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Brauerei Veltins trommelt für Obus-Museum Solingen

Museumsspaziergänge in Solingen : Brauerei trommelt für Obus-Museum

Da sich kein Solinger Sponsor für die Werbung auf „059“ fand, lässt die Brauerei Veltins einen alten Slogan aus den 70er Jahren aufleben.

Bei den Stadtwerken war es keine Liebe auf den ersten Blick: Als 1999 der Verein Obus-Museum Solingen gegründet wurde, suchten die Mitglieder lange nach einem Parkplatz oder einer Halle für ihr erstes Fahrzeug – einen Wagen vom Typ ÜH IIIs. „Die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken wurde dann aber immer besser“, berichtet Jürgen Lehmann, Mitglied Nr. 28. „Ausschlaggebend war 2002 das Jubiläum 50 Jahre Obus in Solingen. Das haben wir nahezu alleine organisiert.“ Die mehrtägige Veranstaltung wurde mit vier geliehenen Oberleitungsbussen aus England, den Niederlanden und Eberswalde bestritten, weil der eigene Wagen 59 noch nicht restauriert war.

„Alles fand auf der Straße statt“ erinnert sich Lehmann an das Jubiläum, aus dessen Anlass er sein erstes Obus-Buch schrieb. „Die Besucher standen in Zweierreihen.“ Im folgenden Jahr unterbreiteten die Stadtwerke einen Mietvertrag über eine Fläche auf dem Betriebsgelände. 2004 konnten die Vereinsmitglieder dank einer Förderung durch den Bergischen Ring mit der Befestigung und dem Gießen von Fundamenten beginnen.

16 Jahre später ist die Halle immer noch an einer Seite offen. Im Verein wünscht man sich eine kleinere abschließbare Halle neben der größeren. „Wir hoffen, durch Spenden unseren Platz erweitern zu können“, sagt Vorstandsmitglied Lehmann. „Im Moment ist die Landesregierung den Museumsvereinen sehr zugetan.“ Die Solinger möchten ihr kleines Kontingent historischer Fahrzeuge erweitern. „In den kommenden Jahren werden die zum Teil zwei Jahrzehnte alten Fahrzeuge der Hersteller Berghof und Van Hool ersetzt. Es wird wahrscheinlich so sein, dass jeweils ein Wagen bei uns abgestellt wird.“

 Mitglieder beim letzten Arbeitseinsatz vor der Corona-Krise (v. l.): Franz-Josef Grantl, Daniel Kistner, Stefan Futschek, Jonas Dümpe, Martin Schreiber und Lutz Lüpkes.
Mitglieder beim letzten Arbeitseinsatz vor der Corona-Krise (v. l.): Franz-Josef Grantl, Daniel Kistner, Stefan Futschek, Jonas Dümpe, Martin Schreiber und Lutz Lüpkes. Foto: Jürgen Lehmann

Der Aufwand, die Obusse in Schuss zu halten, ist dann hoffentlich geringer als bei den ersten beiden Fahrzeugen. Obus 59, der „im Dienst“ 682.545 Kilometer gefahren war, wurde von 2004 bis 2006 in Polen restauriert. Gebaut hatte ihn die Waggonfabrik Uerdingen, die Achsen kamen von Henschel. „Es hat noch jahrelanger intensiver Arbeit bedurft“, erläutert Jürgen Lehmann. „Der Wagen musste elektrisch total überarbeitet werden. 2007, zum 55-jährigen Bestehen des Obus-Betriebs in Solingen, konnten wir endlich einen eigenen Wagen einsetzen.“

Er fuhr Reklame für Wilkinson und danach für Walbusch. Jetzt, wo sich kein Solinger Sponsor mehr fand, setzt sich die Brauerei Veltins für das Museum ein. „Wir freuen uns, einen erfolgreichen und weithin bekannten Veltins-Werbeauftritt auf dem historischen Obus revitalisieren zu können – das ist Authentizität pur“, sagt Pressesprecher Ulrich Biene. Die Kampagne „Wir führen Gutes im Schilde“ sei in den 1970er-Jahren eine der erfolgreichsten Werbekampagnen der deutschen Brauwirtschaft gewesen. „Wir honorieren mit unserem Engagement natürlich auch den ehrenamtlichen Einsatz der Helfer des Obus-Museums. Sie haben sich die Unterstützung wirklich verdient.“

