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Unternehmen in Solingen: Bergische Wirtschaft wegen Corona auf Talfahrt

Wirtschaft in Solingen : Bergische Wirtschaft ist auf Talfahrt

Die Geschäftserwartungen der bergischen Unternehmen rauschen in den Keller. Der Geschäftslage-Index sank um mehr als 50 Punkte. Dies ergab eine Konjunkturumfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK).

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in Solingen, Remscheid und Wuppertal „hart getroffen“. Der Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Thomas Meyer, sprach nach der jüngsten Umfrage der Kammer von einer „tiefen Rezession“. Der Geschäftslage-Index sei seit Jahresbeginn um mehr als 50 Punkte auf einen Wert von minus 35 Punkten gesunken „Das ist eine große Katastrophe, so eine Situation haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt“, erklärte Meyer zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage.

Insgesamt 650 Unternehmen mit rund 22.000 Beschäftigten haben sich an der IHK-Umfrage beteiligt, darunter 176 Firmen mit etwa 5000 Beschäftigten aus Solingen, 143 Betrieb aus Remscheid (rund 7500 Mitarbeiter) und 331 Unternehmen mit mehr als 9100 Beschäftigten aus Wuppertal. „Der Optimismus, der bei den Unternehmen noch zu Jahresbeginn herrschte, ist gänzlich verflogen“, sagte Thomas Meyer am Freitag. Die konjunkturelle Talfahrt habe sich binnen weniger Wochen derart beschleunigt, dass nun bei den Firmen überwiegend (57 Prozent der Befragten) Pessimismus verbreitet sei. „Und keiner weiß derzeit, wie lange die Corona-Pandemie andauert. Einige befürchten sogar eine zweite Welle“, erklärte der IHK-Präsident.

Zwar gebe es noch einige Bereiche, in denen es trotz der Krise normal oder auch gut laufe, wie beispielsweise dem Online-Handel oder den Anbietern von digitalen Kommunikationslösungen. Insgesamt „ist die Situation aber nicht schön“, meint Meyer. Beim Blick auf die einzelnen Städte „schneidet Solingen besonders schlecht ab. Viele kleine Betriebe haben hier große Sorgen“, so der Präsident der Bergischen IHK.

Während Wuppertal und Remscheid auf einen Indexwert von minus 29 beziehungsweise minus 37 kommen, erreicht Solingen einen Wert von minus 44. Die Werte sind in allen drei bergischen Großstädten seit Jahresanfang um 40 bis 60 Punkte in den Keller gerauscht. Noch ungünstiger als die gegenwärtige Lage werden die wirtschaftlichen Perspektiven eingeschätzt, zumal die Auftragsbestände in vielen Branchen im ersten Quartal eingebrochen seien.

Für die im Bergischen noch dominierende Industrie und die Automobilzulieferer befürchtet Meyer, dass der Tiefpunkt wohl erst zu Beginn des dritten Quartals erreicht sein wird. „Das wird ganz schwierig, die Nachfrage aus dem In- und Ausland ist derart eingebrochen, dass zurzeit einige nur noch von den Auftragsbeständen leben können“, so Meyer und ergänzte: „Im Großhandel und in der Industrie wird Trübsal geblasen.“

Große Existenzsorgen sieht der IHK-Präsident neben dem Hotel- und Gaststättengewerbe insbesondere auch bei den Busunternehmen, die ein Minus von 70 Prozent zu verzeichnen hätten. „Den Busunternehmen ist in den vergangenen Wochen die Geschäftsgrundlage entzogen worden“, sagte der für den Verkehr zuständige IHK-Ressortleiter Thomas Wängler. Auch Taxi-Unternehmen hätten hohe Einbußen zu verzeichnen. Sie konnten sich aber unter anderem mit Krankentransporten über Wasser halten. Ein Lob gab es von Wängler für die Spediteure: „Die Transportunternehmen sind in der Krise diejenige Branche, die Deutschland am Laufen gehalten haben.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Wenge kündigte an, den bergischen Unternehmen weiter zu helfen, „damit sie ordentlich wirtschaften können“. Mit Blick auf die rund 38.000 Mitgliedsfirmen ergänzte er: „Es darf keinen zweiten Lockdown geben.“

Obwohl die Firmen auf eine gute Kurzarbeitergeldregelung bauen können und deshalb weitestgehend am Personalstamm festhalten wollen, erklären laut Meyer einige Unternehmen aber auch, dass sie voraussichtlich nicht die gegenwärtige Beschäftigungssituation aufrechterhalten können. „Das trifft auch die Auszubildenden. Das macht uns große Sorgen“, sagte der IHK-Präsident.

Er zeigte sich gleichwohl auch etwas optimistisch und hofft, dass die bergischen Unternehmen möglichst gemeinsam und größtenteils unbeschadet durch die Corona-Krise kommen. Meyer sagte: „Aber dafür müssen wir kämpfen.“ Bund und Land lobte er jedenfalls für „die fruchtbare Zusammenarbeit“ mit der Wirtschaft.