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Bestatungen in Solingen: Der Trend auf den Friedhöfen geht zur Urne

Neue Bestattungskultur : Friedhof trägt dem Wandel Rechnung

Die evangelische Gemeinde hat auf dem Friedhof an der Bonner Straße ein Grabfeld für Orthodoxe und ein Baumbestattungsfeld für Urnengräber eingerichtet. Die Nachfrage nach letzteren ist hoch.

Wer auf dem zentralen Weg über den Friedhof an der Bonner Straße im Solinger Stadtteil Ohligs nach rechts und links blickt, sieht inzwischen immer wieder freie, von Hecken eingerahmte Grasflächen, in deren Mitte Rhododendren hervorsprießen. „Allein auf dem ersten Stück vom Eingang bis zur ersten Kreuzung sind es mittlerweile neun solcher Stellen“, bestätigt Pfarrer Klaus Hammes von der evangelischen Kirchengemeinde Ohligs den Eindruck.

Das liegt jedoch nicht etwa daran, dass auf der von der Gemeinde getragenen Anlage in der Nähe zur Ohligser Heide weniger Menschen beerdigt würden. Vielmehr hat sich, wie längst auch auf anderen Friedhöfen erkennbar, die Bestattungs- und Trauerkultur gewandelt: Der Trend geht zur Urne. Auch wenn klassische Beerdigungen im Sarg zuletzt wieder ein wenig zugenommen hätten, machten Feuerbestattungen mittlerweile über 60 Prozent des gesamten Aufkommens aus, erklärt Friedhofsverwalter Manuel Martitz.

Er legte zuletzt im Auftrag der Kirchengemeinde ein neues Grabfeld an. Im Zentrum der Anlage pflanzte er drei Kugelakazien, die von kleinen, in den Boden eingelassenen Steinen umringt sind.

Überall dort könnte in Zukunft eine letzte Ruhestätte liegen. 96 Plätze für Urnen gibt es an diesem friedlichen Ort. Dafür musste das Gelände leicht begradigt werden, eine Ablagefläche für Blumen entstand.

Und auch Bänke sollen laut Michael Reichert vom Friedhofsausschuss der Gemeinde noch hinzukommen. Einige Meter weiter hat die Gemeinde zudem ein großes Sargrasenfeld neu mit Bäumen versehen. Der Wandel der Gesellschaft bedinge den Hang zu pflegefreien Grabstellen, erklärt Hammes. „Viele Menschen ziehen weg und haben nicht mehr die Gelegenheit, die Gräber selbst zu pflegen“. Und letztlich seien auch finanzielle Argumente oft ausschlaggebend für die Bestattung auf dem Rasenfeld oder in der Urne.

Fast alle Friedhöfe in der Klingenstadt haben derartigen Veränderungen inzwischen Rechnung getragen. Und weil die Urnengräber wiederum weniger Platz brauchen, bleiben andere Grabstellen frei. Sie sollen aber nicht als trostlose weiße Flecken erscheinen: „Friedhöfe werden im Zuge der Anpassungen vom Ort der Trauer und des Gedenkens auch zu einer Art grünen Oase weiterentwickelt“, betont Hammes. Und so sollen die Rhododendren und Wildblumen auf den freien Grabfeldern auch Spaziergängern zwischen Schwanen-, Bonner und Langhansstraße ein Gefühl von Entspannung in der Natur bieten.

Eine weitere Neuerung setzte die Gemeinde als Träger des Friedhofs einen Steinwurf vom Baumbestattungsfeld entfernt – ebenfalls in zentraler Lage – um: Für orthodoxe Christen entstand in Absprache mit deren Gemeinden auf einer zuletzt nicht mehr genutzten Fläche ein Grabfeld mit 78 Grabstellen, auf das eine schlichte Stele hinweist.

Auch Trauerfeiern nach orthodoxer Tradition werden in der Friedhofskapelle künftig stattfinden. „Viele Menschen werden sonst in ihrer Heimat beerdigt“, erklärt Hammes. Das sei aber auch finanziellen Gründen nicht immer möglich. Die Flächen für die Orthodoxen sind in Richtung Osten ausgerichtet – und nicht zwingend wie andere Gräber durch Hecken begrenzt.