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Solingen: EM-Fieber mit Lahm-Wurst

Solingen : EM-Fieber mit Lahm-Wurst

Metzgermeisterin Conny Strodtkötter und ihr Team sind fußballverrückt. Zum heutigen Spiel gegen Italien werden sie wieder ihre Fußballkluft anziehen. Passende Produkte gibt es natürlich auch. Derweil hat Orakel Paul im Gasthaus Schaaf das Unfassbare getippt: die Italiener gewinnen.

Conny Strodtkötter kann nicht verstehen, dass sich manche Geschäftsleute die Fußball-EM und andere Groß-Events entgehen lassen. In ihrer Metzgerei in Ohligs jedenfalls wird alles mitgenommen. EM, WM, Olympia, immer mit der entsprechenden Deko und den passenden Produkten.

 Orakel Paul in voller Konzentration: Was er gleich tippen wird, ist auch für Gastwirt Philipp Müller (links) unfassbar: Italien wird heute gewinnen.
Orakel Paul in voller Konzentration: Was er gleich tippen wird, ist auch für Gastwirt Philipp Müller (links) unfassbar: Italien wird heute gewinnen. Foto: privat

Natürlich auch heute, wenn das Halbfinale der deutschen Mannschaft gegen Italien ansteht. Obwohl das Personal multikulturell ist — Mitarbeiter kommen aus fünf Nationen — gibt es heute keine Italienerin hinter der Ladentheke, doch viele Kunden sind Italiener, und da werden sich Conny Strodtkötter und ihre Mädels etwas einfallen lassen. Zum Beispiel wieder ihre "Lahm-Würstchen" verkaufen, das sind leicht gebogene Curry-Würstchen, die die Metzgermeisterin einfach etwas kürzer gemacht hat, und die so auf die Körpergröße und die leichten O-Beine des Nationalkickers anspielen. Offiziell so nennen dürfen sie die Würstchen so zwar nicht, doch das sieht man in der Ohligser Metzgerei wie so viele Dinge ganz locker.

Trost für griechische Kollegin

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Zum Beispiel, als die Griechen verloren haben, wurde Kollegin Angelika Potiri von den anderen getröstet. Und immer, wenn Conny Strodtkötter ihren Griechenwitz erzählt, fragt sie ihre Angestellte um Erlaubnis. Die hat sich schon daran gewöhnt und sie weiß natürlich inzwischen, wie die Griechen grillen: ohne Kohle.

Die Sportbegeisterung im Hause Strodtkötter kommt nicht von ungefähr. Die Chefin war selbst Leistungssportlerin, der 27-jährige Sohn spielt beim TSV Aufderhöhe, die Neffen sind aktive Handballer. Für die EM hat Conny Strodtkötter schon mal ihr Weihnachtsgeschenk vorgezogen und sich einen neuen Fernseher angeschafft.

Auch zur Olympiade wird sie sich etwas überlegen. Zum Beispiel wurde in den 80er Jahren Zehnkämpfer und Olympiasieger Jürgen Hingsen kurzerhand auf ein Schaufenster gemalt. Überhaupt lässt sich Conny Strodtkötter, die den Traditionsbetrieb vor fast 25 Jahren mit ihrer Schwester Heike Berger von der Mutter übernommen hat, immer etwas einfallen. Das Geschäft wird saisonal geschmückt, immer passend zum Ereignis.

Orakel Paul tippt auf Italien

EM-Fieber ganz anderer Art ist im Gasthaus Schaaf an der Ritterstraße ausgebrochen. Neben Public Viewing im Biergarten konzentriert sich dort momentan alles auf Orakel Paul, jenen Stammgast, der wie einst die bekannte Krake Spielergebnisse voraussagt. Dazu bekommt der Stammgast zwei Gläser Früh-Kölsch serviert, die auf Bierdeckeln stehen, unter denen die gegnerischen Nationalitäten verzeichnet sind. Das Bierglas, zu dem er zuerst greift, entscheidet über Wohl und Wehe der Kicker. Im Spiel Deutschland-Italien hat Paul zuerst zum Glas gegriffen, bei den ein I für Italien unter dem Deckel stand — und somit die Deutschen einfach aus dem Rennen getrunken.

(RP)