 Die Brauerei Veltins unterstützt das Obus-Museum Solingen mit einer Werbung.
Die Brauerei Veltins unterstützt das Obus-Museum Solingen mit einer Werbung. Foto: Veltins

Fahren kann der „59“ im Moment wegen der Corona-Krise aber nicht. Auch der zweite Obus des Museumsvereins steht noch im Depot: ein kantiger „TS“, den die Mitglieder 2014 aus Argentinien zurückholten. 78 Stück der nur für Solingen gebauten Serie hatten die Stadtwerke 1988 nach Südamerika verkauft. Dort fuhren die Busse noch bis 2010 – in der Klingenstadt waren die von 1968 bis 1974 gebauten Fahrzeuge in den Jahren 1984 bis 1986 außer Betrieb genommen worden.

Der TS3 mit der Nummer 68 ist erst im Rohbau fertig, trägt aber schon Werbung für die Stadt-Sparkasse. Vor den Einschränkungen durch die Corona-Krise wurden noch die Scheiben eingesetzt. Seit 2016 arbeiten die Vereinsmitglieder an dem Fahrzeug, das vorher im Westerwald restauriert wurde. „Wir haben gerade Fördermittel bekommen“, erzählt Jürgen Lehmann. Das Geld wird neben den Scheiben für die Lackierung, die Sitzgestelle und die Polster gebraucht. „Das wird sich noch Jahre hinziehen“, blickt der gelernte Architekt voraus. „Es sind leider viel zu wenig Helfer.“

Und wegen der Corona-Maßnahmen dürfen sie im Moment auch nicht auf das Betriebsgelände an der Weidenstraße. Dabei drängt die Zeit: 2022 steht der nächste runde „Geburtstag“ der Solinger Obusse an.

„Wir hoffen, dass wir nach dem Ende der Krise den Fahrbetrieb wieder aufnehmen können“, sagt der gelernte Architekt, der für sein Hobby aus Büttgen nach Solingen pendelt. Die Touren mit dem Wagen 59 und seinem Anhänger sind für die meisten Obus-Freunde die einzige Möglichkeit, den alten Fahrzeugen nahe zu kommen. Denn Besichtigungen der Halle sind auch zu normalen Zeiten nur nach Absprache möglich. „Seit 2004 bieten wir beispielsweise Nikolausfahrten an“, erzählt Jürgen Lehmann. „Die waren immer ausverkauft – wie auch die Osterfahrt im vorigen Jahr.“ Wann die nächste „Rittertour“ stattfindet, ist wegen der aktuellen Lage unklar.

 Das Modell ÜHIIIs mit „Raucherkugel“: Bis 1962 bot der Anhänger die letzte Möglichkeit, im ÖPNV zu rauchen. Die „Kugel“ vom Typ Orion WH112 wurde 2017 wieder für den Personenverkehr zugelassen.
Das Modell ÜHIIIs mit „Raucherkugel“: Bis 1962 bot der Anhänger die letzte Möglichkeit, im ÖPNV zu rauchen. Die „Kugel“ vom Typ Orion WH112 wurde 2017 wieder für den Personenverkehr zugelassen. Foto: Radtke, Guido (gra)

Auch private Fahrten können zurzeit nicht durchgeführt werden. „Bis zu 15 Mal pro Jahr vermieten wir den Obus mit Personal – etwa für Hochzeitsfahrten“, erläutert Lehmann. „Wir wollen versuchen, auch die Trauungen selbst im Bus durchzuführen.“ Für Strecken abseits der Oberleitung steht in dieser Saison erstmals ein Dieselbus zur Verfügung.