen oder von  Arbeiten anderer Künstler seine zeichnerischen Fähigkeiten technisch erweitert hat. Mögen diese Zeichnungen auch nicht wirklich eigenständig sein, so zeigen sie seine unbändige Lust am Ausprobieren. Stefan Kunze hätte noch viel mehr Bilder zeigen können – seit 2012 hat er mehrere Aktenordner mit seinen DIN-A-4 Zeichnungen gefüllt. Aus­stellungsorganisatorin Ela Schneider betont: „Alle Bilder können  für einen moderaten Betrag erworben und vom Käufer direkt mitgenommen werden. Die Rahmen werden direkt vor Ort mit neuen Zeichnungen bestückt.“

Die Ausstellung „Mein zweites Leben“ wird morgen um 15 Uhr in der Galerie SK, Alexander-Coppel-Str.44 eröffnet. Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden. Weitere  Besuchstage sind: Montag, 1. Juni, von 14 bis 17 Uhr; Sonntag, 7. Juni, von 11 bis 17 Uhr sowie mittwochs und sonnerstags von 17 bis 19 Uhr.